Notfälle Vertiefung 7 Min

Akute Periimplantitis mit Abszess

Schritt 1 ·

Was du danach erklären kannst

Ein Patient ohne Voranmeldung, mit Fieber und Eiter am Implantat. Was in dieser Sitzung passiert, ist etwas anderes als die geplante Periimplantitistherapie — und beim Antibiotikum gilt hier eine andere Abwägung als sonst.

1Was in dieser Sitzung erreicht wirdEntlastung, nicht Sanierung.
2Warum das Antibiotikum hier anders zu bewerten istDer Unterschied liegt im Fieber.
3Welche Warnzeichen zur Klinik führenDieselben wie beim odontogenen Abszess.
4Wann sofort explantiert wirdEin Befund lässt keine Wahl.
7 MinutenVertiefung3 Selbstcheck-Fragen4 Quellen

„Das ist doch jahrelang drin!“

Akutvorstellung60 Jahre, Implantat regio 36 seit fünf Jahren. Seit gestern starke Schmerzen, deutliche Schwellung, Eiteraustritt aus der Tasche, erhöhte Temperatur. Die Mundöffnung ist frei. „Das hat mich noch nie so geschmerzt — das Implantat ist doch schon jahrelang drin!“

Die Verwunderung ist verständlich. Was jetzt vorliegt, ist eine akute Verschlechterung auf dem Boden einer chronischen Entzündung — die vermutlich seit Monaten bestand, ohne Beschwerden zu machen.

Der springende PunktZiel dieser Sitzung ist die Entlastung, nicht die Sanierung. Die periimplantäre Therapie folgt später — sie steht in der Implantologie.

Was in dieser Sitzung erreicht wird

Maßnahme Inhalt
Drainage Tasche eröffnen, Eiter ablassen, spülen
Suprakonstruktion abnehmen Wenn zugänglich — entlastet mechanisch und verbessert den Zugang
Röntgenkontrolle Ausmaß des Knochenverlusts, Beweglichkeit prüfen
Analgesie Für die Zwischenzeit
Termin für die weitere Behandlung Fest, nicht auf Zuruf

Die Abnahme der Suprakonstruktion wird oft übersehen. Sie entlastet das Implantat mechanisch, verbessert den Zugang zur Tasche und erleichtert die Reinigung — bei einer verschraubten Versorgung ist sie in Minuten erledigt. Bei einer zementierten geht sie nicht, und genau das ist einer der Gründe, warum verschraubte Lösungen bevorzugt werden.

Bei der geplanten Periimplantitistherapie sind adjuvante systemische Antibiotika zurückhaltend zu bewerten — die Leitlinie empfiehlt sie als Ergänzung zur chirurgischen Therapie ausdrücklich nicht. Die Einzelheiten stehen in der Implantologie.

Hier liegt eine andere Situation vor: eine akute Infektion mit systemischer Beteiligung. Erhöhte Temperatur, deutliches Krankheitsgefühl und eine sich ausbreitende Schwellung sind die Kriterien, die auch beim odontogenen Abszess ein Antibiotikum begründen.

Was unverändert gilt: Die Drainage steht davor. Ein Antibiotikum ohne Entlastung erreicht den Eiter nicht — genauso wenig wie beim dentoalveolären Abszess.

Wann sofort explantiert wird

Befund Konsequenz
Implantat beweglich Explantation — die Verankerung ist verloren
Kein tragfähiger Knochen mehr Explantation
Fester Sitz, Knochen vorhanden Erhaltungsversuch möglich — nach der Akutphase
Unklare Lage Erst entlasten, dann nach Abklingen beurteilen

Die Beweglichkeit lässt keine Wahl. Ein bewegliches Implantat mit aktiver Infektion ist eine Infektionsquelle ohne Funktion — jedes Zuwarten kostet nur Knochen, der für eine spätere Versorgung gebraucht wird.

⚠️ Welche Warnzeichen zur Klinik führen

Dieselben wie beim odontogenen Abszess: Kieferklemme, Schluckbeschwerden, veränderte Stimme, Schwellung des Mundbodens, hohes Fieber mit deutlicher Beeinträchtigung. Dazu kommt eine eigene Erwägung: Bei einem Patienten mit eingeschränkter Immunabwehr oder unter antiresorptiver Therapie ist die Schwelle niedriger — bei der antiresorptiven Therapie besteht zusätzlich das Risiko einer Kiefernekrose.

Drei Fragen

Ein Patient stellt sich mit akuter periimplantärer Infektion, Eiter und erhöhter Temperatur vor. Welche Aussage trifft nicht zu?

Die dritte. Ein Antibiotikum ohne Entlastung erreicht den Eiter nicht — genauso wenig wie beim dentoalveolären Abszess.Offene FrageWarum ist die Bewertung hier anders als bei der geplanten Periimplantitistherapie? Dort sind adjuvante Antibiotika zurückhaltend zu bewerten. Hier liegt eine akute Infektion mit systemischer Beteiligung vor — das ist die Situation, die sie begründet.

Was wird in dieser Sitzung erreicht?

Drei. Die periimplantäre Therapie folgt später — und die Entscheidung über den Erhalt fällt nach dem Abklingen der Akutphase, außer bei beweglichem Implantat.Offene FrageWarum wird die Suprakonstruktion abgenommen? Sie entlastet mechanisch, verbessert den Zugang und erleichtert die Reinigung — bei einer verschraubten Versorgung in Minuten erledigt.

Wann wird sofort explantiert?

Drei. Fieber und Eiter begründen die Entlastung und gegebenenfalls das Antibiotikum — nicht automatisch die Explantation.Offene FrageWarum lässt die Beweglichkeit keine Wahl? Weil ein bewegliches Implantat mit aktiver Infektion eine Infektionsquelle ohne Funktion ist. Jedes Zuwarten kostet Knochen für die spätere Versorgung.

Das, was hängenbleiben soll

Erst entlasten, dann das Antibiotikum — und beweglich heißt raus.

Quellen

  • Herrera D, Berglundh T, Schwarz F et al. Prevention and treatment of peri-implant diseases — The EFP S3 level clinical practice guideline. Journal of Clinical Periodontology 2023; 50 (Suppl 26): 4–76 — einschließlich der Bewertung adjuvanter Antibiotika.Deckt ab: Behandlung periimplantärer Erkrankungen und die Bewertung adjuvanter systemischer Antibiotika
  • S3-Leitlinie „Odontogene Infektionen“ sowie die Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie odontogener Abszesse einschließlich der Indikationsstellung für Antibiotika bei systemischer Beteiligung.Deckt ab: Indikationsstellung für Antibiotika bei akuter Infektion mit systemischer Beteiligung und die Warnzeichen einer Ausbreitung
  • S3-Leitlinie „Die Behandlung periimplantärer Infektionen an Zahnimplantaten“, AWMF-Registernummer 083-023, Stand Dezember 2022, federführend DGI und DGZMK.Deckt ab: deutsche Empfehlungen zur Behandlung periimplantärer Infektionen
  • Shenoy VK, Rodrigues SJ, Mukherjee S, Ramanathan A: Dental implant failure and retrieval techniques – a scoping review. Frontiers in Oral Health 2025; 6: 1667808 — Explantationstechniken und ihre Erfolgsraten. DOIDeckt ab: Indikationen zur Explantation und das Defektmanagement

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