Notfälle Grundlagen 6 Min

Telefonberatung beim Zahntrauma

Schritt 1 ·

Was du danach erklären kannst

Am Telefon entscheidet sich, ob ein Zahn zu retten ist. Was in den ersten Sekunden gesagt wird, ist wichtiger als alles, was danach in der Praxis passiert.

1Was zuerst gesagt wirdZwei Sätze, in dieser Reihenfolge.
2Warum die Wurzel nicht berührt wirdDort sitzen die Zellen, die alles entscheiden.
3Worin der Zahn transportiert wirdUnd was auf keinen Fall.
4Was du fragstVier Angaben bestimmen die Prognose.
6 MinutenGrundlagen3 Selbstcheck-Fragen4 Quellen

„Der Zahn liegt hier im Gras“

Anruf14 Jahre, Fahrradunfall. Der obere mittlere Schneidezahn ist vollständig herausgeschlagen und liegt im Gras. Der Unfall war vor etwa zwanzig Minuten. „Der Zahn liegt hier im Gras — was soll ich tun? Wir kommen sofort!“

Zwanzig Minuten sind eine gute Ausgangslage. Was jetzt gesagt wird, entscheidet über die Prognose — und die Reihenfolge zählt.

Der springende PunktAn der Wurzeloberfläche sitzen lebende Zellen des Zahnhalteapparats. Sie überstehen kurze Zeit — trocken liegen und Abreiben zerstört sie.

Was zuerst gesagt wird

Reihenfolge Anweisung
1 „Fassen Sie den Zahn nur an der Krone an — nicht an der Wurzel.“
2 „Legen Sie ihn sofort in Milch oder in den Mund zwischen Zahn und Wange.“
3 Bei Verschmutzung: kurz unter fließendem Wasser abspülen, nicht abreiben
4 „Kommen Sie sofort — wir bereiten alles vor.“

Die ersten beiden Sätze sind die wichtigsten. Alles Weitere kann noch geklärt werden, während die Familie unterwegs ist — aber ein Zahn, der zehn Minuten trocken in einem Taschentuch lag, ist kaum noch zu retten.

Auf der Wurzeloberfläche befinden sich Zellen des Zahnhalteapparats. Sie sind es, die nach der Replantation wieder mit dem Knochen zusammenwachsen — und davon hängt ab, ob der Zahn einheilt oder ob es zu einer Resorption kommt.

Diese Zellen sind empfindlich: Sie vertragen kein Abreiben, kein Trockenliegen und kein Leitungswasser über längere Zeit. Ein kurzes Abspülen unter fließendem Wasser bei sichtbarer Verschmutzung ist vertretbar — Schrubben nicht.

Geeignet: spezielle Zahnrettungsbox, Milch, physiologische Kochsalzlösung, oder der Mund des Patienten zwischen Zahn und Wange.

Nicht geeignet: Wasser, ein trockenes Taschentuch, Papier oder gar nichts.

Milch ist die praktisch wichtigste Empfehlung, weil sie fast überall verfügbar ist. Der Mund ist die Alternative, wenn nichts anderes da ist — bei kleinen Kindern allerdings mit Verschluckungsgefahr, dann ist ein Becher mit Milch der sicherere Weg.

Was du fragst

Frage Warum
Wann ist es passiert? Die extraorale Zeit bestimmt die Prognose
Ist es ein bleibender Zahn oder ein Milchzahn? Milchzähne werden nicht replantiert
Ist der Zahn vollständig? Ein Fragment im Mund oder in der Wunde muss gesucht werden
Gibt es weitere Verletzungen? Bewusstlosigkeit, Erbrechen, Kopfverletzung gehen vor
⚠️ Die vierte Frage entscheidet über die Reihenfolge

Ein Zahn ist wichtig — eine Kopfverletzung ist wichtiger. Bei Bewusstlosigkeit, Erbrechen, Erinnerungslücke oder anhaltendem Kopfschmerz nach dem Sturz gehört das Kind zuerst ärztlich untersucht. Der Zahn wird in der Zwischenzeit richtig gelagert und kann später versorgt werden.

Die beste Variante ist die Replantation vor Ort durch die Eltern — bei einem sauberen Zahn und einer klaren Anweisung ist das möglich und gibt die beste Prognose.

Traut sich niemand, ist die richtige Lagerung die zweitbeste Lösung. Was nicht hilft, ist ein Replantationsversuch mit Gewalt oder in falscher Richtung — dann lieber transportieren.

Bei Milchzähnen wird ausdrücklich nicht replantiert. Die Begründung steht in der eigenen Lektion.

Drei Fragen

Eine Mutter ruft an, weil der bleibende Schneidezahn ihres Sohnes ausgeschlagen wurde. Welche Aussage trifft nicht zu?

Die dritte. Auf der Wurzeloberfläche sitzen Zellen, die für das Einheilen entscheidend sind — Abreiben und längerer Wasserkontakt zerstören sie.Offene FrageWas ist erlaubt? Ein kurzes Abspülen unter fließendem Wasser bei sichtbarer Verschmutzung. Schrubben nicht, und nicht länger als nötig.

Welche Transportmedien sind geeignet?

Drei. Trockenheit und längerer Wasserkontakt zerstören die Zellen an der Wurzeloberfläche.Offene FrageWarum wird Milch am häufigsten empfohlen? Weil sie fast überall verfügbar ist. Der Mund ist die Alternative — bei kleinen Kindern allerdings mit Verschluckungsgefahr.

Welche Frage entscheidet über die Reihenfolge der Versorgung?

Die erste. Bei Bewusstlosigkeit, Erbrechen, Erinnerungslücke oder anhaltendem Kopfschmerz gehört das Kind zuerst ärztlich untersucht.Offene FrageUnd der Zahn? Er wird in der Zwischenzeit richtig gelagert. Die Prognose verschlechtert sich dadurch, aber eine übersehene Kopfverletzung wiegt schwerer.

Das, was hängenbleiben soll

Nur an der Krone, sofort in Milch — und nach anderen Verletzungen fragen.

Quellen

  • Fouad AF, Abbott PV, Tsilingaridis G et al. International Association of Dental Traumatology guidelines for the management of traumatic dental injuries: 2. Avulsion of permanent teeth. Dental Traumatology 2020; 36: 331–342.Deckt ab: Sofortmaßnahmen bei Avulsion, geeignete Aufbewahrungsmedien und die Bedeutung der extraoralen Zeit
  • Bourguignon C, Cohenca N, Lauridsen E et al. International Association of Dental Traumatology guidelines for the management of traumatic dental injuries: 1. Fractures and luxations. Dental Traumatology 2020; 36: 314–330.Deckt ab: Einordnung der übrigen Verletzungsformen und die Dringlichkeit der Vorstellung
  • S2k-Leitlinie „Therapie des dentalen Traumas bleibender Zähne“, AWMF-Register-Nr. 083-004, Stand 10/2022. Federführend DGZMK und DGMKG.Deckt ab: deutsche Empfehlungen zur Erstversorgung des dentalen Traumas
  • Bürgerliches Gesetzbuch §§ 630c bis 630f — Informations-, Aufklärungs- und Dokumentationspflichten.Deckt ab: Dokumentation der telefonischen Beratung

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