Füllungstherapie Vertiefung 7 Min

Trockenlegung — Kofferdam und die Alternativen

Schritt 1 ·

Was du danach erklären kannst

Der Patient lehnt ab — und die Frage ist, ob dann überhaupt behandelt werden darf. Die Leitlinie ist hier differenzierter, als der Ruf des Kofferdams vermuten lässt.

1Was die Leitlinie tatsächlich sagtBeides ist möglich.
2Warum die Ablehnung eine Ursache hatUnd je nach Ursache eine andere Lösung.
3Welche Alternativen es gibtFünf, gestuft.
4Was dokumentiert wirdWenn er dabei bleibt.
7 MinutenVertiefung3 Selbstcheck-Fragen3 Quellen

„Da bekomme ich keine Luft mehr“

Elektiver Termin42 Jahre, Kompositfüllung an 25 geplant, kooperativ aber ablehnend. „Den Gummi um die Zähne möchte ich nicht. Da bekomme ich keine Luft mehr.“

Seine Sorge betrifft die Atmung — und die ist mit dem Kofferdam nicht beeinträchtigt, weil er über die Nase atmet. Diese Erklärung löst manche Ablehnung bereits auf.

Der springende PunktDie Leitlinie stellt fest, dass sowohl relative als auch absolute Trockenlegung erfolgreich angewendet werden können — die absolute könnte sich positiv auf die Lebensdauer auswirken. Das ist eine Abwägung, kein Verbot.

Was die Leitlinie sagt

Zur Kontaminationskontrolle kann sowohl die relative als auch die absolute Trockenlegung erfolgreich angewendet werden. Die absolute Trockenlegung könnte sich positiv auf die Lebensdauer der Restauration auswirken.

Das ist eine differenzierte Aussage — und sie ist praktisch wichtig. Wer sagt „ohne Kofferdam behandle ich nicht“, geht über die Leitlinie hinaus. Wer sagt „ohne Kofferdam ist es dasselbe“, ebenso.

Absolut (Kofferdam) Relativ
Kontaminationsschutz Sicher Abhängig von Sorgfalt und Situation
Sicht und Kontrast Deutlich besser Eingeschränkt
Schutz vor Aspiration Ja Nein
Zeitaufwand Anlegen kostet Zeit Geringer
Akzeptanz Bei manchen Patienten schwierig Meist unproblematisch

Nicht bei jeder Füllung, aber bei bestimmten Situationen wird der Kofferdam von der Kann- zur Sollentscheidung:

  • Tiefe subgingivale Ränder — dort ist relativ nicht sicher trockenzulegen
  • Ausgedehnte approximale Kavitäten mit langer Arbeitszeit
  • Bei Verwendung ätzender oder reizender Materialien — Schutz des Weichgewebes
  • Bei Aspirationsgefahr — kleine Instrumente, Matrizenteile

In diesen Fällen ist die Ablehnung ein Grund, die Behandlung zu verschieben und nach einer Lösung zu suchen — nicht, sie ohne durchzuführen.

Warum die Ablehnung eine Ursache hat

Ursache Lösung
Angst vor Atemnot Erklären, dass die Nasenatmung frei bleibt — kurze Demonstration
Würgereiz Kleinerer Ausschnitt, Splitdam, gegebenenfalls topische Betäubung
Beengungsgefühl Rahmenlose Systeme, kleinerer Ausschnitt
Frühere schlechte Erfahrung Nachfragen — oft war die Klammer das Problem, nicht der Kofferdam
Latexunverträglichkeit Latexfreie Systeme

Die vierte Zeile lohnt die Nachfrage. Häufig war nicht der Kofferdam unangenehm, sondern eine schlecht sitzende Klammer oder eine ungenügende Anästhesie. Das lässt sich lösen — die pauschale Ablehnung nicht.

⚠️ Was dokumentiert wird, wenn er dabei bleibt

Dass über die Vorteile aufgeklärt wurde, dass Alternativen angeboten wurden und dass der Patient nach dieser Information weiterhin ablehnt. Dazu der Hinweis auf die mögliche Auswirkung auf die Haltbarkeit.

Das ist keine Absicherung gegen ihn, sondern die Grundlage für das spätere Gespräch: Wenn die Füllung früher erneuert werden muss, ist die Frage nach dem Grund bereits beantwortet.

Drei Fragen

Ein Patient lehnt den Kofferdam ab. Welche Aussage trifft nicht zu?

Die dritte. Zur Kontaminationskontrolle kann sowohl relative als auch absolute Trockenlegung erfolgreich angewendet werden.Offene FrageWo liegt die Grenze? Bei tiefen subgingivalen Rändern, ausgedehnten Kavitäten mit langer Arbeitszeit und bei Aspirationsgefahr. Dort ist die Ablehnung ein Grund zu verschieben, nicht ohne zu behandeln.

Welche Lösungen kommen je nach Ursache in Betracht?

Drei. Je nach Ursache gibt es eine andere Lösung — und die Nachfrage lohnt sich.Offene FrageWas ergibt die Nachfrage nach früheren Erfahrungen oft? Dass nicht der Kofferdam das Problem war, sondern eine schlecht sitzende Klammer oder eine ungenügende Anästhesie.

Was gehört dokumentiert, wenn der Patient nach Aufklärung ablehnt?

Die erste. Dazu der Hinweis auf die mögliche Auswirkung auf die Haltbarkeit.Offene FrageWozu dient das? Für das spätere Gespräch. Wenn die Füllung früher erneuert werden muss, ist die Frage nach dem Grund bereits beantwortet.

Das, was hängenbleiben soll

Beides ist möglich, eines ist besser — und die Ablehnung hat eine Ursache, die man lösen kann.

Quellen

  • S3-Leitlinie „Direkte Kompositrestaurationen an bleibenden Zähnen im Front- und Seitenzahnbereich“, AWMF-Register-Nr. 083-028, federführend DGZ und DGZMK, publiziert Mai 2024 — einschließlich der Handlungsempfehlungen zu Trockenlegung, Matrizentechnik, Adhäsivtechnik, Lichtpolymerisation sowie Ausarbeitung und Politur.Deckt ab: Bewertung relativer und absoluter Trockenlegung zur Kontaminationskontrolle
  • S3-Leitlinie „Direkte Kompositrestaurationen an bleibenden Zähnen im Front- und Seitenzahnbereich“, AWMF-Registernummer 083-028, Version 2.0, Stand Januar 2024 — Vergleich relativer und absoluter Trockenlegung und deren Einfluss auf die Lebensdauer der Restauration. AWMFDeckt ab: Einfluss der Trockenlegungsart auf die Lebensdauer der Restauration
  • Bürgerliches Gesetzbuch §§ 630c bis 630f — Informations-, Aufklärungs- und Dokumentationspflichten einschließlich der Dokumentation abgelehnter Maßnahmen.Deckt ab: Aufklärung über die Folgen einer abgelehnten Maßnahme und deren Dokumentation

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