Nachblutung nach dem Eingriff
Schritt 1 ·
Was du danach erklären kannst
Der häufigste Anruf im Notdienst — und einer, bei dem die Einschätzung am Telefon schwierig ist, weil die Wahrnehmung des Patienten systematisch täuscht.
„Ich verliere so viel Blut“
Die Aufregung ist typisch und die Menge meist geringer, als sie wirkt. Ein Umstand ändert die Einschätzung allerdings: die Antikoagulation.
Was du am Telefon fragst
| Frage | Was die Antwort verrät |
|---|---|
| Tropft es oder läuft es? | Die tatsächliche Stärke |
| Ist Ihnen schwindelig, sind Sie blass? | Kreislaufrelevanz — das entscheidende Zeichen |
| Nehmen Sie blutverdünnende Medikamente? | Verändert die Einschätzung vollständig |
| Seit wann und wie lange schon? | Anhaltend über Stunden ist etwas anderes als seit zehn Minuten |
Die zweite Frage ist die wichtigste. Schwindel und Blässe sind Zeichen einer kreislaufrelevanten Blutung — und die einzige Angabe, die der Patient zuverlässig machen kann. Die Blutmenge kann er nicht einschätzen, sein Befinden schon.
Der Fehler, der sie zunichtemacht, ist das Zwischendurchnachschauen. Jedes Anheben des Tupfers reißt das beginnende Gerinnsel ab und setzt den Vorgang zurück. Die Uhr ist hier nützlicher als das Auge — und diese Ansage gehört ausdrücklich mit.
Ebenso wichtig: nicht spülen. Spülen löst das Koagel, das sich gerade bildet. Viele Patienten tun genau das, weil der Blutgeschmack unangenehm ist.
Was in der Praxis passiert
| Stufe | Maßnahme |
|---|---|
| 1 | Alveole von Koagelresten befreien, die Blutungsquelle lokalisieren |
| 2 | Naht — oder Nachnähen, wenn die vorhandene locker ist |
| 3 | Resorbierbares Material in die Alveole einlegen |
| 4 | Antifibrinolytische Spülung, anschließend getränkter Tupfer zum Aufbeißen |
| 5 | Kompression unter Beobachtung in der Praxis |
Ein Punkt wird häufig übersehen: der Blutdruck. Eine hypertensive Lage verschlimmert jede Blutung — und bei einem aufgeregten Patienten, der seit Stunden blutet, ist sie wahrscheinlich. Die Messung gehört dazu.
Bei Schwindel oder Blässe, bei einer Blutung, die sich mit lokalen Maßnahmen nicht beherrschen lässt, bei einem sich ausbreitenden Hämatom — und bei einer bekannten Gerinnungsstörung, bei der die lokalen Mittel ausgeschöpft sind. Bei antikoagulierten Patienten steht dafür ein eigenes Vorgehen zur Verfügung; die Einzelheiten stehen in der nächsten Lektion.
Drei Fragen
Eine Patientin ruft abends wegen einer Nachblutung an. Welche Aussage trifft nicht zu?
Was gehört zur telefonischen Einschätzung?
Welcher Punkt wird in der Praxis häufig übersehen?
Das, was hängenbleiben soll
Quellen
- S3-Leitlinie „Zahnärztliche Chirurgie unter oraler Antikoagulation/Thrombozytenaggregationshemmung“, AWMF-Registernummer 083-018 — lokale Blutstillungsmaßnahmen und ihr Stellenwert gegenüber systemischen Eingriffen. AWMFDeckt ab: Verfahren der lokalen Blutstillung und ihre Wirksamkeit
- S3-Leitlinie „Zahnärztliche Chirurgie unter oraler Antikoagulation/Thrombozytenaggregationshemmung“, AWMF-Register-Nr. 083-018, federführend DGZMK und DGMKG — einschließlich der Empfehlung, die Antikoagulation für einfache zahnärztlich-chirurgische Eingriffe nicht zu unterbrechen.Deckt ab: Vorgehen bei Nachblutung unter antithrombotischer Medikation
- Mathers FG: Notfallmedizin in der zahnärztlichen Praxis – Praxisbuch mit Checklisten, Algorithmen, Rechtsgrundlagen. 2., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Deutscher Zahnärzteverlag, Köln. ISBN 978-3-7691-3771-2 — Ausstattung, Organisation und Vorgehen.Deckt ab: telefonische Einschätzung und Vorgehen in der Praxis
- Bürgerliches Gesetzbuch §§ 630c bis 630f — Informations-, Aufklärungs- und Dokumentationspflichten.Deckt ab: Dokumentation des Ereignisses und der eingeleiteten Maßnahmen
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