Klasse-II-Komposit: Wie bekomme ich den Kontaktpunkt dicht?
Teilmatrize oder Tofflemire, Keil, Ring und Randleiste zuerst: Schritt für Schritt zum festen Approximalkontakt, mit Prüfung nach FDI-Kriterien und den typischen Fehlern.
Die Füllung an 36 distal sieht gut aus, Okklusion stimmt, du nimmst die Zahnseide und sie fällt ohne jeden Widerstand durch. Eine Woche später kommt die Patientin wieder, weil sich Fleischfasern zwischen 36 und 37 festsetzen. Ob der Kontakt fest wird, hängt vor allem davon ab, ob die Zähne beim Anlegen der Matrize separiert werden. Hier steht, welche Matrize du wählst, in welcher Reihenfolge du Keil, Matrize und Ring setzt und woran du vor dem Abnehmen des Kofferdams erkennst, ob der Kontakt hält.
Welche Matrize für welche Kavität
Die S3-Leitlinie „Direkte Kompositrestaurationen an bleibenden Zähnen im Front- und Seitenzahnbereich“ (AWMF 083-028, Stand 2024) sagt dazu zwei Dinge. Metall- und Kunststoffmatrizen können beide für einen ausreichenden Approximalkontakt verwendet werden. Für Klasse-II-Restaurationen soll eine anatomisch vorgeformte Teilmatrize in Kombination mit Keil und Ring bevorzugt werden, um den Kontaktpunkt zu optimieren und Überschüsse zu vermeiden. Beide Empfehlungen wurden im starken Konsens verabschiedet. Die klinische Datenlage zur Matrizenwahl ist dünn, In-vitro-Studien zeigen mit Teilmatrizen festere Kontakte, weniger Randüberschuss und stabilere Randleisten.
Eine systematische Übersicht von 2025 hat sechs randomisierte klinische Studien ausgewertet und kommt zum gleichen Schluss: Teilmatrizen mit Separationsring erzielen festere Approximalkontakte als die zirkuläre Matrize. Das Autorenteam weist allerdings darauf hin, dass neuere vorkonturierte Zirkulärmatrizen nicht untersucht wurden.
- Erste Wahl bei zweiflächigen Kavitäten
- Ring drückt die Zähne in Kontakthöhe auseinander
- Vorgeformte Wölbung gibt die Kontur der Randleiste vor
- Umschließt den ganzen Zahn, hält auch ohne Nachbarzahn
- Separation nur über den Keil
- Kontakt muss mit einem Handinstrument geformt werden
- In Studien regelmäßig schwächere Kontakte
Schritt 1: Den Keil richtig setzen
Der Keil hat zwei Aufgaben. Er presst die Matrize an den zervikalen Kavitätenrand, damit dort kein Komposit herausquillt, und er dichtet die Kavität mit ab. Für den Kontakt selbst bringt er wenig. In einer Laborstudie mit Teil- und Zirkulärmatrizen erzeugte der Keil eher eine Verlängerung oder Rotation der Zähne als eine echte Separation, die Gruppe nur mit Keil hatte die schwächsten Kontakte der Zirkulärmatrizen-Gruppen.
Viele keilen schon vor der Präparation vor. Auf die Kontaktstärke hat das Vorkeilen nach den bisherigen Studien nur einen geringen Effekt. Rechne also nicht damit, dass ein kräftiger Vorkeil den Kontakt schließt. Diese Aufgabe übernimmt der Ring.
Schritt 2: Teilmatrize und Ring anlegen
- Matrizengröße wählen, sodass der zervikale Rand der Matrize die Präparationsgrenze sicher überdeckt und okklusal knapp über der späteren Randleiste endet.
- Matrize einsetzen, dann den Keil unterhalb des Kontaktbereichs einschieben, sodass er die Matrize an den zervikalen Rand drückt.
- Ring setzen, die Ringfüße links und rechts vom Keil. Der Ring erzeugt seine Separationskraft in Höhe des Kontakts, genau dort, wo du sie brauchst.
- Sitz prüfen: Matrize liegt zervikal dicht, keine Lücke zwischen Matrize und Nachbarzahn.
Bei dreiflächigen Kavitäten arbeiten zwei Ringe gegeneinander. In einer klinischen Studie verschwand der Vorteil des Rings bei MOD-Kavitäten. Im Labor ergaben zwei gleichzeitig gesetzte Ringe festere Kontakte als ein Ring nacheinander auf jeder Seite. Setz bei MOD beide Ringe gleichzeitig, wenn dein System das zulässt.
Schritt 3: Matrize andrücken und die Randleiste zuerst
Drücke die Matrize vor dem Aushärten der ersten Schicht mit einem Kugelstopfer oder einem kontaktformenden Instrument an die Nachbarfläche. Bei der Zirkulärmatrize ist das die einzige Möglichkeit, den Kontakt zu formen. Allein reicht es aber nicht an die Teilmatrize mit Ring heran: Wenn nur Keil und Handinstrument verwendet wurden, waren die Kontakte in Studien schwächer.
Dann baust du zuerst die approximale Wand mit der Randleiste auf und härtest sie aus. Damit ist aus der Klasse-II- eine Klasse-I-Kavität geworden, und der Rest der Füllung lässt sich ohne Matrizenstress schichten. Dieses zentripetale Vorgehen ist für Teilmatrizen mit Ring beschrieben. Lass den Ring so lange sitzen, bis die Randleiste ausgehärtet ist.
Schritt 4: Kontakt und Rand prüfen
Nach den überarbeiteten FDI-Kriterien gilt ein Kontakt als physiologisch, wenn ein 25-µm-Metallstreifen mit Widerstand durchgeht. Gewachste Zahnseide ist eine akzeptierte, aber nicht standardisierte Alternative.
| Befund | Bewertung nach FDI | Was du tust |
|---|---|---|
| 25-µm-Streifen geht mit Widerstand durch | physiologisch | nichts |
| 50-µm-Streifen geht durch | leicht zu schwach | beobachten, Patientin nach Speiseretention fragen |
| 100-µm-Streifen geht durch | deutlich zu schwach | Korrektur planen |
| 25-µm-Streifen geht nicht durch | zu großer Kontakt oder Überschuss | Überschuss entfernen, Kontakt nachfinieren |
Ein zu fester Kontakt ist ebenfalls ein Fehler. Wenn man Zahnseide nur mit viel Druck durchbekommt, wird die Gingiva verletzt, und verblockte Kontakte verhindern die Interdentalhygiene. Ein zu lockerer Kontakt begünstigt Speiseretention. Überhänge sollen nach den FDI-Kriterien durch Nachbearbeitung beseitigt werden. Bleibt die Zahnseide zervikal hängen, such dort nach einem Überschuss.
Patient, 34 Jahre, Karies an 36 distal, Kavität zweiflächig OD, 37 steht mit intakter Mesialfläche daneben. Kofferdam, Teilmatrize in mittlerer Höhe, Holzkeil von lingual, Ring über den Keil. Nach dem Bonding drückst du die Matrize mit dem Kugelstopfer gegen 37, legst eine dünne Schicht Komposit an die Matrize und härtest sie aus. Danach baust du die distale Randleiste fertig auf, nimmst den Ring ab und schichtest den okklusalen Teil. Kontrolle: Der 25-µm-Streifen geht mit Widerstand durch, die Zahnseide schnappt ohne Hängenbleiben durch den Kontakt. Wäre der Streifen ohne Widerstand durchgerutscht, hättest du den Kontakt sofort korrigiert und nicht erst nach der Politur.
Die häufigsten Fehler
| Fehler | Wahrscheinliche Ursache | Abhilfe |
|---|---|---|
| Offener Kontakt | Keine Separation, nur Keil und Zirkulärmatrize | Teilmatrize mit Ring |
| Kontakt nur punktuell okklusal | Matrize nicht an die Nachbarfläche angedrückt | vor dem ersten Aushärten andrücken |
| Zervikaler Überhang | Keil sitzt zu hoch oder zu locker | Keil unter den Kontakt, Sitz vor dem Füllen prüfen |
| Flache, abgekippte Randleiste | Gerade Matrize, Randleiste zuletzt modelliert | vorgeformte Matrize, Randleiste zuerst |
Der Ring macht den Kontakt, der Keil dichtet den Rand, und die Randleiste baust du zuerst.
Mehr dazu findest du in den Caseside-Lektionen Matrizentechnik und der Approximalkontakt, Schichttechnik und Polymerisationsschrumpfung, Überstehende Ränder und Überschüsse, Trockenlegung: Kofferdam und die Alternativen und Ausarbeitung, Politur und Okklusionskontrolle.
In Caseside46 Lektionen FüllungstherapieVon der Kariesdiagnostik über Matrizen und Schichttechnik bis zur Abrechnung, jeweils mit Fall, Selbstcheck und Quellen.›Häufige Fragen
Metallmatrize oder transparente Kunststoffmatrize?
Beides ist möglich. Die S3-Leitlinie hält Metall- und Kunststoffmatrizen für gleichermaßen geeignet, einen ausreichenden Kontakt herzustellen. Kunststoffmatrizen lassen Licht durch, sind aber weniger formstabil.
Wann nehme ich doch die Zirkulärmatrize?
Wenn kein Nachbarzahn da ist, an dem sich ein Ring abstützen kann, oder wenn die Kavität so ausgedehnt ist, dass die Teilmatrize keinen Halt findet. Dann musst du den Kontakt besonders sorgfältig mit einem Handinstrument formen und anschließend prüfen.
Reicht Zahnseide zur Kontrolle?
Für den Alltag ja, gewachste Zahnseide ist nach den FDI-Kriterien eine akzeptierte Alternative. Genauer und reproduzierbar ist ein 25-µm-Metallstreifen, mit dem du einen leicht zu schwachen Kontakt sicherer erkennst.
Was mache ich, wenn der Kontakt nach dem Abnehmen der Matrize offen ist?
Am besten sofort korrigieren, solange Kofferdam und Adhäsivprotokoll noch stehen. Speiseretention oder eine Gingivaentzündung durch die Füllung stufen die FDI-Kriterien als Grad 4 ein, also klar korrekturbedürftig.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ), Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK). S3-Leitlinie Direkte Kompositrestaurationen an bleibenden Zähnen im Front- und Seitenzahnbereich. AWMF-Registernummer 083-028, Version 2.0, Stand 26.01.2024. register.awmf.org. Englische Publikation der Empfehlungen: Sekundo C, Frese C, Frankenberger R et al. Direct Composite Restorations on Permanent Teeth in the Anterior and Posterior Region. Part 2: Recommendations for Composite Processing. J Adhes Dent 2024;26:b5749192. doi:10.3290/j.jad.b5749192
- Kamble S, Ramugade M, Sayed A, Sapkale K, Gulhane A, Magar A. The Effectiveness of Circumferential and Sectional Matrix Systems in Obtaining Optimum Proximal Contact in Class II Composite Restorations: A Systematic Review. Cureus 2025;17(5):e84967. doi:10.7759/cureus.84967
- Saber MH, Loomans BAC, El Zohairy A, Dörfer CE, El-Badrawy W. Evaluation of Proximal Contact Tightness of Class II Resin Composite Restorations. Oper Dent 2010;35(1):37–43. doi:10.2341/09-037L
- Saber MH, El-Badrawy W, Loomans BAC, Ahmed DR, Dörfer CE, El Zohairy A. Creating Tight Proximal Contacts for MOD Resin Composite Restorations. Oper Dent 2011;36(3):304–310. doi:10.2341/10-210-L
- Fabianelli A, Sgarra A, Goracci C, Cantoro A, Pollington S, Ferrari M. Microleakage in Class II Restorations: Open vs Closed Centripetal Build-up Technique. Oper Dent 2010;35(3):308–313. doi:10.2341/09-128-L
- Hickel R, Mesinger S, Opdam N, Loomans B, Frankenberger R, Cadenaro M, Burgess J, Peschke A, Heintze SD, Kühnisch J. Revised FDI criteria for evaluating direct and indirect dental restorations: recommendations for its clinical use, interpretation, and reporting. Clin Oral Investig 2023;27:2573–2592. doi:10.1007/s00784-022-04814-1
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Lehrmaterial für die zahnmedizinische Aus- und Weiterbildung, keine Handlungsanweisung für den Einzelfall. Maßgeblich sind die jeweils geltenden Leitlinien und die Fachinformation des verwendeten Präparats.