21. März 2026
Mundgesundheit in der Schwangerschaft: Was Zahnarzt und Patientin wissen sollten

Warum die Schwangerschaft den Mund verändert

Östrogen und Progesteron steigen in der Schwangerschaft erheblich an. Progesteron fördert das Wachstum bestimmter Parodontalbakterien (Bacteroides und Prevotella-Spezies), erhöht die vaskuläre Permeabilität im Sulkus und moduliert die Immunantwort. Das Ergebnis: fast alle Schwangeren entwickeln eine verstärkte Gingivitis — selbst wenn die Mundhygiene objektiv gut ist.

Schwangerschaftsgingivitis: Häufig und behandelbar

Die Schwangerschaftsgingivitis beginnt typischerweise im zweiten Monat, erreicht im achten Monat ihren Höhepunkt und bildet sich nach der Geburt zurück. Klinisch: Rötung, Schwellung, verstärkte Blutungsneigung. Manchmal: Schwangerschaftstumor (Epulis gravidarum) — eine gutartige Gewebewucherung im interdentalen Bereich die nach der Geburt meist von selbst zurückgeht.

Therapie: Professionelle Reinigung und intensivierte Mundhygiene sind sicher und wirksam. Keine besondere Vorsicht nötig — Prophylaxe in der Schwangerschaft ist sicher und empfohlen.

Parodontitis in der Schwangerschaft: systemisches Risiko

Bestehende Parodontitis kann sich in der Schwangerschaft durch die hormonellen Veränderungen verschlechtern. Und: Parodontitis ist mit erhöhtem Risiko für Frühgeburt (unter 37 SSW) und niedrigem Geburtsgewicht assoziiert. Der Mechanismus: parodontale Entzündungsmediatoren (Prostaglandin E2, IL-1, TNF-α) können die uterine Prostaglandinsynthese stimulieren und vorzeitige Wehen auslösen.

Wichtig für die Praxis: PA-Behandlung (SRP) in der Schwangerschaft ist sicher — bevorzugt im zweiten Trimester. Es gibt keinen Grund die Behandlung auf nach der Geburt zu verschieben wenn aktive Parodontitis vorliegt.

Welche Behandlungen sind sicher?

Profylaxe und SRP: sicher, zu jedem Zeitpunkt in der Schwangerschaft. Lokalanästhesie (Articain, Lidocain mit Adrenalin in normaler Dosierung): sicher. Röntgen mit Bleischürze: wenn klinisch indiziert möglich, bevorzugt nach dem ersten Trimester, keine Panoramaaufnahmen ohne gute Indikation. Amalgamentfernung: nicht in der Schwangerschaft (Quecksilberexposition). Antibiotika: nur wenn zwingend nötig, Rücksprache Gynäkologe, Amoxicillin oder Penicillin bevorzugt.

Der ideale Zeitpunkt

Zweites Trimester (14.–26. SSW) ist ideal für elektive Behandlungen: Organogenese abgeschlossen, Frühgeburtsrisiko noch gering, Patientin kann bequem im Stuhl liegen. Im dritten Trimester: Vena-cava-Kompressionssyndrom beachten (leicht linksseitig lagern). Erste SSW: nur Notfallbehandlungen.

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