Telefonberatung beim Zahntrauma
Schritt 1 ·
Was du danach erklären kannst
Am Telefon entscheidet sich, ob ein Zahn zu retten ist. Was in den ersten Sekunden gesagt wird, ist wichtiger als alles, was danach in der Praxis passiert.
„Der Zahn liegt hier im Gras“
Zwanzig Minuten sind eine gute Ausgangslage. Was jetzt gesagt wird, entscheidet über die Prognose — und die Reihenfolge zählt.
Was zuerst gesagt wird
| Reihenfolge | Anweisung |
|---|---|
| 1 | „Fassen Sie den Zahn nur an der Krone an — nicht an der Wurzel.“ |
| 2 | „Legen Sie ihn sofort in Milch oder in den Mund zwischen Zahn und Wange.“ |
| 3 | Bei Verschmutzung: kurz unter fließendem Wasser abspülen, nicht abreiben |
| 4 | „Kommen Sie sofort — wir bereiten alles vor.“ |
Die ersten beiden Sätze sind die wichtigsten. Alles Weitere kann noch geklärt werden, während die Familie unterwegs ist — aber ein Zahn, der zehn Minuten trocken in einem Taschentuch lag, ist kaum noch zu retten.
Diese Zellen sind empfindlich: Sie vertragen kein Abreiben, kein Trockenliegen und kein Leitungswasser über längere Zeit. Ein kurzes Abspülen unter fließendem Wasser bei sichtbarer Verschmutzung ist vertretbar — Schrubben nicht.
Nicht geeignet: Wasser, ein trockenes Taschentuch, Papier oder gar nichts.
Milch ist die praktisch wichtigste Empfehlung, weil sie fast überall verfügbar ist. Der Mund ist die Alternative, wenn nichts anderes da ist — bei kleinen Kindern allerdings mit Verschluckungsgefahr, dann ist ein Becher mit Milch der sicherere Weg.
Was du fragst
| Frage | Warum |
|---|---|
| Wann ist es passiert? | Die extraorale Zeit bestimmt die Prognose |
| Ist es ein bleibender Zahn oder ein Milchzahn? | Milchzähne werden nicht replantiert |
| Ist der Zahn vollständig? | Ein Fragment im Mund oder in der Wunde muss gesucht werden |
| Gibt es weitere Verletzungen? | Bewusstlosigkeit, Erbrechen, Kopfverletzung gehen vor |
Ein Zahn ist wichtig — eine Kopfverletzung ist wichtiger. Bei Bewusstlosigkeit, Erbrechen, Erinnerungslücke oder anhaltendem Kopfschmerz nach dem Sturz gehört das Kind zuerst ärztlich untersucht. Der Zahn wird in der Zwischenzeit richtig gelagert und kann später versorgt werden.
Traut sich niemand, ist die richtige Lagerung die zweitbeste Lösung. Was nicht hilft, ist ein Replantationsversuch mit Gewalt oder in falscher Richtung — dann lieber transportieren.
Bei Milchzähnen wird ausdrücklich nicht replantiert. Die Begründung steht in der eigenen Lektion.
Drei Fragen
Eine Mutter ruft an, weil der bleibende Schneidezahn ihres Sohnes ausgeschlagen wurde. Welche Aussage trifft nicht zu?
Welche Transportmedien sind geeignet?
Welche Frage entscheidet über die Reihenfolge der Versorgung?
Das, was hängenbleiben soll
Quellen
- Fouad AF, Abbott PV, Tsilingaridis G et al. International Association of Dental Traumatology guidelines for the management of traumatic dental injuries: 2. Avulsion of permanent teeth. Dental Traumatology 2020; 36: 331–342.Deckt ab: Sofortmaßnahmen bei Avulsion, geeignete Aufbewahrungsmedien und die Bedeutung der extraoralen Zeit
- Bourguignon C, Cohenca N, Lauridsen E et al. International Association of Dental Traumatology guidelines for the management of traumatic dental injuries: 1. Fractures and luxations. Dental Traumatology 2020; 36: 314–330.Deckt ab: Einordnung der übrigen Verletzungsformen und die Dringlichkeit der Vorstellung
- S2k-Leitlinie „Therapie des dentalen Traumas bleibender Zähne“, AWMF-Register-Nr. 083-004, Stand 10/2022. Federführend DGZMK und DGMKG.Deckt ab: deutsche Empfehlungen zur Erstversorgung des dentalen Traumas
- Bürgerliches Gesetzbuch §§ 630c bis 630f — Informations-, Aufklärungs- und Dokumentationspflichten.Deckt ab: Dokumentation der telefonischen Beratung
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