Anaphylaxie
Schritt 1 ·
Was du danach erklären kannst
Der Notfall, bei dem eine einzige Maßnahme über das Ergebnis entscheidet — und bei dem die häufigste Fehlbehandlung darin besteht, mit etwas anderem anzufangen.
„Der Hals schwillt an!“
Der beschleunigte Puls und die Hautveränderung zusammen sind eindeutig — und die anschwellende Zunge macht die Lage dringlich.
Woran du sie erkennst
| Organsystem | Zeichen |
|---|---|
| Haut | Quaddeln, Rötung, Juckreiz, Schwellung |
| Atemwege | Schwellung von Zunge oder Rachen, Heiserkeit, pfeifende Atmung |
| Kreislauf | Blutdruckabfall, beschleunigter Puls, Blässe |
| Magen-Darm | Übelkeit, Erbrechen, Krämpfe |
Nicht alle Systeme müssen betroffen sein. Eine rasch fortschreitende Reaktion mit Beteiligung von Atemwegen oder Kreislauf genügt — auf die Hautzeichen zu warten, wäre gefährlich, denn bei einem Teil der Fälle fehlen sie.
Dazu kommt der Verlauf: Die Synkope bessert sich in Flachlagerung rasch. Die Anaphylaxie tut das nicht — sie schreitet fort.
Im Zweifel gilt Adrenalin. Eine Adrenalingabe bei einer Synkope ist unangenehm, aber beherrschbar. Eine unterlassene Adrenalingabe bei einer Anaphylaxie kann tödlich sein.
Warum Adrenalin zuerst kommt
Es wirkt auf genau die Mechanismen, die den Patienten gefährden: Es verengt die erweiterten Gefäße, hebt den Blutdruck, erweitert die Bronchien, mindert die Schwellung und dämpft die weitere Mediatorfreisetzung. Kein anderes Präparat leistet das.
| Maßnahme | Reihenfolge |
|---|---|
| Zufuhr des Auslösers stoppen | Sofort |
| Adrenalin intramuskulär | Sofort — vor allem anderen |
| Notruf | Parallel durch eine zweite Person |
| Lagerung | Flach mit erhöhten Beinen; bei Atemnot sitzend |
| Sauerstoff | Danach |
| Antihistaminikum, Glukokortikoid | Ergänzend, wenn Zeit und Zugang es erlauben |
| Adrenalin wiederholen | Bei ausbleibender Besserung |
Zweitens wird der Wirkstoff aus dem seitlichen Oberschenkelmuskel zuverlässiger und schneller resorbiert als aus dem Oberarm. Der Muskel ist gut durchblutet und groß genug, um die Menge aufzunehmen.
Die Injektion erfolgt durch die Kleidung, wenn nötig. Die intravenöse Gabe ist Rettungsdienst und Klinik vorbehalten — sie erfordert eine andere Verdünnung, und eine Verwechslung an dieser Stelle ist gefährlich.
Beide sind sinnvoll, aber keine der beiden darf die Adrenalingabe verzögern. Wer erst den Zugang legt, um das Antihistaminikum zu geben, hat die entscheidende Maßnahme aufgeschoben. Die Leitlinie ist an dieser Stelle eindeutig.
Warum der Patient in die Klinik muss
Auch wenn es ihm nach dem Adrenalin wieder gut geht: Eine zweiphasige Reaktion ist möglich — die Symptome kehren nach Stunden zurück, ohne dass der Auslöser erneut wirkt. Der Patient gehört deshalb in jedem Fall zur Überwachung.
Der vermutete Auslöser, deutlich sichtbar. Diese Information verhindert die Wiederholung — und sie ist bei der nächsten Behandlung, möglicherweise in einer anderen Praxis, die einzige Warnung. Dazu die Empfehlung an den Patienten, den Verdacht allergologisch abklären zu lassen und einen Allergiepass zu führen.
Besonders wichtig ist der Zeitpunkt der Adrenalingabe — davon hängt ab, wann die nächste möglich ist. Diese Angaben werden schriftlich mitgegeben, nicht nur gesagt.
Drei Fragen
Eine Patientin entwickelt kurz nach der Medikamentengabe Quaddeln, Zungenkribbeln und Blutdruckabfall. Welche Aussage trifft nicht zu?
Was unterscheidet die Anaphylaxie von der vasovagalen Synkope?
Welchen Stellenwert haben Antihistaminikum und Glukokortikoid?
Das, was hängenbleiben soll
Quellen
- S2k-Leitlinie „Akuttherapie und Management der Anaphylaxie“, AWMF-Register-Nr. 061-025 — Schweregradeinteilung, Stellenwert des Adrenalins und Bewertung der ergänzenden Medikamente.Deckt ab: Erkennung, Schweregradeinteilung und Akuttherapie der Anaphylaxie, Stellenwert des intramuskulär verabreichten Adrenalins und Bewertung der ergänzenden Medikamente
- European Resuscitation Council Guidelines 2025 — Kreislaufstillstand unter besonderen Umständen, einschließlich der Abschnitte zu Anaphylaxie und Vergiftungen.Deckt ab: Vorgehen beim Kreislaufstillstand infolge einer Anaphylaxie
- Fachinformation des jeweils vorgehaltenen Präparats zu Adrenalin, Antihistaminikum und Glukokortikoid — maßgebliche Angaben zu Indikation, Dosierung und Kontraindikationen.Deckt ab: Angaben zu Adrenalin und den ergänzend eingesetzten Präparaten
- Bürgerliches Gesetzbuch §§ 630c bis 630f — Informations-, Aufklärungs- und Dokumentationspflichten.Deckt ab: Dokumentation des Ereignisses und Kennzeichnung des Auslösers in der Patientenakte
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