Radiologie Vertiefung 7 Min

Implantate im Röntgen — Kontrolle und Verlauf

Schritt 1 ·

Was du danach erklären kannst

Der Knochen sieht anders aus als auf dem alten Bild — und die Frage, wie viel normal ist, hat eine andere Antwort als früher.

1Warum die Referenzaufnahme alles trägtOhne sie gibt es nichts zu vergleichen.
2Wie der Befund heute eingeordnet wirdNicht über Millimeter pro Jahr.
3Was die Form des Abbaus aussagtSie unterscheidet zwei Ursachen.
4Was die zweidimensionale Aufnahme nicht zeigtUnd was daraus folgt.
7 MinutenVertiefung3 Selbstcheck-Fragen3 Quellen

„Wie viel ist normal?“

Recall61 Jahre, Implantat regio 36 seit vier Jahren. Auf der aktuellen Aufnahme erscheint der Knochen verändert gegenüber der Aufnahme nach der Eingliederung. „Der Knochen sieht anders aus als auf dem alten Bild. Wie viel ist normal?“

Die Frage lässt sich nur beantworten, weil die alte Aufnahme vorliegt. Ohne sie wäre der Befund nicht einzuordnen.

Der springende PunktMaßgeblich ist der Vergleich mit der Situation nach Eingliederung der Suprakonstruktion. Diese Aufnahme ist der Bezugspunkt für alles Weitere.

Wie der Befund eingeordnet wird

Eine ältere Vorstellung arbeitete mit festen Grenzwerten pro Jahr — etwa einem Umbau im ersten Jahr und einem geringen Verlust in den Folgejahren. Die aktuelle Falldefinition arbeitet anders.

Maßgeblich ist der Knochenverlust gegenüber der Referenzaufnahme, zusammen mit den klinischen Befunden: Blutung oder Eiteraustritt und erhöhte Sondierungstiefe. Erst diese Kombination begründet die Diagnose — ein radiologischer Befund allein tut es nicht.

Befund Einordnung
Geringe Veränderung im ersten Jahr Physiologischer Umbau nach Eingliederung
Verlust gegenüber der Referenz, ohne klinische Zeichen Beobachtungsbedürftig, Ursache suchen
Verlust mit Blutung, Eiter und erhöhter Sondierungstiefe Periimplantitis
Fortschreitender Verlust im Verlaufsvergleich Handlungsbedarf

Die Falldefinitionen sehen dafür ein Ersatzvorgehen vor: Ist kein Ausgangsbefund verfügbar, wird über die Kombination aus Blutung oder Eiteraustritt, erhöhter Sondierungstiefe und dem Ausmaß des sichtbaren Knochenverlusts beurteilt.

Das ist weniger präzise als der Vergleich. Und es ist der Grund, warum die Aufnahme nach Eingliederung angefertigt und als Referenz gekennzeichnet gehört — sie wird Jahre später gebraucht, möglicherweise von jemand anderem.

Was die Form des Abbaus aussagt

Form Was sie nahelegt
Trichterförmig, das Implantat umgebend Entzündlicher Prozess — Periimplantitis
Gleichmäßig horizontal, ohne Trichter Eher Umbau oder Überlastung
Einseitig, örtlich begrenzt Lokaler Faktor — Zementrest, Konstruktion, Nachbarschaft

Die dritte Zeile lohnt die genaue Betrachtung. Ein einseitiger Abbau an einer bestimmten Stelle hat oft eine benennbare Ursache — und die zu finden ist wirksamer, als den Befund nur zu dokumentieren. Die Einzelheiten stehen in der Implantologie.

⚠️ Was die zweidimensionale Aufnahme nicht zeigt

Den Knochen vestibulär und oral. Die Aufnahme zeigt das Niveau mesial und distal — die übrigen Flächen erfordern die klinische Sondierung.

Das ist derselbe Punkt wie beim parodontalen Knochenabbau: Ein unauffälliges Bild schließt einen periimplantären Befund nicht aus. Deshalb gehört zur Kontrolle immer beides — die Aufnahme und die Sondierung.

Drei Fragen

Bei einem Implantat zeigt sich vier Jahre nach Eingliederung eine Knochenveränderung. Welche Aussage trifft nicht zu?

Die dritte. Die aktuelle Falldefinition arbeitet mit dem Vergleich zur Referenz und den klinischen Befunden — nicht mit festen Jahreswerten.Offene FrageWas gehört zur Diagnose? Knochenverlust gegenüber der Referenz, Blutung oder Eiteraustritt und erhöhte Sondierungstiefe. Erst die Kombination begründet sie.

Was sagt die Form des Abbaus aus?

Drei. Ein gleichmäßiger horizontaler Abbau ohne Trichter spricht eher für Umbau oder Überlastung.Offene FrageWas ist bei einem einseitigen Abbau zu tun? Nach der Ursache suchen — ein Zementrest, eine ungünstige Konstruktion oder eine Situation in der Nachbarschaft. Das ist wirksamer, als den Befund nur zu dokumentieren.

Was zeigt die zweidimensionale Aufnahme nicht?

Die erste. Das ist derselbe Punkt wie beim parodontalen Knochenabbau — ein unauffälliges Bild schließt einen Befund nicht aus.Offene FrageWas folgt daraus? Zur Kontrolle gehört immer beides: die Aufnahme und die Sondierung. Eine allein reicht nicht.

Das, was hängenbleiben soll

Ohne Referenz kein Vergleich — und ohne Sondierung keine Diagnose.

Quellen

  • Renvert S, Persson GR, Pirih FQ, Camargo PM. Peri-implant health, peri-implant mucositis, and peri-implantitis: Case definitions and diagnostic considerations. Journal of Clinical Periodontology 2018; 45 (Suppl 20): S278–S285.Deckt ab: Falldefinition der Periimplantitis, Bedeutung der Referenzaufnahme und das Vorgehen bei fehlendem Ausgangsbefund
  • Berglundh T, Armitage G, Araujo MG et al. Peri-implant diseases and conditions: Consensus report of workgroup 4 of the 2017 World Workshop. Journal of Clinical Periodontology 2018; 45 (Suppl 20): S286–S291.Deckt ab: Konsensusbericht zur Abgrenzung des physiologischen Knochenumbaus vom pathologischen Verlust
  • S3-Leitlinie „Indikationen zur implantologischen 3D-Röntgendiagnostik und navigationsgestützten Implantologie“, AWMF-Registernummer 083-011 sowie die S2k-Leitlinie „Dentale digitale Volumentomographie“, AWMF-Register-Nr. 083-005.Deckt ab: Grenzen der zweidimensionalen Darstellung bei implantatbezogenen Fragestellungen

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