Der epileptische Anfall
Schritt 1 ·
Was du danach erklären kannst
Ein Notfall, bei dem das Wichtigste ist, was man nicht tut — und bei dem eine einzige Zahl über den Notruf entscheidet.
„Soll ich ihr etwas zwischen die Zähne stecken?“
Nein. Das ist die verbreitetste und eine der schädlichsten Vorstellungen zu diesem Notfall. Was jetzt zählt, ist das Instrument — und die Uhr.
Was während des Anfalls zu tun ist
| Tun | Nicht tun |
|---|---|
| Instrumente sofort aus dem Mund | Etwas zwischen die Zähne schieben |
| Stuhl flach stellen | Den Patienten festhalten |
| Kopf polstern und schützen | Die Zuckungen unterdrücken wollen |
| Umgebung räumen | Den Patienten allein lassen |
| Auf die Uhr sehen | Sofort Medikamente geben |
Das Wichtigste in diesem Fall ist das Instrument. Ein Spiegel oder Sauger im Mund einer krampfenden Patientin ist eine Verletzungsquelle — er wird als Erstes entfernt, noch vor allem anderen.
Unter dem Eindruck des Geschehens wird die Dauer erheblich überschätzt. Deshalb: beim Beginn auf die Uhr sehen. Das ist die einzige verlässliche Grundlage für die Entscheidung.
Wann der Notruf abgesetzt wird
| Situation | Notruf |
|---|---|
| Anfall dauert deutlich länger als üblich an | ja |
| Erster Anfall überhaupt | ja |
| Kein Wiedererlangen des Bewusstseins | ja |
| Zweiter Anfall ohne dazwischenliegende Erholung | ja |
| Verletzung, Schwangerschaft, unklare Umstände | ja |
| Bekannte Epilepsie, typischer Verlauf, rasches Ende | meist nicht erforderlich |
Die postiktale Phase — Verwirrtheit, Müdigkeit, Desorientierung, manchmal über längere Zeit. Das ist kein Zeichen einer Komplikation, sondern gehört dazu. Die Patientin wird in stabile Seitenlage gebracht, beobachtet und nicht allein gelassen. Ansprechen, orientieren, Ruhe geben — und sie fährt an diesem Tag nicht selbst.
Der Zeitpunkt richtet sich nach der Dauer: Bei einem Anfall, der von selbst endet, wird nicht behandelt. Die konkreten Angaben stehen in der Fachinformation und auf der Übersicht im Notfallkoffer. Nach der Gabe wird die Atmung besonders aufmerksam überwacht — Benzodiazepine können sie dämpfen.
Drei Fragen
Eine Patientin mit bekannter Epilepsie krampft im Behandlungsstuhl. Welche Aussage trifft nicht zu?
Wann wird der Notruf abgesetzt?
Was gilt für die postiktale Phase?
Das, was hängenbleiben soll
Quellen
- S1-Leitlinie „Erster epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenenalter“ sowie die Leitlinien zum Status epilepticus, federführend Deutsche Gesellschaft für Neurologie.Deckt ab: Vorgehen beim generalisierten Anfall, Kriterien für den Status epilepticus und die Indikation zur notfallmedizinischen Versorgung
- European Resuscitation Council Guidelines 2025, veröffentlicht im Oktober 2025, deutsche Übersetzung durch den Deutschen Rat für Wiederbelebung — einschließlich der Kapitel zu Basismaßnahmen und zum Vorgehen bei Bewusstlosigkeit.Deckt ab: Lagerung und Atemwegssicherung in der postiktalen Phase
- Bürgerliches Gesetzbuch §§ 630c bis 630f — Informations-, Aufklärungs- und Dokumentationspflichten.Deckt ab: Dokumentation des Ereignisses und Information des Patienten über die Folgen
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