Die KIG-Einstufung
Schritt 1 ·
Was du danach erklären kannst
Eltern fragen, ab wann die Kasse zahlt. Das System dahinter lässt sich in drei Sätzen erklären — und der wichtigste davon betrifft die Grenze deiner eigenen Auskunft.
„Ab welchem Grad zahlt die Kasse?“
Die erste Frage lässt sich beantworten, die zweite nicht abschließend — und diese Unterscheidung ist die eigentliche Auskunft.
Wie das System aufgebaut ist
Die Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses ordnet kieferorthopädische Befunde in Befundgruppen — etwa für sagittale, vertikale und transversale Abweichungen, für Engstand, für Zahnunterzahl und für kraniofaziale Anomalien. Jede Gruppe hat fünf Ausprägungsgrade.
| Grad | Bedeutung |
|---|---|
| 1 und 2 | geringe Ausprägung — keine Leistungspflicht der gesetzlichen Krankenversicherung |
| 3 bis 5 | ausgeprägter Befund — Leistungspflicht besteht |
Maßgeblich ist die höchste erreichte Einstufung. Ein Patient kann in einer Befundgruppe Grad 2 und in einer anderen Grad 4 erreichen — dann ist Grad 4 maßgeblich. Deshalb lässt sich aus einem einzelnen Wert nicht auf das Ergebnis schließen.
Eine Zusage, die sich nicht bestätigt, belastet das Verhältnis zur Familie und zur weiterbehandelnden Praxis. Und eine unzutreffende Entwarnung — „das reicht wahrscheinlich nicht“ — kann dazu führen, dass eine Familie gar nicht erst vorstellig wird.
Was du sagen kannst
| Statt | Besser |
|---|---|
| „Das reicht für die Kasse“ | „Der Befund ist deutlich ausgeprägt — die Einstufung nimmt die KFO-Praxis vor“ |
| „Das zahlt die Kasse nicht“ | „Ob das für eine Kostenübernahme reicht, entscheidet die Einstufung“ |
| „Das ist KIG 3″ | „Es gibt fünf Grade, ab dem dritten übernimmt die Kasse“ |
Dann hilft die ehrliche Auskunft, dass die Einstufung mehrere Befundgruppen berücksichtigt und deshalb dort erfolgt, wo der Befund vollständig erhoben wird. Das ist keine Ausflucht — es ist der Grund, warum eine Vorstellung überhaupt stattfindet.
Drei Fragen
Ein Vater fragt nach der Kostenübernahme für seinen Sohn mit vergrößertem Overjet. Welche Aussage trifft nicht zu?
Warum stufst du nicht selbst ein?
Wie beantwortest du die Frage des Vaters fachlich sauber?
Das, was hängenbleiben soll
Quellen
- Richtlinien des Bundesausschusses der Zahnärzte und Krankenkassen für die kieferorthopädische Behandlung, in der Fassung vom 4. Juni 2003 und 24. September 2003, in Kraft getreten am 1. Januar 2004 einschließlich der Anlage zu den kieferorthopädischen Indikationsgruppen; die Einstufung erfolgt nach Befundgruppen mit jeweils fünf Ausprägungsgraden, ab Grad 3 besteht eine Leistungspflicht der gesetzlichen Krankenversicherung.Deckt ab: Systematik der kieferorthopädischen Indikationsgruppen, Befundgruppen und Ausprägungsgrade sowie die Grenze der Leistungspflicht
- Sozialgesetzbuch Fünftes Buch, § 12 und § 29 — Wirtschaftlichkeitsgebot sowie kieferorthopädische Behandlung einschließlich der Regelung zum Eigenanteil und dessen Erstattung nach Abschluss der Behandlung.Deckt ab: gesetzliche Grundlage der kieferorthopädischen Behandlung in der vertragszahnärztlichen Versorgung
- S2k-Leitlinie „Ideale Zeitpunkte und Maßnahmen der kieferorthopädischen Diagnostik“, AWMF-Registernummer 083-050, Stand Juni 2025, federführend Deutsche Gesellschaft für Kieferorthopädie und DGZMK.Deckt ab: Befunde, die für die Einstufung erhoben werden
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