21. März 2026
Komposit oder Amalgam: Was ist die bessere Füllung?

Hintergrund: Warum die Diskussion relevant bleibt

Jahrzehntelang war Amalgam das unbestrittene Füllungsmaterial der Wahl für Seitenzähne — robust, günstig, feuchtigkeitstolerant. Dann kam Komposit, und mit ihm eine Debatte die bis heute nicht vollständig abgeschlossen ist: Was ist wirklich besser? Die Antwort hängt davon ab, wen man fragt und welche Kriterien man anlegt. Wir schauen auf die Evidenz.

Das Ende des Amalgams in der EU

Seit dem 1. Januar 2025 darf Dentalamalgam in der EU nicht mehr für neue Füllungen verwendet werden — mit wenigen Ausnahmen für bestimmte medizinisch notwendige Fälle. Das ist keine Empfehlung, sondern Gesetz. Das Thema hat sich damit aus zahnmedizinischer Sicht im Wesentlichen erledigt. Komposit ist damit de facto der neue Standard für direkte Restaurationen.

Was Komposit wirklich kann — und wo seine Grenzen liegen

Komposit hat seit den 1990er-Jahren enorme Qualitätssprünge gemacht. Moderne Nano-Hybrid-Komposite sind polierbar, farbstabil, druckfest und bei korrekter Technik ausgezeichnet langlebig. Studien zeigen vergleichbare Überlebensraten zu Amalgam über 10 Jahre, wenn die Verarbeitungsqualität stimmt.

Das ist der entscheidende Punkt: Komposit ist ein techniksensitives Material. Feuchtigkeitskontamination während des Bondings, zu wenig Schichtstärke bei der Polymerisation, fehlender Kofferdam, unzureichende Randgestaltung — jeder dieser Faktoren kann die Langlebigkeit erheblich reduzieren. Amalgam war in dieser Hinsicht verzeihlicher.

Große MOD-Kavitäten: die eigentliche Herausforderung

Kleine Klasse-I-Füllungen, Klasse-III- und Klasse-IV-Füllungen an Frontzähnen, und moderate Klasse-II-Kavitäten: hier ist Komposit uneingeschränkt geeignet. Der kritische Bereich sind große mesio-okklusal-distale (MOD) Kavitäten an Seitenzähnen mit Höckeruntergrabung.

Bei solchen Läsionen zeigen Keramikinlays (Klasse-II-Inlay, Overlay, Onlay) in Studien bessere Langzeitprognosen als direkte Kompositfüllungen. Die Begründung: Keramik wird im Labor präzise hergestellt, hat keine Polymerisationsschrumpfung in situ und kann Höcker vollständig überdachen. Die S3-Leitlinie der DGZMK empfiehlt ab bestimmten Kavitätengrößen die Indikation zur indirekten Restauration zu prüfen.

Die Kofferdam-Frage

Komposit klebt nicht an feuchtem Dentin. Die Verbundfestigkeit des Bondingsystems ist direkt abhängig von einer trockenen, kontaminationsfreien Oberfläche. Speichel, Sulkusflüssigkeit oder Atemfeuchtigkeit — all das kann die Bondingverbindung und damit den Langzeiterfolg kompromittieren. Kofferdam ist bei Kompositfüllungen nicht „nice to have“, sondern Qualitätsmerkmal. Studien zeigen konsistent bessere Randqualität und längere Überlebenszeiten unter Kofferdam.

Was die aktuelle S3-Leitlinie empfiehlt

Die S3-Leitlinie Kariestherapie (AWMF, aktualisierte Fassung) empfiehlt Komposit als Material der Wahl für direkte Restaurationen. Amalgam sollte nur noch ausnahmsweise eingesetzt werden. Für große Defekte mit Höckeruntergrabung: Prüfung der Indikation zur indirekten Restauration (Keramikinlay). Die Entscheidung sollte immer auf dem individuellen Substanzverlust, dem Kariesrisiko des Patienten und der Erfahrung des Behandlers basieren.

Fazit für die tägliche Praxis

Das „vs.“ in der Überschrift ist heute im Grunde obsolet: Amalgam ist keine Option mehr. Die eigentliche Frage ist, welche Kompositfüllung oder ob eine indirekte Restauration indiziert ist. Die Antwort liegt im sorgfältigen Blick auf die Kavitätengröße, die Okklusion, das Kariesrisiko und die eigene Verarbeitungskompetenz. Komposit in guter Technik ist ausgezeichnet — aber die Technik muss stimmen.

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