Notfälle Vertiefung 7 Min

Reanimation

Schritt 1 ·

Was du danach erklären kannst

Die Leitlinien wurden im Oktober 2025 aktualisiert — mit einer Änderung, die genau die Situation in der Zahnarztpraxis betrifft.

1Wie du den Kreislaufstillstand erkennstEin Atemmuster wird regelmäßig fehlgedeutet.
2Was sich 2025 geändert hatVor allem eines betrifft den Behandlungsstuhl.
3Wie gedrückt und beatmet wirdDie Zahlen und der Grund dahinter.
4Was das Team machtDrei Rollen, klar verteilt.
7 MinutenVertiefung3 Selbstcheck-Fragen3 Quellen

„Er atmet komisch“

Im Behandlungsstuhl69 Jahre. Plötzlich keine Reaktion mehr. Die Atmung ist unregelmäßig und schnappend, ein Puls ist nicht sicher tastbar. „Er reagiert nicht und atmet komisch — was machen wir jetzt?“

Diese Atmung ist kein Lebenszeichen. Sie ist eines der häufigsten Missverständnisse überhaupt — und der Grund, warum Wiederbelebungen zu spät beginnen.

Der springende PunktKeine Reaktion und keine normale Atmung heißt Kreislaufstillstand. Schnappatmung ist keine normale Atmung — sie ist ein Zeichen dafür, dass sofort begonnen wird.

Die drei Schritte

Schritt Inhalt
1 · Reaktion prüfen Ansprechen und an den Schultern rütteln
2 · Notruf Sofort, wenn keine Reaktion kommt — nicht erst nach der Atemkontrolle
3 · Atmung beurteilen Nicht normal oder fehlend heißt: sofort beginnen

Die aktualisierten Leitlinien betonen die frühe Alarmierung ausdrücklich — und binden die Leitstelle früher ein als bisher. Sie kann telefonisch durch die Wiederbelebung führen, und deshalb wird das Telefon auf Lautsprecher gestellt und nicht aufgelegt.

Sie sieht aus wie Atmung: Der Mund öffnet sich, der Brustkorb bewegt sich. Tatsächlich ist sie eine reflexartige Restaktivität und transportiert praktisch keine Luft.

Wer sie als Lebenszeichen wertet, wartet ab — und in dieser Zeit passiert nichts. Die aktualisierten Leitlinien heben deshalb ausdrücklich hervor, dass Schnappatmung nicht als Lebenszeichen fehlgedeutet werden darf.

Die praktische Regel: Keine Reaktion plus keine normale Atmung genügt. Nach dem Puls wird nicht lange gesucht — auch geübte Helfer liegen dabei häufig falsch, und die Zeit fehlt anschließend.

Was sich für die Zahnarztpraxis geändert hat

Die frühere Empfehlung lautete, den Patienten zur Wiederbelebung auf den Boden zu legen — eine feste Unterlage macht die Kompressionen wirksamer. Die aktualisierten Leitlinien raten davon ab, den Patienten dafür umzulagern.

Alt Aktualisiert
Patienten auf den Boden legen Nicht umlagern — dort beginnen, wo er liegt
Auf weicher Unterlage entsprechend tiefer drücken

Für die Zahnarztpraxis ist das unmittelbar relevant. Der Behandlungsstuhl ist gepolstert, und ihn zu verlassen kostet Zeit, Personal und birgt Verletzungsgefahr für alle Beteiligten. Die Konsequenz: Stuhl flach stellen, dort beginnen — und den Polstereffekt durch tieferes Drücken ausgleichen.

Kompressionen: Handballen auf die untere Hälfte des Brustbeins, zweite Hand darüber, Finger verschränkt, Arme gestreckt, Schultern senkrecht darüber. Mindestens fünf und nicht mehr als sechs Zentimeter tief, mit einer Frequenz von 100 bis 120 pro Minute. Nach jeder Kompression den Brustkorb vollständig zurückfedern lassen — nicht auflehnen.

Beatmung: Wer darin geschult ist, wechselt zwischen 30 Kompressionen und 2 Beatmungen. Beatmet wird nur mit so viel Luft, dass sich der Brustkorb hebt — eine übermäßige Beatmung ist schädlich. Gelingen zwei Beatmungsversuche nicht, ist an eine Fremdkörperverlegung zu denken.

Wer nicht in Beatmung geschult ist, führt ausschließlich ununterbrochene Herzdruckmassage durch. Das ist ausdrücklich vorgesehen und besser als eine unterbrochene Wiederbelebung.

Was das Team macht

Rolle Aufgabe
Person 1 Kompressionen, ohne Unterbrechung
Person 2 Notruf auf Lautsprecher, Defibrillator holen, anschließend Wechsel
Person 3 Tür öffnen, Rettungsdienst einweisen, Weg freimachen

Der Wechsel etwa alle zwei Minuten ist kein Zeichen von Schwäche, sondern Teil des Vorgehens: Die Kompressionstiefe lässt bei Erschöpfung messbar nach, lange bevor man es selbst merkt. Der Wechsel erfolgt zügig, mit minimaler Unterbrechung.

⚠️ Wann aufgehört wird

Wenn der Rettungsdienst übernimmt, wenn der Patient sichere Lebenszeichen zeigt — er bewegt sich, öffnet die Augen, atmet normal — oder wenn die eigene Erschöpfung eine wirksame Fortführung unmöglich macht. Ein Puls, der zwischendurch gesucht und nicht gefunden wird, ist kein Grund aufzuhören.

Drei Fragen

Ein Patient reagiert nicht mehr und zeigt eine schnappende Atmung. Welche Aussage trifft nicht zu?

Die dritte. Sie ist eine reflexartige Restaktivität und transportiert praktisch keine Luft — die aktualisierten Leitlinien heben ausdrücklich hervor, dass sie nicht als Lebenszeichen fehlgedeutet werden darf.Offene FrageWarum wird sie so oft fehlgedeutet? Weil sie wie Atmung aussieht: Der Mund öffnet sich, der Brustkorb bewegt sich. Wer abwartet, verliert die entscheidenden Minuten.

Was gilt nach den aktualisierten Leitlinien für die Unterlage?

Drei. Das Umlagern kostet Zeit und Personal und birgt Verletzungsgefahr — in der Zahnarztpraxis heißt das: Stuhl flach stellen und dort beginnen.Offene FrageWarum wurde das geändert? Weil die Unterbrechung durch das Umlagern schwerer wiegt als der Nachteil der weichen Unterlage — der sich durch tieferes Drücken ausgleichen lässt.

Was gilt für Helfende, die nicht in Beatmung geschult sind?

Die erste. Das ist ausdrücklich vorgesehen — und besser als eine unterbrochene Wiederbelebung.Offene FrageUnd wer geschult ist? Der wechselt zwischen 30 Kompressionen und 2 Beatmungen — mit nur so viel Luft, dass sich der Brustkorb hebt. Übermäßige Beatmung ist schädlich.

Das, was hängenbleiben soll

Keine Reaktion, keine normale Atmung — sofort beginnen, im Stuhl, und tiefer drücken.

Quellen

  • European Resuscitation Council Guidelines 2025 — Adult Basic Life Support, Resuscitation 2025; 215: 110771, veröffentlicht im Oktober 2025, deutsche Übersetzung durch den Deutschen Rat für Wiederbelebung (GRC).Deckt ab: Erkennen des Kreislaufstillstands, Alarmierung, Herzdruckmassage, Beatmung, Einsatz des Defibrillators sowie die Empfehlungen zur Unterlage und zur telefonassistierten Reanimation
  • European Resuscitation Council Guidelines 2025 — Adult Advanced Life Support, Resuscitation 2025; 215: 110769, sowie die Kurzfassung der ERC-Leitlinien 2025 in deutscher Übersetzung.Deckt ab: erweiterte Maßnahmen und die Einordnung der Basismaßnahmen in den Gesamtablauf
  • Mathers FG: Notfallmedizin in der zahnärztlichen Praxis – Praxisbuch mit Checklisten, Algorithmen, Rechtsgrundlagen. 2., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Deutscher Zahnärzteverlag, Köln. ISBN 978-3-7691-3771-2 — Ausstattung, Organisation und Vorgehen.Deckt ab: Vorgehen und Teamorganisation in der zahnärztlichen Praxis

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