Parodontologie Grundlagen 6 Min

Subgingivale Instrumentierung

Schritt 1 ·

Was du danach erklären kannst

Der Kern der Therapie — und die Frage, die dabei am häufigsten gestellt wird, ist die nach dem Instrument. Die Antwort darauf ist weniger wichtig, als die meisten annehmen.

1Was tatsächlich entfernt wirdDer Biofilm — der Zahnstein ist nur sein Träger.
2Ob Hand oder Schall den Unterschied machtDie Übersichtsarbeit ist an dieser Stelle eindeutig.
3Was bei der Terminplanung zähltAuch dazu gibt es eine belastbare Antwort.
4Was der Patient danach erwartetZwei Folgen, die vorher besprochen gehören.
6 MinutenGrundlagen3 Selbstcheck-Fragen4 Quellen

„Machen Sie das mit Ultraschall oder von Hand?“

Vor der Behandlung51 Jahre, Parodontitis Stadium III, generalisiert. Die Instrumentierung steht an. „Ein Bekannter hat gesagt, mit Ultraschall geht es schneller und tut weniger weh. Machen Sie das so?“

Die Frage lässt sich beantworten — und die Antwort ist beruhigender, als der Patient erwartet: Beides funktioniert.

Der springende PunktEntscheidend ist nicht das Instrument, sondern ob alle betroffenen Flächen erreicht werden. Daran scheitert die Behandlung, nicht an der Wahl der Kürette.

Was entfernt wird

Ziel ist die Störung und Entfernung des subgingivalen Biofilms. Der Zahnstein ist dabei nicht das eigentliche Problem, sondern seine raue Oberfläche bietet dem Biofilm Halt — deshalb wird er mit entfernt.

Die historische Vorstellung, die Wurzeloberfläche müsse dabei umfassend abgetragen werden, ist überholt. Das moderne Verständnis ist zurückhaltender: so viel wie nötig, so wenig wie möglich, um Zement und Dentin zu schonen.

Die systematische Auswertung im Rahmen der Leitlinienarbeit kommt zu dem Ergebnis, dass sich Handinstrumente und maschinelle Verfahren in ihrer Wirksamkeit nicht wesentlich unterscheiden. Beide sind geeignet, und viele arbeiten kombiniert: maschinell für die Grobentfernung und schwer zugängliche Bereiche, von Hand für die Feinbearbeitung und die taktile Kontrolle. Wer sich mit einem Instrument sicherer fühlt, arbeitet damit besser — das ist der praktisch entscheidende Faktor.

Auch die Frage, ob in einer Sitzung oder über mehrere Termine quadrantenweise gearbeitet wird, ist untersucht. Ein klinisch bedeutsamer Unterschied im Behandlungsergebnis ließ sich nicht zeigen. Die Entscheidung richtet sich damit nach Praktikabilität: Behandlungsdauer, Belastbarkeit des Patienten, Anästhesiebedarf und Terminorganisation.

Was den Erfolg tatsächlich bestimmt

Faktor Warum
Vollständigkeit Eine nicht erreichte Fläche unterhält die Entzündung weiter
Zugänglichkeit Furkationen, tiefe Taschen und Konkavitäten sind die kritischen Stellen
Anästhesie Ohne ausreichende Schmerzausschaltung wird nicht gründlich gearbeitet
Zeit Zu knapp bemessene Termine führen zu unvollständiger Bearbeitung
Häusliche Reinigung Ohne sie ist die Tasche binnen Wochen wieder besiedelt
⚠️ Was der Patient danach erwartet

Zwei Dinge gehören vorher besprochen: Die Zähne können vorübergehend empfindlicher auf Kälte reagieren, und das Zahnfleisch zieht sich nach Abklingen der Entzündung zurück — die Zwischenräume werden sichtbarer. Beides ist erwartbar und kein Behandlungsfehler. Wer es hinterher erklärt, erklärt es gegen einen bereits entstandenen Eindruck.

Drei Fragen

Ein Patient fragt, ob maschinell oder von Hand instrumentiert wird. Welche Aussage trifft nicht zu?

Die dritte. Die systematische Auswertung fand keinen wesentlichen Wirksamkeitsunterschied. Was zählt, ist, ob alle betroffenen Flächen erreicht werden.Offene FrageWarum hält sich die Vorstellung einer Überlegenheit? Weil maschinelle Verfahren neuer wirken und weniger anstrengend sind. Beides sind praktische Vorteile — Wirksamkeitsvorteile sind es nicht.

Welche Aussagen zur Instrumentierung treffen zu?

Drei. Der Zahnstein ist Träger des Biofilms, nicht selbst die Ursache. Und für die Frage, ob in einer Sitzung oder quadrantenweise gearbeitet wird, ließ sich kein klinisch bedeutsamer Unterschied zeigen.Offene FrageWonach entscheidet man dann? Nach Praktikabilität — Behandlungsdauer, Belastbarkeit des Patienten, Anästhesiebedarf. Das ist eine organisatorische Entscheidung, und sie darf auch so benannt werden.

Was gehört vor der Behandlung besprochen?

Die erste. Beide Folgen sind erwartbar, und beide erschrecken Patienten, wenn sie unangekündigt auftreten. Ein Versprechen der Beschwerdefreiheit hält nicht, und abgeschlossen ist die Behandlung nach der Instrumentierung nicht.Offene FrageWarum zieht sich das Zahnfleisch zurück? Weil die entzündungsbedingte Schwellung abklingt und der Gingivarand auf sein tatsächliches Niveau zurückgeht. Es ist ein Zeichen des Erfolgs — sieht für den Patienten aber nach dem Gegenteil aus.

Das, was hängenbleiben soll

Nicht das Instrument entscheidet, sondern ob jede Fläche erreicht wurde.

Quellen

  • Suvan J, Leira Y, Moreno Sancho FM, Graziani F, Derks J, Tomasi C. Subgingival instrumentation for treatment of periodontitis: a systematic review. Journal of Clinical Periodontology 2020; 47 (Suppl 22): 155–175.Deckt ab: Wirksamkeit der subgingivalen Instrumentierung, Vergleich der Instrumente und Vorgehensweisen sowie der Behandlungsprotokolle
  • Sanz M, Herrera D, Kebschull M, Chapple I, Jepsen S, Berglundh T, Sculean A, Tonetti MS. Treatment of stage I–III periodontitis — The EFP S3-level clinical practice guideline. Journal of Clinical Periodontology 2020; 47 (Suppl 22): 4–60.Deckt ab: Empfehlungen zur Durchführung, Wahl des Instrumentariums und Zeitpunkt der Reevaluation
  • S3-Leitlinie „Die Behandlung von Parodontitis Stadium I bis III“, AWMF-Register-Nr. 083-043, federführend DG PARO und DGZMK. Deutsche Implementierung der EFP-Leitlinie, Stand Dezember 2020.Deckt ab: deutsche Implementierung der Empfehlungen zur Instrumentierung
  • Bürgerliches Gesetzbuch §§ 630c bis 630f — Informations-, Aufklärungs- und Dokumentationspflichten.Deckt ab: Aufklärung über Ablauf und zu erwartende Folgen sowie deren Dokumentation

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