Habits und offener Biss
Schritt 1 ·
Was du danach erklären kannst
Die Abgewöhnung selbst steht in der Kinderzahnheilkunde. Hier geht es um das, was danach kommt — und um einen zweiten Habit, der weiterwirkt, wenn der erste längst beendet ist.
„Und wenn sie das nicht schafft?“
Dann bleibt der Biss offen — und eine Behandlung, die vorher beginnt, hält nicht. Die zweite Beobachtung der Mutter ist dabei die wichtigere.
Warum die Reihenfolge feststeht
Solange ein Habit weiterwirkt, arbeitet jede Korrektur gegen eine fortbestehende Kraft. Das Ergebnis ist absehbar: Rezidiv nach Behandlungsende. Deshalb steht die Habitbeseitigung vor jeder kieferorthopädischen Maßnahme — nicht aus Prinzip, sondern weil die Reihenfolge über das Ergebnis entscheidet.
Nach der Abgewöhnung folgt eine Beobachtungszeit. Wird das Habit beendet, bevor die bleibenden Frontzähne durchgebrochen sind, ist eine weitgehende Spontankorrektur möglich — der Biss schließt sich von selbst. Erst wenn sich über einen längeren Zeitraum keine Tendenz zeigt, wird über eine Behandlung entschieden.
Die Abfolge
| Schritt | Inhalt |
|---|---|
| 1 · Habits vollständig erfassen | Lutschen, Zungenpressen, Lippenbeißen, Mundatmung — alle vier prüfen |
| 2 · Abgewöhnung | Verhaltensbezogen; die Einzelheiten stehen in der Kinderlektion zu Habits |
| 3 · Beobachtungszeit | Auf eine Tendenz zum Bissschluss warten |
| 4 · Neubewertung | Erst danach über eine kieferorthopädische Behandlung entscheiden |
| 5 · Bei fortbestehendem Zungenpressen | Myofunktionelle Therapie parallel zur Behandlung |
Nicht, dass es dann eben nicht geht. Sondern: dass es Wege gibt, die Abgewöhnung zu unterstützen, und dass eine Apparatur zur Erinnerung möglich ist — allerdings nur mit Einverständnis des Kindes. Und dass die Zeit noch reicht: Der Bezugspunkt ist der Durchbruch der bleibenden Frontzähne, nicht ein Geburtstag.
Drei Fragen
Bei einem achtjährigen Kind besteht ein offener Biss, das Daumenlutschen dauert an und beim Schlucken ist Zungenpressen erkennbar. Welche Aussage trifft nicht zu?
Welche Habits gehören erfasst?
Was folgt bei fortbestehendem Zungenpressen?
Das, was hängenbleiben soll
Quellen
- S3-Leitlinie „Ideale Behandlungszeitpunkte kieferorthopädischer Anomalien“, AWMF-Register-Nr. 083-038, Stand Dezember 2021, gültig bis Dezember 2026. Federführend Deutsche Gesellschaft für Kieferorthopädie und DGZMK.Deckt ab: Behandlungszeitpunkt beim offenen Biss, Stellenwert der Habitbeseitigung und Zeitraum bis zur Neubewertung
- S2k-Leitlinie „Ideale Zeitpunkte und Maßnahmen der kieferorthopädischen Diagnostik“, AWMF-Registernummer 083-050, Stand Juni 2025, federführend Deutsche Gesellschaft für Kieferorthopädie und DGZMK.Deckt ab: Erhebung funktioneller Befunde einschließlich Zungenlage und Schluckmuster
- Richtlinien des Bundesausschusses der Zahnärzte und Krankenkassen für die kieferorthopädische Behandlung, in der Fassung vom 4. Juni 2003 und 24. September 2003, in Kraft getreten am 1. Januar 2004 einschließlich der kieferorthopädischen Indikationsgruppen.Deckt ab: Einstufung des offenen Bisses in die Indikationsgruppen
- Bürgerliches Gesetzbuch §§ 630c bis 630f — Informations-, Aufklärungs- und Dokumentationspflichten.Deckt ab: Aufklärung über die Voraussetzungen einer erfolgreichen Behandlung
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