Wenn Schwangere ihre Zahnärztin oder ihren Zahnarzt fragen ob man in der Schwangerschaft röntgen darf, erwarten sie häufig ein klares Nein. Die tatsächliche Antwort ist differenzierter: medizinisch notwendige zahnärztliche Röntgenaufnahmen können auch in der Schwangerschaft durchgeführt werden — mit den richtigen Schutzmaßnahmen und nach sorgfältiger Abwägung der Indikation.
Die effektive Dosis einer einzelnen zahnärztlichen EZF-Aufnahme beträgt ca. 0,001–0,008 mSv. Zum Vergleich: Die natürliche Hintergrundstrahlung in Deutschland beträgt ca. 2,1 mSv pro Jahr. Eine Transatlantikflucht entspricht einer Exposition von ca. 0,04 mSv. Das fetale Strahlenrisiko durch eine einzelne zahnärztliche Aufnahme mit Bleischürze ist extrem gering — in einem Bereich der unterhalb der Nachweisbarkeit liegt.
Auch wenn das Risiko gering ist, sind Schutzmaßnahmen selbstverständlich. Bleischürze mit Schilddrüsenschutz: immer anlegen bei Röntgen einer schwangeren Patientin. Digitale Bildgebung bevorzugen: deutlich geringere Strahlendosis als konventioneller Film. Kollimation: Fokus auf das notwendige Gebiet beschränken. Kein unnötiges Wiederholen von Aufnahmen (technische Fehler vermeiden durch sorgfältige Positionierung).
Erste SSW (1.–12. SSW): besonders kritische Phase der Organogenese. Nur absolut notwendige Aufnahmen. Wenn möglich verschieben. Zweites Trimester (13.–26. SSW): günstigster Zeitpunkt für notwendige diagnostische Maßnahmen. Organogenese abgeschlossen, Frühgeburtsrisiko noch gering. Drittes Trimester (27. SSW bis Geburt): Keine besonderes Risiko durch Strahlung, aber lange Liegezeiten im Stuhl vermeiden (Vena-cava-Kompressionsgefahr). Große Aufnahmen (DVT, OPG): wenn möglich auf nach der Geburt verschieben wenn keine akute Indikation.
Eine häufige Situation: Patientin stellt sich heraus dass sie schwanger ist und hatte vor 2 Wochen eine Röntgenaufnahme. Beruhigen: das Risiko ist extrem gering. Das fetale Strahlenrisiko einer zahnärztlichen Aufnahme im ersten Trimester liegt im Bereich des Spontanfehlbildungsrisikos (ca. 3%) und erhöht dieses nicht messbar. Keine Panik, dokumentieren, Gynäkologen informieren.