Parodontitis unter antiresorptiver Therapie
Schritt 1 ·
Was du danach erklären kannst
Patientinnen kommen mit der Sorge, gar nichts machen lassen zu dürfen. Das Gegenteil ist richtig — und die Begründung dafür ist der Kern dieser Lektion.
„Ich darf beim Zahnarzt nichts machen lassen“
Die Sorge ist verbreitet und führt regelmäßig dazu, dass Patientinnen jahrelang nicht behandelt werden — mit dem Ergebnis, dass das Risiko steigt statt sinkt.
Was das Risiko bestimmt
Die medikamentenassoziierte Kiefernekrose ist die gefürchtete Komplikation. Ihr Risiko hängt vor allem an Wirkstoff, Applikationsweg und Indikation — und diese drei hängen zusammen.
| Konstellation | Einordnung |
|---|---|
| Orale Gabe bei Osteoporose | niedriges Risiko |
| Orale Gabe über längere Zeit oder mit Kortikosteroiden | erhöhtes Risiko gegenüber der Basisgruppe |
| Intravenöse oder hochdosierte Gabe in onkologischer Indikation | deutlich höheres Risiko |
| Zusätzliche antiangiogene Therapie | weiter erhöhtes Risiko |
Die Indikation trennt die Gruppen am stärksten. Die Dosierungen in der Osteoporosetherapie unterscheiden sich erheblich von denen in der Onkologie — das ist der Grund, warum die Patientin aus dem Fallbeispiel in einer anderen Lage ist als eine Patientin unter Tumortherapie.
Was möglich ist
| Maßnahme | Einordnung |
|---|---|
| Nicht-chirurgische Instrumentierung | ohne Weiteres möglich und angezeigt |
| Professionelle Reinigung, Nachsorge | ohne Weiteres möglich, engmaschig sinnvoll |
| Parodontalchirurgie | Abwägung nach Risikogruppe, Aufklärung erforderlich |
| Extraktion | Abwägung, bei hohem Risiko Abstimmung mit der behandelnden Praxis |
| Absetzen des Medikaments | niemals eigenständig veranlassen |
Wirkstoff, Applikationsweg, Dauer der Einnahme, Indikation und begleitende Medikation — insbesondere Kortikosteroide und antiangiogene Substanzen. Diese Angaben kommen aus dem Befundbericht oder über die verordnende Praxis, nicht aus der Erinnerung der Patientin. Aufklärung über das Risiko und die Dokumentation gehören dazu.
Drei Fragen
Eine Patientin nimmt seit fünf Jahren ein orales Bisphosphonat wegen Osteoporose und hat eine Parodontitis Stadium II. Welche Aussage trifft nicht zu?
Welche Angaben bestimmen die Risikoeinordnung?
Wie beantwortest du die Sorge der Patientin fachlich sauber?
Das, was hängenbleiben soll
Quellen
- S3-Leitlinie „Antiresorptiva-assoziierte Kiefernekrosen (AR-ONJ)“, AWMF-Register-Nr. 007-091, federführend DGMKG und DGZMK. Hinweis: Die Gültigkeit dieser Fassung ist abgelaufen.Deckt ab: Risikoeinschätzung und Vorgehen bei antiresorptiver Therapie, Stellenwert der Sanierung vor Therapiebeginn
- Ruggiero SL, Dodson TB, Aghaloo T, Carlson ER, Ward BB, Kademani D. American Association of Oral and Maxillofacial Surgeons position paper on medication-related osteonecrosis of the jaws — 2022 update. Journal of Oral and Maxillofacial Surgery 2022.Deckt ab: aktualisierte Definition, Stadieneinteilung und Risikobewertung der medikamentenassoziierten Kiefernekrose
- Sanz M, Herrera D, Kebschull M et al. Treatment of stage I–III periodontitis — The EFP S3-level clinical practice guideline. Journal of Clinical Periodontology 2020; 47 (Suppl 22): 4–60.Deckt ab: Durchführung der nicht-chirurgischen Parodontitistherapie und ihre Sicherheit
- Bürgerliches Gesetzbuch §§ 630c bis 630f — Informations-, Aufklärungs- und Dokumentationspflichten.Deckt ab: Aufklärung über das erhöhte Risiko vor invasiven Eingriffen und deren Dokumentation
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