Häufigkeit und Kontext
Anaphylaxie in der Zahnarztpraxis ist selten — aber wenn sie auftritt, ist sie ein Notfall der Minuten entscheidend macht. Häufigste Auslöser in der Zahnarztpraxis: Lokalanästhetika (eigentlich selten allergisch, häufiger vasovagal), Latex, Antibiotika (vor allem Penicilline), NSAID, Mundpflegemittel mit bestimmten Bestandteilen. Wichtig zu wissen: „Allergie auf Betäubungsmittel“ ist in den meisten Fällen keine echte Allergie — aber eine sorgfältige Anamnese ist dennoch obligat.
Symptome: Was man wissen muss
Anaphylaxie kann sich in Minuten von leichter Reaktion zum lebensbedrohlichen Schock entwickeln. Frühzeichen: Juckreiz, Urtikaria, Rötung, Kribbeln in Händen oder Lippen. Mittelschwer: Angioödem (Zunge, Lippen, Gesicht), Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, leichter Blutdruckabfall. Schwer: Bronchospasmus (pfeifende Atmung, Atemnot), Laryngödem, Hypotonie, Tachykardie, Bewusstseinseintrübung, Schock.
Adrenalin: Die Lebensrettende Erstmaßnahme
Der häufigste und gefährlichste Fehler bei Anaphylaxie: zu langes Zögern mit der Adrenalingabe. Adrenalin intramuskulär ist die Erstmaßnahme bei mittelschwerer bis schwerer Anaphylaxie — nicht Antihistaminikum, nicht Kortison (die wirken zu langsam). Adrenalin rettet Leben. Adrenalin i.m. ist sicher. Die Nebenwirkungen (Tachykardie, Blutdruckanstieg) sind im Kontext des Schocks akzeptabel und reversibel.
Applikation: 0,3–0,5 mg Adrenalin (0,3–0,5 ml einer 1:1000-Lösung) intramuskulär in den lateralen Oberschenkel. Bei Kindern unter 30 kg: 0,01 mg/kg KG. Fertigspritzen (EpiPen, Jext) sind in der Praxis zu bevorzugen — einfache Handhabung auch unter Stress.
Sofortmaßnahmen im Überblick
1. Auslöser stoppen (Medikamente absetzen, LA-Spritze raus). 2. 112 rufen — sofort, nicht warten. 3. Lagerung: bei Bewusstsein und Atemnot: Oberkörper hoch. Bei Hypotonie: Schocklage (Beine hoch). Bei Bewusstlosigkeit: stabile Seitenlage. 4. Adrenalin i.m. Oberschenkel. 5. Sauerstoff wenn vorhanden. 6. Venösen Zugang legen wenn Kompetenz vorhanden (für Notarzt wichtig). 7. Überwachen bis Notarzt da.
Notfallkoffer: Was muss drin sein?
Gesetzliche Pflicht: jede Zahnarztpraxis muss einen Notfallkoffer mit definierten Medikamenten vorhalten. Mindestinhalt: Adrenalin (Fertigspritze oder Ampullen), Antihistaminikum i.v. (Dimetinden), Kortison i.v. (Prednisolon), Glukose (oral und i.v.), Nitrospray, Sauerstoff. Monatliche Kontrolle des Verfallsdatums. Jährliche Teamschulung: jedes Praxismitglied muss die Anwendung kennen.
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Lehrmaterial für die zahnmedizinische Aus- und Weiterbildung, keine Handlungsanweisung für den Einzelfall. Maßgeblich sind die jeweils geltenden Leitlinien und die Fachinformation des verwendeten Präparats.
