Notfälle Vertiefung 7 Min

Hämophilie vor dem Eingriff

Schritt 1 ·

Was du danach erklären kannst

Ein Patient, bei dem der Eingriff selbst das kleinere Problem ist. Was ihn sicher macht, wird Tage vorher geplant — und ein Detail der Anästhesie ist gefährlicher als die Extraktion.

1Warum die Planung Tage vorher beginntDer Eingriff folgt der Substitution.
2Welche Anästhesie riskant istNicht die Injektion, sondern wohin.
3Welche Analgetika ausscheidenEine ganze Wirkstoffgruppe.
4Was die Zahnarztpraxis beiträgtMehr als sie denkt.
7 MinutenVertiefung3 Selbstcheck-Fragen3 Quellen

„Was brauche ich vorher?“

Sprechstunde28 Jahre, schwere Hämophilie A. Eine Extraktion ist erforderlich. Er kommt ohne vorherige Abstimmung mit seiner hämatologischen Praxis. „Ich weiß, dass das kompliziert ist — was brauche ich, bevor wir das machen können?“

Er stellt die richtige Frage. Was er braucht, ist eine Absprache, die vor dem Termin steht — nicht am Behandlungstag.

Der springende PunktDer Eingriff wird um die Substitution herum geplant, nicht umgekehrt. Der Termin richtet sich nach dem Zeitpunkt, an dem der Gerinnungsfaktor seinen wirksamen Spiegel erreicht.

Warum die Planung Tage vorher beginnt

Schritt Inhalt
Hämatologische Praxis kontaktieren Welcher Faktor, welcher Restspiegel, bestehen Hemmkörper
Substitutionsschema abstimmen Die behandelnde Seite legt es fest
Eingriffstermin danach richten Im Wirkfenster der Substitution
Antifibrinolytische Begleittherapie Lokal und gegebenenfalls systemisch, nach Absprache
Bei schweren Formen Klinisches Umfeld statt Praxis

Bei leichteren Formen kommt statt der Faktorsubstitution unter Umständen ein Präparat in Betracht, das körpereigenen Faktor freisetzt. Ob das ausreicht, entscheidet die hämatologische Seite — nicht die Zahnarztpraxis.

Ein Teil der Patienten entwickelt Antikörper gegen den substituierten Faktor. Die übliche Substitution wirkt dann nicht oder nur eingeschränkt — und das Vorgehen ist ein anderes.

Diese Frage gehört deshalb ausdrücklich gestellt, wenn die hämatologische Praxis kontaktiert wird. Sie ist einer der Gründe, warum die Abstimmung nicht durch eine allgemeine Auskunft ersetzt werden kann.

Welche Anästhesie riskant ist

Nicht die Injektion selbst ist das Problem, sondern wohin injiziert wird. Eine Leitungsanästhesie im Unterkiefer erreicht einen Raum, in dem sich ein Hämatom ungehindert ausbreiten kann — und dieser Raum grenzt an den Atemweg.

Verfahren Einordnung
Infiltrationsanästhesie In der Regel möglich
Intraligamentäre Anästhesie Alternative mit begrenztem Gewebetrauma
Leitungsanästhesie Erst nach Substitution — Hämatomrisiko im Mundboden

Das ist ein Punkt, der leicht untergeht: Die Aufmerksamkeit gilt der Extraktion, und die Anästhesie erscheint als Nebensache. Tatsächlich ist ein Hämatom im Mundboden die gefährlichere Komplikation — dieselbe Situation wie bei einer Blutung während der Implantation.

⚠️ Welche Analgetika ausscheiden

Nichtsteroidale Antirheumatika hemmen zusätzlich die Thrombozytenfunktion — bei einem Patienten mit ohnehin gestörter Gerinnung ist das eine vermeidbare Verschlechterung. Sie sind ebenso zu vermeiden wie Acetylsalicylsäure. Für die Analgesie stehen andere Wirkstoffe zur Verfügung; die Auswahl richtet sich nach der Fachinformation und der Abstimmung.

Drei Fragen

Ein Patient mit schwerer Hämophilie A benötigt eine Extraktion. Welche Aussage trifft nicht zu?

Die dritte. Sie erreicht einen Raum, in dem sich ein Hämatom ungehindert ausbreiten kann — und dieser Raum grenzt an den Atemweg.Offene FrageWas ist die Alternative? Infiltrationsanästhesie oder intraligamentäre Anästhesie. Die Leitungsanästhesie kommt erst nach der Substitution in Betracht.

Was gehört in die Abstimmung mit der hämatologischen Praxis?

Drei. Die Frage nach Hemmkörpern ist besonders wichtig — bei ihrem Vorliegen wirkt die übliche Substitution nicht oder nur eingeschränkt.Offene FrageWarum reicht eine allgemeine Auskunft nicht? Weil die Konstellation individuell ist. Restspiegel, Hemmkörper und das passende Schema kennt nur die behandelnde Seite.

Warum werden nichtsteroidale Antirheumatika vermieden?

Die erste. Bei einem Patienten mit ohnehin gestörter Gerinnung ist das eine vermeidbare Verschlechterung.Offene FrageWas steht stattdessen zur Verfügung? Andere Wirkstoffgruppen — die Auswahl richtet sich nach der Fachinformation und der Abstimmung mit der behandelnden Seite.

Das, was hängenbleiben soll

Erst die Substitution, dann der Eingriff — und keine Leitungsanästhesie davor.

Quellen

  • WFH Guidelines for the Management of Hemophilia, 3. Auflage, World Federation of Hemophilia — einschließlich der Empfehlungen zu Faktorsubstitution, Desmopressin und antifibrinolytischer Begleittherapie bei zahnärztlichen Eingriffen.Deckt ab: Faktorsubstitution, Desmopressin bei leichter Hämophilie, antifibrinolytische Begleittherapie und das Vorgehen bei zahnärztlichen Eingriffen
  • Fachinformation des jeweils vorgehaltenen Präparats zu Tranexamsäure — maßgebliche Angaben zu Indikation, Dosierung und Kontraindikationen.Deckt ab: Angaben zu den eingesetzten Präparaten und zu den kontraindizierten Analgetika
  • Bürgerliches Gesetzbuch §§ 630c bis 630f — Informations-, Aufklärungs- und Dokumentationspflichten.Deckt ab: Dokumentation der interdisziplinären Abstimmung

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