Radiologie Vertiefung 7 Min

Auswertung vor der Implantation

Schritt 1 ·

Was du danach erklären kannst

Vier Messgrößen bestimmen die Planung — und bei einer fünften ist Vorsicht geboten, weil das Verfahren sie nicht liefert, was es zu liefern scheint.

1Was gemessen wirdVier Größen, in fester Reihenfolge.
2Wofür die Sicherheitsabstände stehenSie sind Größenordnungen, keine Formeln.
3Warum die Knochenqualität nicht ablesbar istDie Grauwerte sind nicht standardisiert.
4Welche Artefakte die Beurteilung störenVor allem eines.
7 MinutenVertiefung3 Selbstcheck-Fragen3 Quellen

„Was messe ich eigentlich?“

Implantatplanung57 Jahre, dreidimensionale Aufnahme regio 46 liegt vor, der Kanalverlauf ist gut erkennbar. „Was genau messe ich, und welche Werte brauche ich für die Planung?“

Vier Größen — und die Reihenfolge ist nicht beliebig, weil jede die nächste einschränkt.

Der springende PunktGemessen wird nicht, was möglich wäre, sondern was die Planung begrenzt. Die kritische Struktur bestimmt die Länge, die Breite den Durchmesser.

Die vier Messgrößen

Größe Wofür
Verfügbare Höhe bis zur kritischen Struktur Bestimmt die maximale Implantatlänge
Knochenbreite bukkolingual Bestimmt den Durchmesser und den Augmentationsbedarf
Verlauf und Lage der kritischen Struktur Kanal im Unterkiefer, Sinusboden im Oberkiefer
Kortikale Verhältnisse Ein Anhaltspunkt für die Primärstabilität

Zum Kanal und zum Sinusboden wird ein Sicherheitsabstand eingehalten. Die genannten Größenordnungen liegen im Bereich weniger Millimeter — sie sind allerdings Orientierungswerte, keine Formeln.

Der Grund: Messungenauigkeiten in der Bildgebung, die Genauigkeit der Übertragung in den Mund und die individuelle Anatomie kommen zusammen. Wer bis auf den Millimeter plant und dann freihändig inseriert, hat die Toleranz aufgebraucht, bevor er anfängt.

Bei knappen Verhältnissen ist deshalb nicht der kleinere Abstand die Lösung, sondern das kürzere Implantat, die veränderte Position oder die Augmentation. Die Planungsentscheidungen stehen in der Implantologie.

Warum die Knochenqualität nicht ablesbar ist

Die Auswertungssoftware zeigt Grauwerte, und es liegt nahe, daraus auf die Knochendichte zu schließen. Das ist nicht zulässig.

Anders als in der Computertomographie sind die Grauwerte in der dentalen digitalen Volumentomographie nicht standardisiert. Sie hängen vom Gerät ab, vom gewählten Volumen und sogar von der Position der gemessenen Stelle innerhalb des Volumens. Ein Wert an einer Stelle ist mit einem Wert an einer anderen nicht vergleichbar — und schon gar nicht mit Werten aus einem anderen Gerät.

Zulässig Nicht zulässig
Beurteilung der Kortikalisdicke Ableitung einer Dichteklasse aus Grauwerten
Beurteilung der Spongiosastruktur im Bild Vergleich von Messwerten zwischen Geräten
Anhaltspunkte für die Erwartung Eine quantitative Aussage zur Knochenqualität
⚠️ Welche Artefakte stören

Vor allem die Aufhärtung an metallischen Strukturen: Kronen, Wurzelstifte und vorhandene Implantate erzeugen streifige Störungen und dunkle Zonen in ihrer Umgebung.

Praktisch heißt das: Eine dunkle Zone unmittelbar neben einem Implantat oder einer metallischen Restauration ist zunächst artefaktverdächtig, kein Befund. Die Beurteilung in dieser Region ist eingeschränkt — und diese Einschränkung gehört in den Befund, statt weggelassen zu werden.

Drei Fragen

Eine dreidimensionale Aufnahme soll für die Implantatplanung ausgewertet werden. Welche Aussage trifft nicht zu?

Die dritte. Anders als in der Computertomographie sind die Grauwerte nicht standardisiert — sie hängen vom Gerät, vom Volumen und sogar von der Position im Volumen ab.Offene FrageWas ist zulässig? Die Beurteilung der Kortikalisdicke und der Spongiosastruktur im Bild — als Anhaltspunkt für die Erwartung, nicht als quantitative Aussage.

Was gilt für die Sicherheitsabstände?

Drei. Im Oberkiefer betrifft der Abstand den Sinusboden — das Prinzip ist dasselbe.Offene FrageWas ist bei knappen Verhältnissen die Lösung? Das kürzere Implantat, die veränderte Position oder die Augmentation. Wer bis auf den Millimeter plant, hat die Toleranz aufgebraucht, bevor er anfängt.

Was ist bei einer dunklen Zone neben einem vorhandenen Implantat zu bedenken?

Die erste. Metallische Strukturen erzeugen Aufhärtungsartefakte — streifige Störungen und dunkle Zonen in ihrer Umgebung.Offene FrageWas folgt daraus für den Befund? Die eingeschränkte Beurteilbarkeit in dieser Region gehört hinein, statt weggelassen zu werden.

Das, was hängenbleiben soll

Höhe und Breite lassen sich messen, die Dichte nicht — und Metall macht dunkle Zonen.

Quellen

  • S3-Leitlinie „Indikationen zur implantologischen 3D-Röntgendiagnostik und navigationsgestützten Implantologie“, AWMF-Registernummer 083-011, federführend DGI und DGZMK.Deckt ab: Indikationsstellung und Auswertung der dreidimensionalen Bildgebung in der implantologischen Planung
  • Pauwels R, Nackaerts O, Bellaiche N et al.: Variability of dental cone beam CT grey values for density estimations. British Journal of Radiology 2013; 86(1021): 20120135 — fehlende Standardisierung gegenüber computertomographischen Dichtewerten und die daraus folgenden Einschränkungen für die Knochenqualitätsbeurteilung. DOIDeckt ab: fehlende Standardisierung der Grauwerte und die Einschränkungen für die Beurteilung der Knochenqualität
  • S2k-Leitlinie „Dentale digitale Volumentomographie“, AWMF-Register-Nr. 083-005, federführend DGZMK und DGMKG — Indikationsstellung, rechtfertigende Indikation und Grenzen des Verfahrens.Deckt ab: Grenzen des Verfahrens und Artefaktproblematik

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