Gingivale Rezession und Wurzeldeckung
Schritt 1 ·
Was du danach erklären kannst
Patienten kommen wegen der Ästhetik oder der Empfindlichkeit. Ob sich die Wurzel decken lässt, entscheidet ein Befund, den man nicht an der Rezession selbst erhebt — sondern daneben.
„Die Zähne werden immer länger“
In vielen Fällen ja — und wie weit, verrät ein Blick auf den Bereich zwischen den Zähnen.
Die Einteilung nach dem interdentalen Attachment
Die heute gebräuchliche Klassifikation ordnet Rezessionen nach dem Verhältnis von interdentalem zu bukkalem Attachmentverlust — und sagt damit die erreichbare Deckung voraus.
| Typ | Befund | Erwartbare Deckung |
|---|---|---|
| RT1 | kein interdentaler Attachmentverlust | vollständige Deckung erreichbar |
| RT2 | interdentaler Verlust kleiner oder gleich dem bukkalen | teilweise bis vollständige Deckung möglich |
| RT3 | interdentaler Verlust größer als der bukkale | vollständige Deckung nicht zu erwarten |
Der Gedanke dahinter ist einfach: Das Weichgewebe orientiert sich am darunterliegenden Knochen- und Attachmentniveau. Ist interdental Attachment verloren, fehlt die Stütze, an der sich die Papille ausrichten könnte — und damit die Höhe, bis zu der gedeckt werden kann.
Was vor jedem Eingriff steht
Eine Rezession hat immer eine Ursache, und wenn sie fortbesteht, wiederholt sich der Befund — auch nach einer erfolgreichen Deckung.
| Ursache | Was zu tun ist |
|---|---|
| Traumatische Putztechnik | Technik korrigieren, weichere Bürste, Druck reduzieren |
| Entzündung | Parodontitistherapie — sie geht jeder plastischen Maßnahme voraus |
| Dünner Phänotyp mit dünner Knochenlamelle | prädisponierend, nicht behebbar — bei der Planung berücksichtigen |
| Kieferorthopädische Bewegung nach bukkal | in Abstimmung bewerten |
| Piercing oder Habit | gezielt erfragen, oft nicht von selbst genannt |
Nicht jede Rezession braucht einen Eingriff. Behandelt wird bei ästhetischer Beeinträchtigung, bei Überempfindlichkeit, die anders nicht beherrschbar ist, bei Progression trotz Ursachenbeseitigung oder wenn die Reinigung durch die Kontur behindert wird. Eine stabile, beschwerdefreie Rezession ist ein Beobachtungsbefund.
Drei Fragen
Bei einer Patientin bestehen Rezessionen von 3 bis 4 Millimetern, interdental ist kein Attachmentverlust nachweisbar. Welche Aussage trifft nicht zu?
Welche Aussagen zur Rezession treffen zu?
Was steht vor jedem Deckungsversuch?
Das, was hängenbleiben soll
Quellen
- Cairo F, Nieri M, Cincinelli S, Mervelt J, Pagliaro U. The interproximal clinical attachment level to classify gingival recessions and predict root coverage outcomes: an explorative and reliability study. Journal of Clinical Periodontology 2011; 38: 661–666.Deckt ab: Klassifikation gingivaler Rezessionen nach dem interdentalen Attachmentlevel und ihre Vorhersagekraft für die erreichbare Wurzeldeckung
- Cortellini P, Bissada NF. Mucogingival conditions in the natural dentition: Narrative review, case definitions, and diagnostic considerations. Journal of Clinical Periodontology 2018; 45 (Suppl 20): S190–S198.Deckt ab: mukogingivale Befunde, Falldefinitionen, gingivaler Phänotyp und diagnostische Erwägungen
- Jepsen S, Caton JG, Albandar JM et al. Periodontal manifestations of systemic diseases and developmental and acquired conditions: Consensus report of workgroup 3 of the 2017 World Workshop. Journal of Clinical Periodontology 2018; 45 (Suppl 20): S219–S229.Deckt ab: Einordnung der Rezession in die Klassifikation und prädisponierende Faktoren
- Sanz M, Herrera D, Kebschull M et al. Treatment of stage I–III periodontitis — The EFP S3-level clinical practice guideline. Journal of Clinical Periodontology 2020; 47 (Suppl 22): 4–60.Deckt ab: Entzündungskontrolle vor jeder plastisch-parodontalen Maßnahme
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