Leichtes Sickerbluten aus der Extraktionswunde für 30–60 Minuten nach dem Eingriff ist normal. Das Blut mischt sich mit Speichel und sieht nach mehr aus als es ist — ein Teelöffel Blut in einem Glas Wasser sieht dramatisch aus, ist aber eine kleine Menge. Wichtigste Sofortmaßnahme: 30 Minuten Bißdruck auf dem Tupfer oder Kompresse — nicht reden, nicht spucken, nicht ausspülen.
Aktiv sprudelnde arterielle Blutung. Nachblutung die mehr als 30 Minuten nach Bißdruck nicht sistiert. Neue Blutung nach einer mehrstündigen blutungsfreien Phase. Starke Schwellung im Mundbodenbereich (Hinweis auf Hämatom). Blutung kombiniert mit Fieber oder starker Schwellung. Diese Patienten müssen die Praxis aufsuchen — Telefonberatung allein ist nicht ausreichend.
Wunde inspizieren: Gefäßblutung? Knochenkanalanästhetikum-Vasokonstriktor noch aktiv? Zunächst: sauberer Tupfer auf die Alveole, Bißdruck 10–15 Minuten, kein Speichelabsaugen dazwischen. Wenn weiter blutend: Kollagenvlies oder Kollagenschwamm in die Alveole einbringen, mit Naht fixieren wenn nötig. Elektrokoagulation wenn Blutungsgefäß sichtbar. Tranexamsäure: 5% Lösung als Tupfer wirkt zusätzlich blutstillend.
Marcumar-Patienten: INR-Wert am Tag des Eingriffs wichtig. Unter 2,5–3,0: ambulante Extraktion mit intensivierter Lokalhämostase möglich. Keine routinemäßige Absetzung von Antikoagulanzien ohne Rücksprache mit Hausarzt — thromboembolisches Risiko kann höher sein als Blutungsrisiko. NOAK (Apixaban, Rivaroxaban, Dabigatran): bei Eingriffen mit erhöhtem Blutungsrisiko Einnahme am OP-Tag auslassen (Rücksprache Hausarzt). ASS 100: bei einfacher Extraktion nicht absetzen.
Anamnese vor jedem Eingriff: Antikoagulation, Gerinnungsstörungen, hämatologische Erkrankungen. Naht nach jeder Extraktion bei Risikopatienten. Klare schriftliche Verhaltensregeln mitgeben: keine heiße Flüssigkeit, kein Alkohol, kein Rauchen für 24 Stunden, nicht spülen, nicht an der Wunde manipulieren. Notfallnummer für den Abend angeben.