Die Reevaluation — was danach entschieden wird
Schritt 1 ·
Was du danach erklären kannst
Der Termin, an dem sich entscheidet, wie es weitergeht. Er wird oft als Kontrolle behandelt und ist in Wirklichkeit der einzige Punkt der Therapie, an dem eine echte Entscheidung fällt.
Vier Monate nach der Instrumentierung
Überwiegend ja — und die drei verbliebenen Stellen sind genau das, worüber heute entschieden wird.
Warum erst jetzt entschieden werden kann
Vor der Instrumentierung lässt sich nicht sagen, welche Taschen sich zurückbilden. Das hängt vom Ausmaß der entzündlichen Komponente ab, von der Erreichbarkeit der Fläche, von der Mitarbeit — und all das zeigt sich erst im Ergebnis.
Deshalb ist ein chirurgischer Eingriff vor der Reevaluation nicht planbar, sondern nur als Möglichkeit zu benennen. Wer ihn vorab fest einplant, entscheidet ohne die Information, die dafür nötig wäre.
- Sondierungstiefe im Vergleich zum Ausgangsbefund
- Blutung auf Sondierung — die empfindlichste Größe, weil sie am schnellsten reagiert
- Attachmentlevel — ob weiterer Verlust eingetreten ist
Ohne vollständigen Ausgangsbefund fehlt der Vergleich. Das ist der Punkt, an dem sich eine nachlässige Erstbefundung rächt — und zwar dann, wenn sie sich nicht mehr nachholen lässt.
Was aus dem Befund folgt
| Befund | Weiteres Vorgehen |
|---|---|
| Sondierungstiefen gesunken, keine Blutung | Übergang in die unterstützende Therapie |
| Einzelne Reststellen ohne Blutung | Beobachten, engmaschiger kontrollieren |
| Reststellen mit Blutung, gut erreichbar | Erneute Instrumentierung dieser Stellen |
| Tiefe Reststellen mit Blutung, schlecht erreichbar | Chirurgische Optionen erwägen |
| Kein Ansprechen, schlechte Mundhygiene | Ursache klären — nicht eskalieren |
Wenn der Befund sich insgesamt nicht gebessert hat und die Mundhygiene unzureichend ist, liegt die Ursache nicht in der Instrumentierung. Ein chirurgischer Eingriff unter diesen Bedingungen führt kurzfristig zu einer Taschenreduktion und mittelfristig zum Ausgangsbefund — mit weniger Zahnfleisch. Hier gehört die erste Therapiestufe wiederholt, nicht die dritte begonnen.
Drei Fragen
Vier Monate nach der Instrumentierung sind die meisten Werte gesunken, drei Stellen zeigen weiterhin 6 Millimeter mit Blutung. Welche Aussage trifft nicht zu?
Welche Aussagen zur Reevaluation treffen zu?
Was ist die Voraussetzung für eine aussagekräftige Reevaluation?
Das, was hängenbleiben soll
Quellen
- Sanz M, Herrera D, Kebschull M et al. Treatment of stage I–III periodontitis — The EFP S3-level clinical practice guideline. Journal of Clinical Periodontology 2020; 47 (Suppl 22): 4–60.Deckt ab: Reevaluation als Übergang zwischen den Therapiestufen, Zeitpunkt und Kriterien der Beurteilung sowie die Festlegung des weiteren Vorgehens
- S3-Leitlinie „Die Behandlung von Parodontitis Stadium I bis III“, AWMF-Register-Nr. 083-043, federführend DG PARO und DGZMK, Stand Dezember 2020.Deckt ab: deutsche Implementierung der Empfehlungen zur Befundevaluation
- Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses zur systematischen Behandlung von Parodontitis und anderen Parodontalerkrankungen (PAR-Richtlinie), in Kraft seit dem 1. Juli 2021.Deckt ab: Befundevaluation in der vertragszahnärztlichen Versorgung, zeitlicher Rahmen und Anschluss an die unterstützende Therapie
- Chapple ILC, Mealey BL, Van Dyke TE et al. Periodontal health and gingival diseases and conditions. Journal of Clinical Periodontology 2018; 45 (Suppl 20): S68–S77.Deckt ab: Kriterien parodontaler Stabilität nach abgeschlossener Therapie
- Tonetti MS, Greenwell H, Kornman KS. Staging and grading of periodontitis. Journal of Clinical Periodontology 2018; 45 (Suppl 20): S149–S161.Deckt ab: Ausgangsbefund als Vergleichsgrundlage der Beurteilung
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