Notfälle Grundlagen 6 Min

Der Notfallplan der Praxis

Schritt 1 ·

Was du danach erklären kannst

Im Notfall entscheidet nicht, wer am meisten weiß, sondern wer weiß, was er als Nächstes tut. Genau das leistet ein Plan — wenn er drei Bedingungen erfüllt.

1Warum feste Rollen mehr wert sind als WissenUnter Stress fällt die Improvisation aus.
2Was in den Plan gehörtVier Bestandteile, nicht mehr.
3Was beim Notruf gesagt wirdUnd warum man nicht auflegt.
4Warum der Plan geübt gehörtEin Papier, das niemand kennt, wirkt nicht.
6 MinutenGrundlagen3 Selbstcheck-Fragen3 Quellen

„Was muss in den Plan?“

PraxisorganisationNeueröffnung, das Team ist zusammengestellt. Die Praxisinhaberin will einen Notfallplan erarbeiten. „Ich will sichergehen, dass wir im Ernstfall alle wissen, was zu tun ist — was muss in den Plan?“

Weniger, als die meisten annehmen. Ein Plan, der zu ausführlich ist, wird im Ernstfall nicht gelesen.

Der springende PunktDer Plan ersetzt kein Wissen. Er sorgt dafür, dass niemand überlegen muss, wer was macht — und genau das ist es, was unter Stress als Erstes ausfällt.

Warum feste Rollen mehr wert sind als Wissen

In einer Notfallsituation ist die Aufmerksamkeit auf den Patienten gerichtet. Wer in diesem Moment noch entscheiden muss, wer den Notruf absetzt und wer den Koffer holt, verliert Zeit — und häufig passiert dann beides doppelt oder gar nicht.

Vorher festgelegte Rollen lösen das. Sie werden namentlich zugeordnet, mit einer Vertretungsregelung für den Fall, dass jemand nicht da ist.

Bestandteil Inhalt
Rollenverteilung Wer bleibt beim Patienten, wer ruft an, wer holt Koffer und Gerät, wer weist ein
Notrufkarte Was gesagt wird — laminiert, am Telefon
Praxisadresse vollständig Mit Stockwerk, Zugang und dem, was der Rettungsdienst braucht
Standorte Wo Notfallkoffer, Sauerstoff und Defibrillator liegen

Die klassischen Fragen — was ist passiert, wo, wie viele Betroffene, welche Symptome — sind nützlich als Gedächtnisstütze. Wichtiger ist etwas anderes: Die Leitstelle führt das Gespräch. Sie fragt ab, was sie braucht, und sie gibt Anweisungen.

Deshalb der wichtigste Punkt auf der Karte: nicht auflegen. Die Leitstelle beendet das Gespräch. Bei einem Kreislaufstillstand kann sie über das Telefon durch die Wiederbelebung führen — und die aktuellen Reanimationsleitlinien binden sie dafür früher ein als bisher.

Warum der Plan geübt gehört

Ein ausgehängter Plan, den niemand je durchgespielt hat, wirkt im Ernstfall nicht. Was fehlt, ist nicht die Information — sie steht ja da —, sondern die Erfahrung, sie unter Druck abzurufen.

Was geübt wird Warum
Rollen durchspielen Jeder weiß, wo er hingeht
Notruf simulieren Die Adresse laut aussprechen, mit Stockwerk
Koffer und Gerät holen Der Weg wird körperlich bekannt
Gerät tatsächlich bedienen Sauerstoff aufdrehen, Defibrillator einschalten
Neue Mitarbeitende sofort einweisen Nicht bei der nächsten Jahresschulung
⚠️ Der Punkt, der übersehen wird

Neue Mitarbeitende. Sie werden in Abläufe, Software und Instrumente eingewiesen — der Notfallplan kommt oft erst bei der nächsten Teamschulung dran, und die kann Monate entfernt sein. Bis dahin fehlt eine Person im Plan, die im Ernstfall da sein wird.

Drei Fragen

Eine Praxisinhaberin erarbeitet einen Notfallplan. Welche Aussage trifft nicht zu?

Die dritte. Ein Plan, der zu ausführlich ist, wird im Ernstfall nicht gelesen — dann ist er wirkungslos.Offene FrageWas gehört mindestens hinein? Rollenverteilung, Notrufkarte, vollständige Praxisadresse und die Standorte von Koffer, Sauerstoff und Gerät. Vier Punkte, die auf eine Seite passen.

Was gilt für den Notruf?

Drei. Die Leitstelle strukturiert das Gespräch — man muss die Fragen nicht kennen, sondern erreichbar bleiben.Offene FrageWarum ist das Nichtauflegen so wichtig? Weil die Leitstelle bei einem Kreislaufstillstand telefonisch durch die Wiederbelebung führen kann. Die aktuellen Reanimationsleitlinien binden sie dafür früher ein als bisher.

Warum genügt ein ausgehängter Plan nicht?

Die erste. Die Information steht da — was fehlt, ist die geübte Handlung. Unter Stress fällt genau das Nachlesen aus.Offene FrageWas hilft konkret? Rollen durchspielen, den Notruf simulieren, den Weg zum Koffer gehen und die Geräte tatsächlich bedienen. Nicht nur darüber sprechen.

Das, was hängenbleiben soll

Der Plan ersetzt kein Wissen — er ersetzt das Überlegen, wer was macht.

Quellen

  • Mathers FG: Notfallmedizin in der zahnärztlichen Praxis – Praxisbuch mit Checklisten, Algorithmen, Rechtsgrundlagen. 2., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Deutscher Zahnärzteverlag, Köln. ISBN 978-3-7691-3771-2 — Ausstattung, Organisation und Schulung.Deckt ab: Organisation des Notfallmanagements in der Praxis, Rollenverteilung und Alarmierung
  • (Muster-)Berufsordnung der Zahnärztekammern — Pflicht zur Hilfeleistung in Notfällen und zur Fortbildung, sowie die Berufsordnungen der Landeszahnärztekammern.Deckt ab: berufsrechtliche Pflicht zur Hilfeleistung in Notfällen
  • European Resuscitation Council Guidelines 2025, veröffentlicht im Oktober 2025 in Resuscitation, deutsche Übersetzung durch den Deutschen Rat für Wiederbelebung (GRC) — einschließlich der Kapitel zu Basismaßnahmen und zum Einsatz automatisierter externer Defibrillatoren.Deckt ab: Rettungskette und die Bedeutung der frühen Alarmierung

Melde dich an, damit dein Fortschritt gespeichert wird.