Jeder der schon einmal eine kieferorthopädische Behandlung hatte kennt die Gefahr: Retainer nicht getragen und nach wenigen Monaten wandert alles zurück. Das ist kein Zufall und kein Fehler der Behandlung — es ist Biologie. Das Parodont und die Gingiva besitzen ein „Gedächtnis“ für die ursprüngliche Zahnposition. Kollagenfasern die bei der Zahnbewegung reorganisiert wurden, können sich monatelang bis jahrelang zurückziehen und damit Zähne in alte Positionen ziehen.
Ein dünner Stahldraht (0,0175–0,0195 Zoll) wird mit Komposit palatinal/lingual auf die Frontzähne geklebt. Typischerweise von 13 zu 13 im Oberkiefer und von 33 zu 43 im Unterkiefer. Vorteil: keine Compliance nötig — der Patient muss nichts tun. Nachteil: Zahnseide kann nicht mehr konventionell angewendet werden (Superfloss notwendig), und ein gelöster Retainer wird vom Patienten manchmal nicht bemerkt.
Für den Allgemeinzahnarzt im Recall: Retainer immer prüfen. Ist er noch vollständig an allen Zähnen festgeklebt? Verfärbungen oder Entklebungen? Ein Teil-gelöster Retainer der an einem Zahn noch klebt kann paradoxerweise Zahnbewegungen verursachen statt sie zu verhindern. Sofortige Neuversorgung oder Überweisung zum KFO.
Essix-Schiene (thermogeformte transparente Schiene) oder Hawley-Retainer. Erste Phase nach Behandlungsende: Ganztags tragen (nur beim Essen und Zähneputzen raus) für 3–6 Monate. Dann: nur nachts. Der Konsensus in der modernen Kieferorthopädie: lebenslange nächtliche Retention als Empfehlung. Die Europäische Kieferorthopädische Gesellschaft und die Deutsche Gesellschaft für Kieferorthopädie empfehlen dauerhaftes nächtliches Tragen.
Kleine Rezidive nach Retainerversagen: bei noch nicht vollständig abgeschlossener Zahnbewegung oft mit einer neuen Aligner-Serie oder kurzer festsitzender Behandlung korrigierbar. Große Rezidive: erneute vollständige KFO-Behandlung. Frühzeitige Erkennung ist entscheidend — deshalb Retainerstatus beim Recall immer dokumentieren.