Mundspülungen sind ein Milliarden-Markt. Die Versprechen der Werbung reichen von „bis zu 12 Stunden Schutz“ bis „klinisch bewiesen keimtötend“. Was davon ist evidenzbasiert, was Marketing? Die Wahrheit ist differenzierter: Mundspülungen können sinnvoll sein — aber für die meisten Menschen sind sie kein Muss, und kein Ersatz für das Wesentliche.
Keine Mundspülung der Welt ersetzt mechanische Zahnpflege. Zahnbürste und Interdentalbürste oder Zahnseide entfernen den Biofilm mechanisch — das kann keine Flüssigkeit erreichen die nur gurgelnd im Mund bewegt wird. Wer putzt und nicht spült: gut versorgt. Wer spült und nicht putzt: mangelhaft versorgt trotz Spülung. Das ist die wichtigste Aussage.
Chlorhexidindigluconat (CHX) ist das am besten untersuchte Antiseptikum in der Zahnheilkunde. Spektrum: grampositive und gramnegative Bakterien, Pilze. Substantivität: hohe Restaktivität an Mundschleimhaut. In der Zahnheilkunde indiziert nach parodontaler Behandlung (2 Wochen), nach chirurgischen Eingriffen, bei akuten Infektionen. Nicht als Dauermaßnahme: CHX verändert das orale Mikrobiom, verfärbt Zähne und Zunge (bräunlich), verändert die Geschmacksempfindung. Maximale Anwendung: 2–4 Wochen am Stück.
Sinnvoll für Hochrisikopatienten: Xerostomie, nach Bestrahlung, nach Chemotherapie, stark erhöhter Kariesindex. Tägliches Spülen mit 0,05% Natriumfluorid nach dem letzten Putzen (nicht ausspülen danach). Bei Kindern unter 6 Jahren: kein Fluorid-Spülen wegen Schluckreflexes.
Cetylpyridiniumchlorid (CPC): moderates Antiseptikum, weniger Nebenwirkungen als CHX, für Langzeitanwendung bei Gingivitis geeignet. Ätherische Öle (Listerine): nachgewiesener Effekt gegen Gingivitis, Brenngefühl durch Alkohol (10–27% Alkohol in klassischen Formeln). Alkoholfreie Varianten verfügbar. Zink: VSC-Reduktion bei Halitosis, wirksam als kurzfristige Maßnahme.