Kieferorthopädie Vertiefung 7 Min

KFO und Parodontitis

Schritt 1 ·

Was du danach erklären kannst

Eine kieferorthopädische Behandlung auf entzündetem Parodont beschleunigt den Abbau. Auf stabilem Parodont ist sie möglich — und kann die Reinigung sogar erleichtern.

1Woran sich Stabilität bemisstNicht am Gefühl, sondern an drei Befunden.
2Warum die Reihenfolge feststehtSie ist die Bedingung, nicht die Konvention.
3Was während der Behandlung giltEngmaschiger als sonst — und warum.
4Warum die Behandlung auch nützen kannEin Argument, das selten genannt wird.
7 MinutenVertiefung3 Selbstcheck-Fragen4 Quellen

„Kann ich endlich anfangen?“

Nachsorge38 Jahre, generalisierte Parodontitis, nach abgeschlossener Therapie stabil. „Die Parodontitis ist jetzt unter Kontrolle. Kann ich endlich mit der Zahnspange anfangen?“

Möglicherweise ja — und die Frage, die vorher zu beantworten ist, lautet: Was heißt hier stabil?

Der springende PunktStabilität ist ein Befund, kein Eindruck. Sie lässt sich an drei Größen festmachen, und ohne sie ist die Behandlung nicht vertretbar.

Woran sich Stabilität bemisst

Größe Was sie zeigt
Sondierungstiefen Keine verbliebenen tiefen Taschen
Blutung auf Sondierung Niedrig — sie ist der empfindlichste Entzündungsindikator
Radiologischer Verlauf Keine Progression im Vergleich zum Vorbefund

Dazu kommt die Mitarbeit bei der häuslichen Reinigung. Eine kieferorthopädische Apparatur erschwert sie — wer schon vorher Mühe hat, wird mit Brackets nicht besser zurechtkommen.

Warum die Reihenfolge feststeht: Zahnbewegung auf entzündetem Parodont beschleunigt den Attachmentverlust. Die Kraft wirkt auf ein Gewebe, das bereits abgebaut wird — das ist keine Konvention, sondern der Grund, warum die Entzündungskontrolle vorausgeht. Die Leitlinie zur Behandlung des parodontal geschädigten Gebisses ordnet die kieferorthopädischen Maßnahmen entsprechend nach der Entzündungskontrolle ein.

Engmaschigere parodontale Kontrolle als üblich. Der Grund ist doppelt: Die Apparatur erschwert die Reinigung, und die Zahnbewegung selbst verändert die parodontalen Verhältnisse fortlaufend. Ein Befund, der zu Behandlungsbeginn stabil war, bleibt es nicht automatisch.

Praktisch heißt das: Die parodontale Nachsorge läuft während der kieferorthopädischen Behandlung weiter, mit verkürztem Intervall — und zwar in deiner Praxis, während die Bewegung anderswo stattfindet.

Warum die Behandlung auch nützen kann

Fehlstellungen erschweren die Reinigung. Ein aufgereihter Zahnbogen ist leichter zu pflegen als ein verschachtelter — und bei einem Patienten mit parodontaler Vorgeschichte ist das kein Nebenaspekt.

Dazu kommt bei ausgeprägtem Attachmentverlust die funktionelle Seite: Gewanderte oder gefächerte Zähne lassen sich kieferorthopädisch wieder einordnen, was Kaufunktion und Belastungsverteilung verbessert. Genau dafür gibt es eine eigene Leitlinie zum parodontal geschädigten Gebiss.

⚠️ Was in die Überweisung gehört

Die parodontale Diagnose mit Stadium und Grad, der aktuelle Stabilitätsstatus, das laufende Nachsorgeintervall und der Hinweis, dass die parodontale Kontrolle bei dir weiterläuft. Ohne diese Angaben plant die kieferorthopädische Praxis wie bei einem parodontal gesunden Patienten — und das ist ein anderer Fall.

Drei Fragen

Eine 38-Jährige mit behandelter Parodontitis fragt nach einer kieferorthopädischen Behandlung. Welche Aussage trifft nicht zu?

Die dritte. Abgeschlossene Therapie und Stabilität sind zwei verschiedene Dinge — die Stabilität ist ein Befund, der erhoben wird.Offene FrageWie lange sollte sie bestehen? Die Angaben schwanken, und eine feste Frist gibt es nicht. Was zählt, ist ein dokumentierter stabiler Verlauf über einen Zeitraum, der eine Aussage erlaubt.

Welche Aussagen zur Behandlung bei parodontaler Vorgeschichte treffen zu?

Drei. Sie ist nicht kontraindiziert, sondern an Bedingungen geknüpft — und die Stabilität bleibt nicht von selbst erhalten.Offene FrageWas folgt daraus praktisch? Ein verkürztes Nachsorgeintervall während der gesamten Behandlungszeit. Das ist deine Aufgabe, während die Bewegung anderswo stattfindet.

Was gehört in die Überweisung?

Die erste. Ohne diese Angaben plant die kieferorthopädische Praxis wie bei einem parodontal gesunden Patienten — und das ist ein anderer Fall.Offene FrageWarum keine Apparaturempfehlung? Weil die Auswahl vom Befund abhängt. Was du beitragen kannst, ist die parodontale Information — und die ist genau das, was der anderen Praxis fehlt.

Das, was hängenbleiben soll

Erst stabil, dann bewegen — und die parodontale Kontrolle läuft weiter.

Quellen

  • Herrera D, Sanz M, Kebschull M et al. Treatment of stage IV periodontitis — The EFP S3-level clinical practice guideline. Journal of Clinical Periodontology 2022; 49 (Suppl 24): 4–71 — einschließlich der Empfehlungen zur kieferorthopädischen Behandlung des parodontal geschädigten Gebisses.Deckt ab: kieferorthopädische Behandlung des parodontal geschädigten Gebisses, Voraussetzungen und zeitliche Abfolge
  • Sanz M, Herrera D, Kebschull M et al. Treatment of stage I–III periodontitis — The EFP S3-level clinical practice guideline. Journal of Clinical Periodontology 2020; 47 (Suppl 22): 4–60.Deckt ab: parodontale Entzündungskontrolle als Voraussetzung und die unterstützende Therapie
  • Chapple ILC, Mealey BL, Van Dyke TE et al. Periodontal health and gingival diseases and conditions. Journal of Clinical Periodontology 2018; 45 (Suppl 20): S68–S77 — Kriterien parodontaler Stabilität.Deckt ab: Kriterien parodontaler Stabilität nach abgeschlossener Therapie
  • Bürgerliches Gesetzbuch §§ 630c bis 630f — Informations-, Aufklärungs- und Dokumentationspflichten.Deckt ab: Aufklärung über das Risiko unter laufender kieferorthopädischer Behandlung

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