Als Sofortimplantat bezeichnet man ein Implantat das in die frische Extraktionsalveole eingebracht wird — am gleichen Tag wie die Extraktion. Im Gegensatz dazu steht das frühe Implantat (4–8 Wochen nach Extraktion, Weichgewebe teilweise abgeheilt) und das Spätimplantat (über 3 Monate nach Extraktion, Knochen vollständig abgeheilt). Das Sofortimplantat hat den offensichtlichen Vorteil: ein Eingriff statt zwei, kürzere Gesamtbehandlungszeit.
Nicht jede Alveole ist für ein Sofortimplantat geeignet. Die wichtigste Voraussetzung: kein aktiver Infekt zum Zeitpunkt der Extraktion. Periapikaler Abszess, aktive Parodontitis am Zahn, fistulöse Infektion — in diesen Fällen ist die Infektionsgefahr zu hoch. Das Implantat würde in bakteriell kontaminiertes Gewebe eingebracht und das Frühverlustrisiko steigt erheblich.
Zweite Voraussetzung: ausreichend Knochen apikal der Alveole für Primärstabilität. Das Implantat muss mindestens 3–5 mm apikaler Knochen „greifen“ um ausreichende mechanische Verankerung zu erreichen. Das kann präoperativ im DVT geplant werden — die tatsächliche Primärstabilität lässt sich aber erst intraoperativ prüfen.
Dritte Voraussetzung: intakte alveoläre Knochenwände. Wenn die bukale Wand (besonders im Frontzahnbereich) dünn oder bereits fenestriert ist, droht eine Implantatfreilegung. Besonders im Frontzahnbereich ist eine dünne bukale Lamelle ein Risikofaktor — hier ist ein konservativeres Vorgehen oft ratsam.
Das Entscheidende: Das Sofortimplantat kann nicht vorab garantiert werden. Patienten müssen vor dem Eingriff aufgeklärt werden: Plan A ist das Sofortimplantat — wenn intraoperativ die Bedingungen nicht stimmen (Primärstabilität unzureichend, überraschender Knochenbefund, Infektzeichen), wird die Alveole versorgt und das Implantat zu einem späteren Zeitpunkt gesetzt. Kein Vorabversprechen.
Bei korrekter Selektion ist die Erfolgsrate von Sofortimplantaten mit der von Spätimplantaten vergleichbar. Metaanalysen zeigen ähnliche Überlebensraten und periimplantäre Knochenverhältnisse. Der Hauptvorteil liegt nicht in der besseren Prognose, sondern in der Patientenfreundlichkeit: ein Eingriff, kürzere Gesamtdauer, weniger Knochenatrophie in der Einheilphase.
Gesunde Patienten ohne systemische Risikofaktoren, Nichtraucher, intakte Alveolensituation, kein Infekt. Besonders geeignet: Frontzähne mit traumatischer Ursache (Fraktur ohne Infektion), Extraktionen wegen Überkronung ohne Infekt. Weniger geeignet: endodontische Versager mit chronischer Infektion, parodontal kompromittierte Zähne.