PSI — das Screening richtig lesen
Schritt 1 ·
Was du danach erklären kannst
Das Screening dauert zwei Minuten und wird trotzdem regelmäßig falsch gelesen. Der häufigste Fehler ist nicht die Erhebung, sondern was danach passiert — oder eben nicht passiert.
Code 3 in zwei Sextanten
Nein, es ist nicht alles in Ordnung — und die Beschwerdefreiheit ist gerade das Kennzeichen der Erkrankung, nicht ihr Gegenbeweis.
Was der Index leistet
Der Parodontale Screening Index teilt das Gebiss in sechs Sextanten und erfasst pro Sextant den höchsten Befundwert. Gemessen wird mit einer speziell markierten Sonde, die die Ablesung der Sondierungstiefe erleichtert.
| Code | Befund | Konsequenz |
|---|---|---|
| 0 | keine Blutung, kein Zahnstein, Sondierung im gesunden Bereich | Kontrolle im üblichen Intervall |
| 1 | Blutung auf Sondierung | Mundhygieneinstruktion, professionelle Reinigung |
| 2 | zusätzlich Zahnstein oder überstehende Ränder | Beseitigung der Reizfaktoren, Instruktion |
| 3 | Sondierungstiefe im mittleren Bereich | vollständige Befunderhebung des betroffenen Bereichs |
| 4 | Sondierungstiefe im tiefen Bereich | vollständige Befunderhebung des gesamten Gebisses |
Der eigentliche Fehler liegt danach
Ein Screening ohne Konsequenz ist keine Diagnostik, sondern Dokumentation. Wird Code 3 oder 4 erhoben und folgt daraus keine vollständige Befunderhebung, ist der Aufwand vergeudet — und der Befund steht in der Akte, ohne dass etwas daraus wurde.
| Was folgt | Inhalt |
|---|---|
| Vollständiger Parodontalstatus | Sondierungstiefen an sechs Stellen je Zahn, Attachmentlevel, Blutung |
| Weitere Befunde | Furkation, Beweglichkeit, Rezession |
| Bildgebung | Bei entsprechendem Befund und mit eigener rechtfertigender Indikation |
| Anamnese vertiefen | Rauchen, Diabetes, Familienanamnese |
| Einordnung | Erst danach folgt die Diagnose nach Stadium und Grad |
Parodontitis verläuft über lange Zeit ohne Schmerzen. Die Frage des Patienten ist deshalb nicht naiv, sondern der Normalfall — und die Antwort darauf entscheidet, ob er die weitere Diagnostik mitmacht. Wer nur sagt, es sei nicht in Ordnung, ohne zu erklären warum es nicht wehtut, verliert ihn.
Drei Fragen
Bei einem beschwerdefreien Patienten ergibt das Screening in zwei Sextanten Code 3. Welche Aussage trifft nicht zu?
Welche Aussagen zum Screening treffen zu?
Was ist der häufigste Fehler im Umgang mit dem Screening?
Das, was hängenbleiben soll
Quellen
- Meyle J, Jepsen S: Der Parodontale Screening-Index (PSI). Parodontologie 2000; 11: 17–21, sowie Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses über eine ausreichende, zweckmäßige und wirtschaftliche vertragszahnärztliche Versorgung (Behandlungsrichtlinie), Abschnitt B I. Nr. 2 — Erhebung und Bewertung des PSI sowie die Regelungen zur Früherkennung parodontaler Erkrankungen in der vertragszahnärztlichen Versorgung.Deckt ab: Erhebung des Parodontalen Screening Index, Codewerte und die daraus abgeleiteten Konsequenzen
- Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses zur systematischen Behandlung von Parodontitis und anderen Parodontalerkrankungen (PAR-Richtlinie), in Kraft seit Juli 2021.Deckt ab: Stellung des Screenings in der vertragszahnärztlichen Versorgung und Übergang zur weiteren Diagnostik
- Tonetti MS, Greenwell H, Kornman KS. Staging and grading of periodontitis: framework and proposal of a new classification and case definition. Journal of Clinical Periodontology 2018; 45 (Suppl 20): S149–S161.Deckt ab: Weiterführende Befunderhebung, auf die ein auffälliges Screening hinführt
- Sanz M, Herrera D, Kebschull M, Chapple I, Jepsen S, Berglundh T, Sculean A, Tonetti MS. Treatment of stage I–III periodontitis — The EFP S3-level clinical practice guideline. Journal of Clinical Periodontology 2020; 47 (Suppl 22): 4–60.Deckt ab: Einordnung des Screenings in den Behandlungsablauf
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