Parodontologie Vertiefung 6 Min

Halitosis

Schritt 1 ·

Was du danach erklären kannst

Ein Vorstellungsgrund, bei dem die häufigste Ursache nicht dort liegt, wo die meisten suchen — und bei dem eine einzelne Substanz verrät, ob der Mund überhaupt der richtige Ort ist.

1Wo die Ursachen tatsächlich liegenÜberwiegend intraoral, und dort meist an einer Stelle.
2Wie du die Ursache eingrenztZwei Handgriffe, die den Bereich einkreisen.
3Welche Substanz auf eine andere Ursache zeigtSie unterscheidet intraoral von extraoral.
4Was zu tun ist, wenn nichts zu riechen istDann liegt ein eigenes Krankheitsbild vor.
6 MinutenVertiefung3 Selbstcheck-Fragen5 Quellen

„Meine Frau sagt, ich rieche aus dem Mund“

Sprechstunde46 Jahre, Parodontitis Stadium II. „Meine Frau sagt seit Monaten, ich rieche aus dem Mund. Ich putze zweimal täglich und benutze Mundwasser. Woran liegt das?“

Die Parodontitis erklärt einen Teil — aber wahrscheinlich nicht den größten. Der liegt eine Etage weiter unten.

Der springende PunktDie häufigste einzelne Ursache intraoraler Halitosis ist der Zungenbelag — nicht die Zähne und nicht das Zahnfleisch.

Wo die Ursachen liegen

Die systematische Auswertung schätzt, dass etwa 80 bis 90 Prozent der Fälle eine intraorale Ursache haben. Eine große klinische Auswertung an einer spezialisierten Sprechstunde ordnet diese Fälle weiter zu: Zungenbelag in etwa 43 Prozent, gingivale oder parodontale Erkrankungen in etwa 11 Prozent, eine Kombination aus beidem in etwa 18 Prozent.

Der Mechanismus ist in allen Fällen derselbe: Gramnegative anaerobe Bakterien bauen schwefelhaltige Eiweißbestandteile ab und erzeugen dabei flüchtige Schwefelverbindungen. Die Parodontaltasche ist dafür ein ideales Milieu — und der Zungenrücken mit seinen Papillen ebenso.

Schwefelwasserstoff und Methylmercaptan stehen im Vordergrund bei intraoraler Halitosis. Dimethylsulfid dagegen wird vor allem mit extraoralen Ursachen in Verbindung gebracht — mit Stoffwechsel-, Leber- oder Nierenerkrankungen. Wo eine entsprechende Messung verfügbar ist, ist das ein praktisch nützlicher Hinweis darauf, ob der Mund überhaupt der richtige Ort für die Suche ist.

Die gebräuchliche Einteilung unterscheidet die echte Halitosis, bei der ein Geruch objektiv feststellbar ist, die Pseudohalitosis, bei der der Patient einen Geruch wahrnimmt, der sich nicht bestätigen lässt, und die Halitophobie, bei der die Überzeugung auch nach erfolgreicher Behandlung oder nach negativem Befund fortbesteht. Die letzten beiden brauchen etwas anderes als eine Zungenreinigung.

Wie du eingrenzt und behandelst

Schritt Inhalt
Objektivieren Die organoleptische Beurteilung gilt als Referenzverfahren
Mund gegen Nase Geruch nur aus dem Mund spricht für eine orale oder pharyngeale Ursache
Zungenrücken beurteilen Belag nach Ausdehnung und Dicke, dokumentiert
Parodontalen Befund erheben Die Tasche ist die zweite intraorale Quelle
Weitere orale Ursachen Kariöse Läsionen, undichte Restaurationen, Prothesen, Mundtrockenheit

Die Behandlung folgt der Ursache: mechanische Reinigung des Zungenrückens, Parodontitistherapie, Beseitigung weiterer Quellen. Systematische Auswertungen zeigen, dass die Zungenreinigung die Werte flüchtiger Schwefelverbindungen senkt — mit Schabern deutlicher und länger anhaltend als mit einer gewöhnlichen Zahnbürste.

⚠️ Was Mundwasser leistet

Es überdeckt und wirkt kurzzeitig antibakteriell. Die Ursache beseitigt es nicht — der Patient im Fallbeispiel benutzt es seit Monaten ohne Erfolg, und genau das ist zu erwarten. Wer nur ein anderes Mundwasser empfiehlt, wiederholt den Fehler.

Drei Fragen

Ein Patient mit Parodontitis Stadium II klagt über Mundgeruch trotz zweimaligen Putzens. Welche Aussage trifft nicht zu?

Die dritte. Mundwasser überdeckt und wirkt kurzzeitig — es entfernt weder den Belag noch behandelt es die Parodontitis.Offene FrageWarum greifen Patienten trotzdem dazu? Weil es der naheliegende und beworbene Weg ist. Der Hinweis auf die Zungenreinigung ist für viele neu — und wirkt oft schon nach wenigen Tagen sichtbar.

Welche Aussagen zur Halitosis treffen zu?

Drei. Die häufigste Einzelquelle ist der Zungenrücken. Und ein negativer Befund bei fortbestehender Überzeugung beschreibt ein eigenes Krankheitsbild, das Aufmerksamkeit braucht — nur eine andere.Offene FrageWas folgt bei Pseudohalitosis oder Halitophobie? Eine sorgfältige Aufklärung über den erhobenen Befund und, bei fortbestehender Überzeugung trotz negativer Messung, das Angebot einer psychologischen Abklärung. Wiederholte Zahnbehandlungen helfen dort nicht.

Wie grenzt du die Ursache am einfachsten ein?

Die erste. Geruch nur aus dem Mund spricht für eine orale oder pharyngeale Ursache, Geruch aus der Nase eher für eine Ursache in Nase oder Nebenhöhlen. Bei vergleichbarer Intensität aus beiden kommt eine systemische Ursache in Betracht.Offene FrageWie zuverlässig ist das? Es ist eine Eingrenzung, keine Diagnose — aber eine, die in dreißig Sekunden geht und die Suchrichtung vorgibt. Genau deshalb steht sie am Anfang.

Das, was hängenbleiben soll

Die häufigste Quelle liegt auf der Zunge — und Mundwasser überdeckt sie nur.

Quellen

  • Memon MA, Memon HA, Muhammad FE et al. Aetiology and associations of halitosis: A systematic review. Oral Diseases 2023; 29: 1432–1438.Deckt ab: systematische Auswertung der Ursachen und Assoziationen der Halitosis, Anteil intraoraler Ursachen
  • Quirynen M, Dadamio J, Van den Velde S, De Smit M, Dekeyser C, Van Tornout M, Vandekerckhove B: Characteristics of 2000 patients who visited a halitosis clinic. Journal of Clinical Periodontology 2009; 36(11): 970–975 — Verteilung der intraoralen Ursachen auf Zungenbelag, gingivale und parodontale Erkrankungen sowie deren Kombination. DOIDeckt ab: Verteilung der intraoralen Ursachen in einer großen klinischen Auswertung
  • Yaegaki K, Coil JM: Examination, classification, and treatment of halitosis – clinical perspectives. Journal of the Canadian Dental Association 2000; 66(5): 257–261 — organoleptische Bewertung als Referenzverfahren, Einteilung in echte Halitosis, Pseudohalitosis und Halitophobie sowie die Bedeutung einzelner flüchtiger Schwefelverbindungen für die Ursachenzuordnung. PubMedDeckt ab: diagnostisches Vorgehen, organoleptische Bewertung und Einteilung der Krankheitsbilder
  • Kumbargere Nagraj S, Eachempati P, Uma E, Singh VP, Ismail NM, Varghese E. Interventions for managing halitosis. Cochrane Database of Systematic Reviews 2019; CD012213.Deckt ab: systematische Auswertung der Interventionen zur Behandlung der Halitosis
  • Sanz M, Herrera D, Kebschull M et al. Treatment of stage I–III periodontitis — The EFP S3-level clinical practice guideline. Journal of Clinical Periodontology 2020; 47 (Suppl 22): 4–60.Deckt ab: Behandlung der parodontalen Ursachen

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