Angina pectoris
Schritt 1 ·
Was du danach erklären kannst
Ein Patient mit bekannter Herzerkrankung sagt, er kenne das. Ob man ihm glauben kann, hängt an vier Merkmalen — und eines davon ist die Wirkung des Medikaments.
„Das kenn ich — haben Sie auch Nitro?“
Die Selbsteinschätzung ist ein Anhaltspunkt, keine Diagnose. Was jetzt geprüft wird, sind vier Merkmale — und das vierte ergibt sich erst nach der Nitratgabe.
Die vier Merkmale
| Merkmal | Stabil | Instabil |
|---|---|---|
| Auslöser | Belastung oder Stress | Auch in Ruhe |
| Bekanntheit | Der Patient kennt das Muster | Neu oder verändert |
| Dauer | Kurz, endet mit der Entlastung | Anhaltend |
| Wirkung des Nitrats | Beschwerden bessern sich | Bleiben bestehen |
Jedes einzelne dieser Merkmale in der rechten Spalte genügt, um die Situation als instabil einzuordnen — und damit als Verdacht auf ein akutes Koronarsyndrom, das den Notruf erfordert.
Genau daraus folgt die wichtigste Kontraindikation: ein zu niedriger Blutdruck. Wer bereits hypoton ist, wird durch das Nitrat weiter abfallen. Der Blutdruck wird deshalb vor der Gabe gemessen.
Die zweite Kontraindikation wird häufiger übersehen: die gleichzeitige Einnahme von Präparaten zur Behandlung der erektilen Dysfunktion. In Kombination mit Nitraten kann es zu einem gefährlichen Blutdruckabfall kommen. Diese Frage wird gestellt — auch wenn sie unangenehm ist, und auch bei älteren Patienten.
Warum die Sauerstoffgabe zurückhaltender geworden ist
Über Jahrzehnte wurde bei Verdacht auf eine Durchblutungsstörung des Herzens routinemäßig Sauerstoff gegeben — die Überlegung war naheliegend. Die Empfehlung hat sich geändert.
Eine große registerbasierte randomisierte Untersuchung mit über sechstausend Patienten ohne Sauerstoffmangel fand keinen Einfluss der Sauerstoffgabe auf die Sterblichkeit nach einem Jahr. Die kardiologischen Leitlinien empfehlen deshalb, bei einer Sauerstoffsättigung von mindestens 90 Prozent auf die routinemäßige Gabe zu verzichten — als ausdrückliche Negativempfehlung.
| Situation | Sauerstoff |
|---|---|
| Sättigung messbar und ausreichend | nicht routinemäßig |
| Sättigung erniedrigt | ja |
| Atemnot, Zyanose, sichtbare Beeinträchtigung | ja |
| Bewusstlosigkeit, Wiederbelebung | ja |
Ein Pulsoxymeter gehört zur Notfallausstattung — und hier zeigt sich, wofür. Ist die Sättigung messbar und ausreichend, wird nicht routinemäßig Sauerstoff gegeben. Ist sie nicht messbar und der Patient wirkt respiratorisch unauffällig, ist Zurückhaltung angezeigt. Bei sichtbarer Atemnot oder Bewusstlosigkeit gilt das alles nicht — dann wird gegeben.
Drei Fragen
Ein Patient mit bekannter Herzerkrankung klagt über Engegefühl in der Brust. Welche Aussage trifft nicht zu?
Wann wird kein Nitrat gegeben?
Was gilt für die Sauerstoffgabe beim kardialen Notfall?
Das, was hängenbleiben soll
Quellen
- Byrne RA, Rossello X, Coughlan JJ et al.: 2023 ESC Guidelines for the management of acute coronary syndromes. European Heart Journal 2023; 44(38): 3720–3826 — Erstmaßnahmen, Sauerstoffgabe nach Sättigung und Zeitkritikalität der Reperfusion. DOIDeckt ab: Abgrenzung der stabilen von der instabilen Angina pectoris, Stellenwert der Nitratgabe und die Empfehlung zur Sauerstoffgabe
- Fachinformation des jeweils vorgehaltenen Präparats zu Nitrat und Sauerstoff — maßgebliche Angaben zu Indikation, Dosierung und Kontraindikationen.Deckt ab: Angaben zu Nitratpräparaten einschließlich der Kontraindikationen
- Mathers FG: Notfallmedizin in der zahnärztlichen Praxis – Praxisbuch mit Checklisten, Algorithmen, Rechtsgrundlagen. 2., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Deutscher Zahnärzteverlag, Köln. ISBN 978-3-7691-3771-2 — Ausstattung, Organisation und Vorgehen.Deckt ab: Vorgehen bei kardialen Beschwerden in der zahnärztlichen Praxis
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