Eine häufige Fehlvorstellung: „Es sind doch nur Milchzähne — die fallen ja sowieso raus.“ Diese Einstellung unterschätzt die Bedeutung des Milchgebisses erheblich. Milchzähne erfüllen wichtige Funktionen: sie sind Platzhalter für die bleibenden Zähne, ermöglichen normales Kauen und Sprechen, fördern die Kieferentwicklung und haben Einfluss auf die spätere Zahnstellung. Frühzeitiger Verlust von Milchzähnen kann zu ernsthaften kieferorthopädischen Problemen führen.
Akuter dentoalveolärer Abszess mit Fistelbildung oder Schwellung: Milchzahn kann nicht erhalten werden, Infektion bedroht den darunter liegenden bleibenden Keimling. Extensive Karies die keine sinnvolle Erhaltungstherapie mehr zulässt (keine ausreichende Zahnsubstanz für Aufbau, Milchzahn-WK nicht durchführbar). Pathologische Wurzelresorption durch Infektion. Physiologischer Zahnwechsel unmittelbar bevorstehend (bleibender Zahn bereits sichtbar oder tastbar).
Wenn der Zahnwechsel noch 2 oder mehr Jahre entfernt ist und ein vorzeitiger Verlust droht, ist die Erhaltungstherapie des Milchzahns der Extraktion vorzuziehen — auch wenn sie aufwendiger ist. Möglichkeiten: Milchzahn-Pulpotomie (Vitalamputation bei tiefer Karies mit Pulpabeteiligung), anschließend Stahlkrone als langlebige Versorgung. Direkter Komposit-Aufbau bei ausreichend Restsubstanz.
Nach frühzeitiger Extraktion von Milchmolaren: Lückenhalter (Band and Loop oder Nance-Apparatur) verhindert das Kippen der Nachbarzähne in die Lücke. Ohne Lückenhalter: Platzverlust, Engstand, kieferorthopädischer Behandlungsbedarf. Lückenhalter verordnen und Überwachung sicherstellen.
Negative Zahnarzterfahrungen in der Kindheit prägen das Verhalten als Erwachsener. Tell-show-do, keine Überraschungen, altersgerechte Sprache. Lachgassedierung bei ängstlichen Kindern: sicher und effektiv. Für sehr ängstliche oder nicht kooperative Kinder mit extensivem Behandlungsbedarf: Narkosezahnheilkunde in spezialisierten Zentren.