Parodontitis bei Immunsuppression
Schritt 1 ·
Was du danach erklären kannst
Drei sehr verschiedene Patientengruppen mit einem gemeinsamen Nenner: Die Abwehr, auf die sich die Parodontitistherapie stützt, ist herabgesetzt. Was daraus folgt, ist bei jeder Gruppe etwas anderes.
Zwei Jahre nach der Transplantation
Darf er — und er sollte. Bei diesem Befund kommen zwei Dinge zusammen: die medikamentenbedingte Wucherung und eine parodontale Entzündung, die unter der Immunsuppression anders verläuft.
Drei Gruppen, drei Besonderheiten
| Gruppe | Was auffällt |
|---|---|
| Nach Organtransplantation | Dauerhafte Immunsuppression; bei bestimmten Substanzen zusätzlich Gingivawucherung |
| Unter Biologika bei Autoimmunerkrankungen | Gezielte Hemmung einzelner Entzündungswege — teils mit unerwarteter Wirkung auf das Parodont |
| Mit HIV-Infektion | Bei guter Therapie weitgehend unauffällig; bei unbehandelter Infektion charakteristische Befunde |
Was du anpasst
| Punkt | Vorgehen |
|---|---|
| Zeitpunkt | Sanierung vor Beginn der Immunsuppression, wo planbar — dann ist alles einfacher |
| Invasive Eingriffe | Abstimmung mit der behandelnden Praxis, insbesondere bei Biologika |
| Nachsorgeintervall | Kürzer als üblich — die Kontrolle ersetzt einen Teil der fehlenden Abwehr |
| Gingivawucherung | Bei entsprechender Medikation eigenständig bewerten, nicht als Parodontitis |
| Infektionszeichen | Können abgeschwächt sein — der Befund fällt milder aus, als er ist |
Dass die Entzündungszeichen abgeschwächt sein können. Weniger Rötung und weniger Blutung bedeuten hier nicht weniger Erkrankung — dasselbe Muster wie beim Raucher. Bei diesen Patienten wiegen Sondierungstiefe und Attachmentverlust deshalb schwerer als das entzündliche Erscheinungsbild.
Drei Fragen
Ein Patient zwei Jahre nach Nierentransplantation zeigt Gingivawucherung und Taschen bis 6 Millimeter. Welche Aussage trifft nicht zu?
Welche Aussagen zur Parodontitis bei Immunsuppression treffen zu?
Welcher Befund sollte bei einem Patienten ohne bekannte Immunsuppression aufhorchen lassen?
Das, was hängenbleiben soll
Quellen
- Albandar JM, Susin C, Hughes FJ. Manifestations of systemic diseases and conditions that affect the periodontal attachment apparatus: case definitions and diagnostic considerations. Journal of Clinical Periodontology 2018; 45 (Suppl 20): S171–S189.Deckt ab: Falldefinitionen und diagnostische Erwägungen bei erworbenen Immundefekten und ihren parodontalen Manifestationen
- Jepsen S, Caton JG, Albandar JM et al. Periodontal manifestations of systemic diseases and developmental and acquired conditions. Journal of Clinical Periodontology 2018; 45 (Suppl 20): S219–S229.Deckt ab: Einordnung immunsuppressionsbedingter parodontaler Veränderungen in die Klassifikation
- Herrera D, Retamal-Valdes B, Alonso B, Feres M. Acute periodontal lesions and endo-periodontal lesions. Journal of Clinical Periodontology 2018; 45 (Suppl 20): S78–S94.Deckt ab: nekrotisierende Parodontalerkrankungen bei dauerhaft beeinträchtigter Abwehr
- Sanz M, Herrera D, Kebschull M et al. Treatment of stage I–III periodontitis — The EFP S3-level clinical practice guideline. Journal of Clinical Periodontology 2020; 47 (Suppl 22): 4–60.Deckt ab: Anpassung der Parodontitistherapie und ihrer zeitlichen Planung
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