Die alte Einteilung in „chronische Parodontitis“ und „aggressive Parodontitis“ hat sich klinisch als unzureichend erwiesen. Sie beschrieb den Verlauf nicht ausreichend, gab keine Prognosehinweise und war schlecht mit Therapieentscheidungen verknüpft. Der World Workshop on the Classification of Periodontal and Peri-Implant Diseases 2017 ersetzte sie durch ein System das Schweregrad und Progressionsrisiko trennt.
Die Stadien beschreiben den Schweregrad der bisherigen Erkrankung — wie viel Knochen und Attachment bereits verloren gegangen ist.
Stadium I: Klinischer Attachmentverlust 1–2 mm, röntgenologischer Knochenabbau im koronalen Drittel (unter 15%), keine Zahnverluste durch Parodontitis. Stadium II: Attachmentverlust 3–4 mm, Knochenabbau 15–33%. Stadium III: Attachmentverlust ≥5 mm, Knochenabbau über das mittlere Drittel hinaus, Zahnverluste durch Parodontitis möglich, Taschentiefen ≥6 mm, vertikaler Knochenabbau ≥3 mm. Stadium IV: Stadium III plus Kaufunktionsstörung durch Parodontitis (Zahnwanderungen, Zungenpressen, Bissinstabilität, weniger als 20 funktionierende Zähne).
Grad A (langsame Progression): kein oder minimaler Knochenabbau in 5 Jahren Beobachtung, Biofilm nicht proportional zum Schweregrad, keine Risikofaktoren. Grad B (moderate Progression): weniger als 2 mm Knochenabbau in 5 Jahren, mäßige Risikofaktoren. Grad C (schnelle Progression): über 2 mm in 5 Jahren, schwerer Befund bei jungem Patient, Rauchen über 10 Zigaretten/Tag, Diabetes mit HbA1c ≥7%, andere systemische Risikofaktoren.
Staging und Grading haben direkte Konsequenzen: Stadium III/IV braucht intensive Therapie und möglicherweise chirurgische Phase. Grad C erfordert engeren Recall und Berücksichtigung der systemischen Risikofaktoren. Die neue Klassifikation ist auch Grundlage für die KZBV-Parodontitis-Richtlinie und damit für die BEMA-Abrechnung der systematischen Parodontitistherapie (PAR-Richtlinie).