Intrusion und Extrusion
Schritt 1 ·
Was du danach erklären kannst
Zwei entgegengesetzte Verletzungen — und bei einer davon ist das Vorgehen im Milchgebiss genau umgekehrt zum bleibenden Gebiss.
„Ich sehe ihn kaum noch“
Die Frage der Mutter trifft den entscheidenden Punkt. Bei einem Milchzahn geht es weniger um den Milchzahn selbst als um den Keim darunter.
Warum die Intrusion die schwerste Form ist
Bei der Intrusion wird der Zahn in den Knochen getrieben. Dabei werden zwei Strukturen zugleich verletzt: der Zahnhalteapparat rings um die Wurzel und das Gefäß-Nerven-Bündel an der Wurzelspitze. Deshalb ist sie die Luxationsform mit der schlechtesten Prognose.
| Bleibender Zahn | Milchzahn | |
|---|---|---|
| Grundsatz | Reposition, je nach Ausmaß spontan oder aktiv | Abwarten |
| Wovon abhängig | Wurzelwachstum und Ausmaß der Intrusion | Richtung der Verlagerung |
| Warum | Junge Zähne können spontan wieder durchbrechen | Der Keim darunter darf nicht gefährdet werden |
| Endodontie | Bei abgeschlossenem Wurzelwachstum häufig nötig | Nur bei Nekrosezeichen |
Bei abgeschlossenem Wurzelwachstum ist das nicht zu erwarten. Dann wird aktiv reponiert — chirurgisch oder kieferorthopädisch, je nach Ausmaß.
Die zweite Größe ist das Ausmaß: Eine geringe Intrusion hat bessere Aussichten als eine tiefe. Die konkreten Grenzen und Zeiträume stehen in den Traumaleitlinien.
Warum beim Milchzahn abgewartet wird
Unter dem intrudierten Milchzahn liegt der Keim des Nachfolgers. Ein Repositionsversuch bewegt die Milchzahnwurzel — und wenn sie in Richtung des Keims verlagert ist, direkt gegen ihn.
Deshalb wird zuerst geklärt, wohin die Wurzel zeigt. Eine Aufnahme zeigt, ob sie zum Keim hin oder von ihm weg verlagert ist — und das bestimmt sowohl das Risiko als auch die Entscheidung über eine Entfernung.
| Richtung der Wurzel | Bedeutung |
|---|---|
| Vom Keim weg, nach labial | Günstiger — abwarten ist meist möglich |
| Zum Keim hin | Höheres Risiko — die Entfernung wird erwogen |
Dass der Milchzahn in vielen Fällen von selbst wieder durchbricht — und dass der Nachfolger geschädigt sein kann, unabhängig davon, was jetzt gemacht wird. Mögliche Folgen sind Verfärbungen des Schmelzes, Formveränderungen oder ein gestörter Durchbruch.
Diese Aufklärung gehört an den Anfang und in die Dokumentation. Eltern, die Jahre später einen fleckigen bleibenden Zahn sehen, erinnern sich an den Sturz — und sie sollten sich auch daran erinnern, dass darüber gesprochen wurde.
Kontrolliert wird der Durchbruchsstand und, wenn er erscheint, der Zustand des Zahns. Ein verzögerter oder ausbleibender Durchbruch ist ein eigener Befund und gehört kieferorthopädisch beurteilt.
Drei Fragen
Ein Milchzahn ist bei einem Fünfjährigen in die Alveole eingetrieben. Welche Aussage trifft nicht zu?
Warum ist die Intrusion die schwerste Luxationsform?
Was gehört in die Aufklärung der Eltern?
Das, was hängenbleiben soll
Quellen
- Bourguignon C, Cohenca N, Lauridsen E et al. International Association of Dental Traumatology guidelines for the management of traumatic dental injuries: 1. Fractures and luxations. Dental Traumatology 2020; 36: 314–330.Deckt ab: Vorgehen bei Intrusion und Extrusion bleibender Zähne, Abhängigkeit vom Wurzelwachstum und die Schienungsdauer
- Day PF, Flores MT, O’Connell AC et al. International Association of Dental Traumatology guidelines for the management of traumatic dental injuries: 3. Injuries in the primary dentition. Dental Traumatology 2020; 36: 343–359.Deckt ab: Vorgehen bei Intrusion im Milchgebiss und die Beurteilung der Keimlage
- S2k-Leitlinie „Therapie des dentalen Traumas bleibender Zähne“, AWMF-Register-Nr. 083-004, Stand 10/2022. Federführend DGZMK und DGMKG.Deckt ab: deutsche Empfehlungen zur Therapie
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