Notfälle Vertiefung 6 Min

Der Asthmaanfall

Schritt 1 ·

Was du danach erklären kannst

Ein Notfall mit klarer Behandlung — und einem Warnzeichen, das genau umgekehrt aussieht, als man erwartet.

1Was sofort passiertPosition und Medikament, in dieser Reihenfolge.
2Welches Zeichen den schweren Anfall kennzeichnetDie Stille.
3Welche Auslöser in der Praxis liegenVier, und einer betrifft die Schmerzmittel.
4Was du bei der Anamnese fragstEine Frage verhindert einen ganzen Notfall.
6 MinutenVertiefung3 Selbstcheck-Fragen4 Quellen

„Mein… Spray… Tasche…“

Während der Behandlung34 Jahre, bekanntes Asthma. Plötzlich pfeifende Ausatmung, Atemnot, er richtet sich auf und greift nach seiner Tasche. „Mein… Spray… Tasche…“

Er weiß, was er braucht. Was er nicht kann, ist es sich holen — und beides zusammen ist der ganze erste Schritt.

Der springende PunktDass der Patient sich aufrichtet, ist kein Unruhezeichen, sondern die richtige Position. Wer ihn zurücklegt, verschlechtert seine Atmung.

Was sofort passiert

Schritt Inhalt
Behandlung stoppen Instrumente aus dem Mund
Aufrecht sitzen lassen Vorgebeugt, Arme aufgestützt
Bronchodilatator Eigenes Spray oder aus dem Notfallkoffer, inhalativ
Auslöser entfernen Was in der Praxis liegen könnte
Beruhigen Angst verstärkt die Atemnot
Sauerstoff Bei anhaltender Atemnot

Warum die aufrechte, vorgebeugte Position hilft: Mit aufgestützten Armen kann die Atemhilfsmuskulatur des Schultergürtels arbeiten. Im Liegen fällt diese Unterstützung weg, und das Zwerchfell arbeitet gegen den Bauchinhalt.

  • Stress und Angst — der häufigste
  • Latex bei entsprechender Sensibilisierung
  • Aerosole, Sprays und Duftstoffe — auch Desinfektionsmittel
  • Nichtsteroidale Antirheumatika bei Analgetika-Intoleranz

Der letzte Punkt ist der, den man selbst auslöst. Ein Teil der Asthmapatienten reagiert auf Acetylsalicylsäure und verwandte Schmerzmittel mit einer Verschlechterung — bei diesen Patienten sind sie zu vermeiden, auch als Analgesie nach dem Eingriff.

Das Zeichen, das umgekehrt aussieht

Beim Asthmaanfall hört man ein pfeifendes Geräusch beim Ausatmen. Es entsteht, weil Luft durch verengte Bronchien strömt. Hört dieses Geräusch auf, ohne dass es dem Patienten besser geht, ist das ein Alarmzeichen — dann strömt so wenig Luft, dass kein Geräusch mehr entsteht.

Zeichen des schweren Anfalls Bedeutung
Nachlassendes Atemgeräusch ohne Besserung Der Luftstrom versiegt
Blaufärbung von Lippen oder Fingern Sauerstoffmangel
Zunehmende Erschöpfung Die Atemmuskulatur ermüdet
Bewusstseinstrübung Fortgeschrittener Sauerstoffmangel
Kein Ansprechen auf wiederholte Inhalation Die Behandlung greift nicht
⚠️ Was du bei der Anamnese fragst

Ob eine Unverträglichkeit gegen Schmerzmittel besteht. Diese eine Frage verhindert einen Notfall, den man sonst selbst auslöst — durch ein Analgetikum nach der Behandlung. Bei bekannter Intoleranz wird auf entsprechende Alternativen ausgewichen. Und: Ob der Patient sein Notfallspray dabei hat. Wenn nicht, gehört das vor die Behandlung, nicht danach.

Drei Fragen

Ein Patient mit bekanntem Asthma entwickelt während der Behandlung Atemnot mit pfeifender Ausatmung. Welche Aussage trifft nicht zu?

Die dritte. Im Liegen fällt die Unterstützung durch die Atemhilfsmuskulatur weg, und das Zwerchfell arbeitet gegen den Bauchinhalt.Offene FrageWarum richtet sich der Patient von selbst auf? Weil es hilft. Das Aufrichten ist kein Unruhezeichen, sondern die richtige Reaktion — sie gehört unterstützt, nicht korrigiert.

Welche Zeichen sprechen für einen schweren Anfall?

Drei. Das laute Pfeifen bedeutet, dass noch Luft strömt — und die aufrechte Position ist die richtige Reaktion des Patienten.Offene FrageWarum ist die Stille gefährlich? Weil das Geräusch entsteht, wenn Luft durch verengte Bronchien strömt. Hört es auf, ohne dass es besser geht, strömt kaum noch Luft.

Welche Frage in der Anamnese verhindert einen selbst ausgelösten Notfall?

Die erste. Ein Teil der Asthmapatienten reagiert auf Acetylsalicylsäure und verwandte Schmerzmittel mit einer Verschlechterung — und die Analgesie nach dem Eingriff ist der klassische Auslöser.Offene FrageWas fragt man noch? Ob das Notfallspray dabei ist. Wenn nicht, gehört das geklärt, bevor behandelt wird — nicht danach.

Das, was hängenbleiben soll

Aufrecht lassen, inhalieren lassen — und wenn es still wird, ist es schlimmer geworden.

Quellen

  • Global Initiative for Asthma: Global Strategy for Asthma Management and Prevention, Fassung 2026, aktualisiert im Mai 2026, sowie die Nationale VersorgungsLeitlinie Asthma, AWMF-Registernummer nvl-002, 4. Auflage 2020 — Stufenschema, Notfallmedikation und Abgrenzung des akuten Asthmaanfalls. VolltextDeckt ab: Erkennung des Asthmaanfalls, Schweregradbeurteilung und die Behandlung mit kurzwirksamen Bronchodilatatoren und systemischen Glukokortikoiden
  • Kowalski ML, Agache I, Bavbek S et al.: Diagnosis and management of NSAID-Exacerbated Respiratory Disease (N-ERD) – a EAACI position paper. Allergy 2019; 74(1): 28–39 — Häufigkeit bei Asthmatikern und Konsequenzen für die Analgetikaauswahl. DOIDeckt ab: Häufigkeit der Analgetika-Intoleranz bei Asthmapatienten und die Wahl alternativer Analgetika
  • Fachinformation des jeweils vorgehaltenen Präparats zu kurzwirksames Beta-2-Sympathomimetikum und Sauerstoff — maßgebliche Angaben zu Indikation, Dosierung und Kontraindikationen.Deckt ab: Angaben zu den eingesetzten Präparaten
  • Mathers FG: Notfallmedizin in der zahnärztlichen Praxis – Praxisbuch mit Checklisten, Algorithmen, Rechtsgrundlagen. 2., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Deutscher Zahnärzteverlag, Köln. ISBN 978-3-7691-3771-2 — Ausstattung, Organisation und Vorgehen.Deckt ab: Auslöser und Vorgehen in der zahnärztlichen Praxis

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