Radiologie Vertiefung 6 Min

Sinusitis maxillaris im OPG

Schritt 1 ·

Was du danach erklären kannst

Eine Verschattung im Sinus auf einem Bild, das aus zahnärztlichem Grund entstanden ist — und ein Merkmal, das die Ursache verrät.

1Was einseitig und beidseitig unterscheidetDer stärkste Hinweis.
2Wie eine odontogene Ursache aussiehtDer Zusammenhang ist erkennbar.
3Was die Panoramaaufnahme nicht zeigtUnd wann das reicht.
4Wie die Zusammenarbeit läuftUrsache zuerst.
6 MinutenVertiefung3 Selbstcheck-Fragen3 Quellen

„Da stimmt was nicht auf der rechten Seite“

Recall49 Jahre. Auf der Panoramaaufnahme ist der rechte Sinus maxillaris verschattet, an Zahn 16 zeigt sich eine apikale Aufhellung. Die Patientin klagt seit Monaten über ein Druckgefühl rechts. „Ich habe seit Monaten das Gefühl, dass da was nicht stimmt.“

Die Einseitigkeit und der apikale Befund am darüberliegenden Zahn ergeben zusammen ein deutliches Bild.

Der springende PunktEine einseitige Verschattung mit passendem dentalem Befund spricht für eine odontogene Ursache. Eine beidseitige spricht dagegen.

Die Unterscheidung

Merkmal Eher odontogen Eher rhinogen
Seitigkeit Einseitig Beidseitig
Dentaler Befund Apikale Aufhellung, Zyste, Fremdkörper Ohne dentale Auffälligkeit
Beziehung Verschattung ausgehend vom Alveolarfortsatz Diffus, vom Sinusdach ausgehend
Anamnese Zahnbehandlung, Extraktion, Beschwerden am Zahn Erkältungssymptome, Allergie
Geruch Fötider Geruch möglich Untypisch

Die Wurzeln der Oberkiefermolaren und -prämolaren liegen dem Sinusboden nahe, teilweise ragen sie hinein. Eine apikale Entzündung kann die dünne knöcherne Trennung überschreiten.

Typische Ursachen sind eine apikale Parodontitis, eine radikuläre Zyste mit Bezug zum Sinus, eine nicht verschlossene Verbindung nach einer Extraktion oder ein in den Sinus verlagerter Fremdkörper — etwa Wurzelfüllmaterial oder eine Wurzelspitze.

Im Bild erkennbar ist häufig, dass die Verschattung vom Alveolarfortsatz ausgeht und nach oben abnimmt — im Unterschied zur diffusen Verschattung bei einer rhinogenen Ursache.

Was die Panoramaaufnahme nicht zeigt

Grenze Anmerkung
Nur der untere Sinusanteil ist dargestellt Die oberen Abschnitte fehlen
Überlagerungen erschweren die Beurteilung Weichteile, Nachbarstrukturen
Schleimhautverdickung ist nicht sicher abgrenzbar Von einer Flüssigkeitsansammlung
Ostium und Belüftungsverhältnisse Nicht darstellbar

Für die Fragestellung reicht das oft trotzdem. Wenn ein dentaler Befund erkennbar ist, der die Verschattung erklärt, ist die weiterführende Bildgebung nicht erforderlich — die Ursache wird behandelt, und der Verlauf zeigt, ob die Zuordnung stimmte.

⚠️ Wie die Zusammenarbeit läuft

Die zahnärztliche Ursache wird zuerst behandelt — endodontisch oder durch Entfernung. Bestehen die Beschwerden danach fort, folgt die hals-nasen-ohren-ärztliche Abklärung.

Umgekehrt gilt dasselbe: Eine Patientin, die aus der HNO-Behandlung mit einer therapieresistenten einseitigen Sinusitis kommt, gehört zahnärztlich abgeklärt. Ein erheblicher Anteil einseitiger Sinusitiden hat eine dentale Ursache — und ohne deren Beseitigung hilft keine HNO-Therapie dauerhaft.

Drei Fragen

Einseitige Sinusverschattung mit apikaler Aufhellung an Zahn 16. Welche Aussage trifft nicht zu?

Die dritte. Wenn ein dentaler Befund erkennbar ist, der die Verschattung erklärt, ändert eine weitere Aufnahme das Vorgehen nicht.Offene FrageWas zeigt der Verlauf? Ob die Zuordnung stimmte. Bilden sich Beschwerden und Verschattung nach der zahnärztlichen Behandlung zurück, war es odontogen.

Was spricht für eine odontogene Ursache?

Drei. Beidseitigkeit und Erkältungssymptome sprechen gerade für eine rhinogene Ursache.Offene FrageWarum ist die Einseitigkeit so aussagekräftig? Weil eine dentale Ursache immer nur eine Seite betrifft — eine Erkältung dagegen in der Regel beide.

Was gilt für eine Patientin mit therapieresistenter einseitiger Sinusitis aus der HNO-Behandlung?

Die erste. Ein erheblicher Anteil einseitiger Sinusitiden hat eine dentale Ursache — und ohne deren Beseitigung hilft keine HNO-Therapie dauerhaft.Offene FrageWas wird geprüft? Die Vitalität der Oberkieferseitenzähne, apikale Befunde, eine nicht verschlossene Verbindung nach Extraktion und Fremdkörper im Sinus.

Das, was hängenbleiben soll

Einseitig mit dentalem Befund heißt odontogen — und die Ursache wird zuerst behandelt.

Quellen

  • S2k-Leitlinie „Odontogene Sinusitis maxillaris“, AWMF-Registernummer 007-086, Version 4.0, Stand 24. März 2026 — Erkennung, Abgrenzung zur rhinogenen Form und interdisziplinäres Vorgehen. AWMFDeckt ab: Erkennung der odontogenen Sinusitis, Abgrenzung zur rhinogenen Form und das interdisziplinäre Vorgehen
  • Fokkens WJ, Lund VJ, Hopkins C et al.: European Position Paper on Rhinosinusitis and Nasal Polyps 2020 (EPOS 2020). Rhinology 2020; 58(Suppl 29): 1–464 — Diagnostik und Therapie der Rhinosinusitis einschließlich der Abgrenzung der odontogenen Form. DOIDeckt ab: Diagnostik und Therapie der Rhinosinusitis einschließlich der odontogenen Form
  • S3-Leitlinie „Indikationen zur implantologischen 3D-Röntgendiagnostik und navigationsgestützten Implantologie“, AWMF-Registernummer 083-011 sowie die S2k-Leitlinie „Dentale digitale Volumentomographie“, AWMF-Register-Nr. 083-005.Deckt ab: Indikationsstellung für weiterführende Bildgebung

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