Parodontologie Vertiefung 7 Min

Periimplantäre Erkrankungen

Schritt 1 ·

Was du danach erklären kannst

Am Implantat gelten dieselben Prinzipien und andere Zahlen. Der wichtigste Unterschied ist einer, den man ohne eine bestimmte Aufnahme gar nicht beurteilen kann.

1Was Mukositis von Periimplantitis trenntDieselbe Logik wie bei Gingivitis und Parodontitis.
2Warum die Referenzaufnahme unverzichtbar istOhne sie fehlt der Bezugspunkt für alles.
3Warum das Implantat anfälliger istEine anatomische Struktur fehlt.
4Wer besonders gefährdet istDer Parodontitispatient steht ganz oben.
7 MinutenVertiefung3 Selbstcheck-Fragen4 Quellen

„Ich dachte, die brauchen keine Pflege“

Recall62 Jahre, Implantat regio 36 seit fünf Jahren. Blutung beim Putzen, leichte Schwellung der periimplantären Mukosa, Sondierungstiefe 5 Millimeter. „Das Implantat blutet jetzt. Ich dachte, die brauchen keine Pflege?“

Ein verbreitetes Missverständnis — und eines, das sich früh korrigieren lässt, solange nur die Schleimhaut betroffen ist.

Der springende PunktOb es noch eine Mukositis ist oder schon eine Periimplantitis, entscheidet der Knochen. Und das lässt sich nur beurteilen, wenn eine Referenzaufnahme vorliegt.

Die drei Zustände

Zustand Befund
Periimplantäre Gesundheit keine Blutung auf Sondierung, kein Knochenverlust über den Umbau hinaus
Periimplantäre Mukositis Blutung auf Sondierung, Entzündung ohne zusätzlichen Knochenverlust
Periimplantitis Blutung, in der Regel erhöhte Sondierungstiefe und Knochenverlust über den Umbau hinaus

Die Systematik entspricht der von Gingivitis und Parodontitis: Die Mukositis ist bei Beseitigung der Ursache rückbildungsfähig, der Knochenverlust bei Periimplantitis nicht. Damit ist die Früherkennung hier ebenso entscheidend wie am natürlichen Zahn.

Nach der Implantation findet ein Knochenumbau statt, der physiologisch ist. Erst was darüber hinausgeht, gilt als pathologisch. Um das zu beurteilen, braucht es eine Aufnahme aus der Zeit nach Eingliederung der Suprakonstruktion als Bezugspunkt. Liegt sie nicht vor, sehen die Falldefinitionen ersatzweise die Beurteilung über die Sondierungstiefe zusammen mit Blutung und dem Ausmaß des sichtbaren Knochenverlusts vor — das ist weniger präzise, aber besser als keine Einordnung.

Dem Implantat fehlt das Parodontalligament mit seiner Gefäßversorgung und seiner Faserstruktur. Die periimplantäre Abwehr ist dadurch schwächer, und eine Entzündung kann sich rascher nach apikal ausbreiten als am Zahn. Deshalb wiegt die Früherkennung hier noch schwerer.

Befund und Risiko

Punkt Vorgehen
Sondieren Gehört zur Kontrolle dazu — mit angemessenem, leichtem Druck
Blutung dokumentieren Sie ist das früheste Zeichen
Referenzaufnahme heranziehen Und wenn sie fehlt, das im Befund festhalten
Zementreste ausschließen Eine häufige und behebbare Ursache
Reinigbarkeit prüfen Die Suprakonstruktion entscheidet mit darüber, ob Pflege überhaupt möglich ist
⚠️ Wer besonders gefährdet ist

Patienten mit behandelter Parodontitis in der Vorgeschichte und Raucher. Bei ihnen ist die periimplantäre Nachsorge nicht optional, sondern Teil der Versorgung — und sie gehört zusammen mit der parodontalen Nachsorge geplant, nicht daneben. Auch eine schlecht reinigbare Suprakonstruktion ist ein Risikofaktor, den man nachträglich nur schwer behebt.

Drei Fragen

Bei einem Implantat besteht Blutung auf Sondierung und eine Sondierungstiefe von 5 Millimetern. Eine Referenzaufnahme liegt nicht vor. Welche Aussage trifft nicht zu?

Die dritte. Für die Abgrenzung zur Mukositis ist der Knochenverlust maßgeblich. Die Sondierungstiefe allein trägt die Diagnose nicht — sie hängt auch von der Weichgewebsdicke ab.Offene FrageWas heißt das für die Praxis nach einer Implantation? Dass die Aufnahme nach Eingliederung der Suprakonstruktion aufbewahrt und als Referenz gekennzeichnet gehört. Sie ist Jahre später der Bezugspunkt für jede Beurteilung.

Welche Aussagen zu periimplantären Erkrankungen treffen zu?

Drei. Ein gewisser Knochenumbau nach der Implantation ist physiologisch — erst was darüber hinausgeht, zählt. Und die Nachsorge ist gerade bei Implantaten Teil der Versorgung.Offene FrageWarum hält sich die Vorstellung der pflegefreien Implantate? Vermutlich, weil sie nicht kariös werden. Das ist richtig — vor der periimplantären Entzündung schützt es nicht.

Welcher behebbare Faktor gehört bei diesem Befund ausgeschlossen?

Die erste. Zementüberschüsse sind eine häufige und behebbare Ursache periimplantärer Entzündungen. Ein gelockerter Implantatkörper wäre dagegen bereits das Ergebnis, nicht die Ursache.Offene FrageWie findet man Zementreste? Über die Sondierung, die Aufnahme und den Blick unter die Suprakonstruktion, wo das möglich ist. Sie sind nicht immer sichtbar — und werden deshalb oft erst gefunden, wenn man gezielt sucht.

Das, was hängenbleiben soll

Ob Mukositis oder Periimplantitis, sagt der Knochen — und den beurteilt nur die Referenzaufnahme.

Quellen

  • Renvert S, Persson GR, Pirih FQ, Camargo PM. Peri-implant health, peri-implant mucositis, and peri-implantitis: Case definitions and diagnostic considerations. Journal of Clinical Periodontology 2018; 45 (Suppl 20): S278–S285.Deckt ab: Falldefinitionen für periimplantäre Gesundheit, Mukositis und Periimplantitis sowie die diagnostischen Anforderungen einschließlich der Referenzaufnahme
  • Berglundh T, Armitage G, Araujo MG et al. Peri-implant diseases and conditions: Consensus report of workgroup 4 of the 2017 World Workshop. Journal of Clinical Periodontology 2018; 45 (Suppl 20): S286–S291.Deckt ab: Konsensusbericht zur Einordnung periimplantärer Erkrankungen in die Klassifikation
  • Herrera D, Berglundh T, Schwarz F et al. Prevention and treatment of peri-implant diseases — The EFP S3 level clinical practice guideline. Journal of Clinical Periodontology 2023; 50 (Suppl 26): 4–76.Deckt ab: Prävention und Behandlung periimplantärer Erkrankungen, Stufenschema und Nachsorge
  • Sanz M, Herrera D, Kebschull M et al. Treatment of stage I–III periodontitis — The EFP S3-level clinical practice guideline. Journal of Clinical Periodontology 2020; 47 (Suppl 22): 4–60.Deckt ab: parodontale Vorerkrankung als Risikofaktor und die Parallelen im Behandlungsaufbau

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