Der globale Aligner-Markt ist in den letzten 10 Jahren explodiert. Invisalign, 3M Clarity Aligners, SureSmile, und viele weitere Anbieter haben das Segment revolutioniert — und durch intensive Direktwerbung an Konsumenten auch erhebliche Patientenerwartungen geweckt. Die medizinische Realität: Aligner können viel, aber nicht alles. Die Kenntnis der Grenzen ist für jeden Behandler wichtig.
Leichte Engstände bis ca. 4–6 mm, Diastema-Schluss im Frontzahnbereich, leichte Rotationen (bis ca. 20°), Niveauausgleich, Rezidivkorrekturen nach früherer KFO. Kippmovements (tipping) funktionieren gut. Intrusion im Frontzahnbereich: möglich wenn durch Attachments unterstützt.
Extrusion: die schwächste Bewegung im Aligner-System. Attachments können helfen, aber Extrusion bleibt anspruchsvoll. Stark rotierte Zähne über 30°: Aligner stoßen an Grenzen, festsitzendes System effizienter. Torquing im Seitenzahnbereich: eingeschränkte Kontrolle. Mesialisierung von Molaren: sehr schwierig. Klasse-III-Korrekturen: in der Regel nicht allein mit Alignern behandelbar. Skelettale Diskrepanzen: Aligner korrigieren Zähne, nicht Kiefer.
22 Stunden täglich. Nicht 20, nicht 18 — 22. Aligner die nicht getragen werden, bewegen keine Zähne. Das ist der grundlegende Unterschied zur festsitzenden Apparatur. Bevor Aligner empfohlen werden, muss ehrlich eingeschätzt werden: Ist dieser Patient compliant? Teenager, die vergessen die Schiene einzusetzen sobald sie nach Hause kommen, sind kein guter Kandidat für Aligner.
Direct-to-Consumer-Aligner (Marken die ohne Zahnarztbesuch bestellt werden können) sind medizinisch problematisch. Ohne klinische Untersuchung, ohne Röntgen, ohne Diagnose: keine sinnvolle kieferorthopädische Behandlung möglich. Es gibt dokumentierte Fälle von Wurzelresorptionen, Bissverschlechterungen und Zahnverlust durch unsachgemäß verordnete DTC-Aligner. Patienten klar abraten.