Aligner in der allgemeinzahnärztlichen Praxis
Schritt 1 ·
Was du danach erklären kannst
Patienten fragen danach, weil sie es aus der Werbung kennen. Was das Verfahren kann, ist gut untersucht — und die Grenzen liegen dort, wo sie am wenigsten erwartet werden.
„Können Sie das auch?“
Möglicherweise — dieser Fall gehört zu denen, die dafür geeignet sind. Die Frage ist trotzdem nicht, ob du es kannst, sondern ob dieser Fall es hergibt.
Was gut gelingt und was nicht
| Gelingt gut | Gelingt schlecht |
|---|---|
| Kippung von Kronen | Körperliche Bewegung über größere Strecken |
| Leichte Rotationen | Rotation runder Zähne, insbesondere von Prämolaren |
| Lückenschluss in geringem Umfang | Extrusion von Frontzähnen |
| Korrektur leichter Engstände | Aufrichtung stark gekippter Zähne |
| Rezidivkorrektur nach Vorbehandlung | Bisshebung bei tiefem Biss |
Der gemeinsame Nenner der schwierigen Bewegungen: Sie brauchen einen Angriffspunkt, den eine glatte Schiene nicht bietet. Deshalb arbeiten die Systeme mit aufgeklebten Attachments — die den Zugriff verbessern, das Grundproblem aber nicht aufheben.
Daraus folgt: Die Entscheidung, welcher Fall geeignet ist, fällt vor Behandlungsbeginn und ist nicht korrigierbar. Genau deshalb ist sie die anspruchsvollste Leistung im ganzen Verfahren — und nicht das Einsetzen der Schienen.
Was besprochen gehört
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Erreichbares Ergebnis | Konkret auf diesen Fall bezogen, nicht allgemein |
| Was das Verfahren nicht kann | Gehört ausdrücklich dazu |
| Alternativen | Festsitzende Behandlung, kieferorthopädische Beurteilung |
| Tragezeit | Und die Folgen unzureichender Mitarbeit für die gesamte Serie |
| Retention danach | Ohne sie kommt der Befund zurück — hier besonders relevant |
Die Patientin hat schon einmal ein Rezidiv erlebt, weil der Retainer verloren ging. Eine erneute Korrektur ohne anschließende Retention führt zum selben Ergebnis. Die Retention gehört deshalb nicht ans Ende der Aufklärung, sondern an den Anfang — sie ist bei diesem Fall die Bedingung, nicht die Nachsorge.
Drei Fragen
Eine 28-Jährige mit leichtem Engstand nach früherer Behandlung fragt nach Aligner-Therapie. Welche Aussage trifft nicht zu?
Welche Bewegungen gelingen mit Alignern eher schlecht?
Was ist bei diesem Fall die Bedingung für ein dauerhaftes Ergebnis?
Das, was hängenbleiben soll
Quellen
- Papageorgiou SN, Koletsi D, Iliadi A, Peltomäki T, Eliades T: Treatment outcome with orthodontic aligners and fixed appliances – a systematic review with meta-analyses. European Journal of Orthodontics 2020; 42(3): 331–343 — erreichbare Zahnbewegungen, Behandlungsdauer und Grenzen beider Verfahren. DOIDeckt ab: erreichbare Zahnbewegungen mit Alignern, Grenzen des Verfahrens und Vergleich mit festsitzenden Apparaturen
- Gesetz über die Ausübung der Zahnheilkunde sowie die Berufsordnungen der Landeszahnärztekammern — Grundsatz, Behandlungen nur im Rahmen der eigenen Kenntnisse und Fähigkeiten durchzuführen.Deckt ab: Behandlung im Rahmen der eigenen Kenntnisse und Fähigkeiten
- Bürgerliches Gesetzbuch §§ 630a bis 630f — Behandlungsvertrag, geschuldeter fachlicher Standard, Aufklärung und Dokumentation.Deckt ab: Aufklärung über erreichbares Ergebnis, Alternativen und Mitwirkungspflichten
- S3-Leitlinie „Ideale Behandlungszeitpunkte kieferorthopädischer Anomalien“, AWMF-Register-Nr. 083-038, Stand Dezember 2021, gültig bis Dezember 2026. Federführend Deutsche Gesellschaft für Kieferorthopädie und DGZMK.Deckt ab: Einordnung der Befunde, für die eine kieferorthopädische Behandlung angezeigt ist
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