Kieferorthopädie Vertiefung 6 Min

Der erwachsene Patient möchte eine Behandlung

Schritt 1 ·

Was du danach erklären kannst

„Bin ich zu alt dafür?“ — die Antwort ist nein, aber sie braucht drei Einschränkungen. Und eine davon prüfst du, bevor überhaupt überwiesen wird.

1Was ohne Wachstum noch gehtMehr, als viele denken — und eines nicht mehr.
2Was du vor der Überweisung prüfstEin Befund, der die Behandlung verhindern kann.
3Warum es länger dauertDer Knochenumbau folgt anderen Regeln.
4Was zur Kostenfrage zu sagen istAb achtzehn gilt eine andere Regel.
6 MinutenVertiefung3 Selbstcheck-Fragen4 Quellen

„Bin ich jetzt zu alt dafür?“

Recall34 Jahre, leichter Engstand, teils Rezidiv nach einer Behandlung in der Kindheit. „Ich wollte das schon immer korrigieren lassen. Bin ich jetzt zu alt dafür?“

Nein. Zahnbewegung funktioniert in jedem Alter — was nicht mehr funktioniert, ist die Beeinflussung der Kieferbasen.

Der springende PunktDentale Bewegungen sind uneingeschränkt möglich. Skelettale Korrekturen sind es nach Wachstumsabschluss nicht mehr — dort bleibt die chirurgische Option.

Was noch geht und was nicht

Möglich Nicht mehr möglich
Kippungen und Rotationen Beeinflussung der Kieferrelation
Lückenschluss und Lückenöffnung Wachstumslenkende Maßnahmen
Aufrichtung gekippter Zähne Erweiterung über die Gaumennaht
Korrektur von Engständen

Warum es länger dauert: Der Knochenumbau verläuft beim Erwachsenen langsamer. Dieselbe Bewegung braucht mehr Zeit — das gehört in die Aufklärung, weil Erwachsene mit konkreten Vorstellungen zur Dauer kommen.

Den parodontalen Befund. Bei einem Erwachsenen ist eine parodontale Vorgeschichte wahrscheinlicher als bei einem Jugendlichen, und Zahnbewegung auf entzündetem Parodont beschleunigt den Attachmentverlust.

Das ist ein Befund, den du erhebst und der die kieferorthopädische Praxis nicht kennt. Ist er auffällig, gehört die parodontale Behandlung vor die kieferorthopädische — die Einzelheiten stehen in der Lektion zu Parodontitis und kieferorthopädischer Behandlung.

Vorhandene Restaurationen: Kronen und Brücken lassen sich nicht wie natürliche Zähne bewegen, und Brackets haften auf Keramik anders als auf Schmelz. Bei umfangreicher prothetischer Versorgung wird die Planung komplexer — das gehört in die Überweisung.

Was zur Kostenfrage zu sagen ist

Ab dem achtzehnten Lebensjahr besteht grundsätzlich kein Anspruch mehr auf kieferorthopädische Behandlung zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung. Ausnahmen gelten für schwere Anomalien, bei denen eine kombinierte kieferorthopädisch-chirurgische Behandlung erforderlich ist.

⚠️ Was du sagst und was nicht

Dass die Behandlung im Erwachsenenalter in aller Regel privat zu tragen ist, und dass es eine Ausnahme für schwere Fälle gibt. Keine Zahlen — die Kosten hängen vom Verfahren, vom Umfang und von der Praxis ab, und eine genannte Spanne wird als Zusage verstanden.

Drei Fragen

Eine 34-Jährige fragt nach einer kieferorthopädischen Behandlung. Welche Aussage trifft nicht zu?

Die dritte. Ohne Wachstum lässt sich die Kieferrelation nicht mehr beeinflussen — dort bleibt die chirurgische Option oder die dentale Kompensation.Offene FrageWas heißt dentale Kompensation? Die Zähne werden so eingestellt, dass sie die skelettale Abweichung ausgleichen. Das Ergebnis ist funktionell brauchbar, verändert die Kieferlage aber nicht.

Was gehört bei einem erwachsenen Patienten vor die Überweisung?

Drei. Dauer und Verfahren entscheidet die kieferorthopädische Praxis nach ihrer Diagnostik — eine Vorfestlegung erzeugt Erwartungen, die dort korrigiert werden müssen.Offene FrageWarum ist der parodontale Befund so wichtig? Weil ihn die kieferorthopädische Praxis nicht erhebt und weil Zahnbewegung auf entzündetem Parodont den Attachmentverlust beschleunigt. Das ist genau dein Beitrag.

Wie beantwortest du die Kostenfrage?

Die erste. Eine genannte Spanne wird als Zusage verstanden, und die Kosten hängen vom Verfahren und vom Umfang ab. Die Frage ganz auszusparen lässt die Patientin ohne Orientierung.Offene FrageWarum kann die Krankenkasse es nicht beantworten? Weil sie den Befund nicht kennt. Sie prüft einen eingereichten Plan — und der setzt die Untersuchung bereits voraus.

Das, was hängenbleiben soll

Zähne bewegen sich in jedem Alter — Kiefer nicht mehr.

Quellen

  • S3-Leitlinie „Ideale Behandlungszeitpunkte kieferorthopädischer Anomalien“, AWMF-Register-Nr. 083-038, Stand Dezember 2021, gültig bis Dezember 2026. Federführend Deutsche Gesellschaft für Kieferorthopädie und DGZMK.Deckt ab: Wegfall wachstumsbeeinflussender Maßnahmen nach Wachstumsabschluss und die verbleibenden Behandlungsmöglichkeiten
  • Sanz M, Herrera D, Kebschull M et al. Treatment of stage I–III periodontitis — The EFP S3-level clinical practice guideline. Journal of Clinical Periodontology 2020; 47 (Suppl 22): 4–60.Deckt ab: parodontale Voraussetzungen vor Beginn einer kieferorthopädischen Behandlung
  • Papageorgiou SN, Koletsi D, Iliadi A, Peltomäki T, Eliades T: Treatment outcome with orthodontic aligners and fixed appliances – a systematic review with meta-analyses. European Journal of Orthodontics 2020; 42(3): 331–343 — erreichbare Zahnbewegungen, Behandlungsdauer und Grenzen beider Verfahren. DOIDeckt ab: erreichbare Bewegungen und Grenzen der Verfahren beim Erwachsenen
  • Richtlinien des Bundesausschusses der Zahnärzte und Krankenkassen für die kieferorthopädische Behandlung, in der Fassung vom 4. Juni 2003 und 24. September 2003, in Kraft getreten am 1. Januar 2004 einschließlich der Altersgrenze für die Leistungspflicht und der Ausnahmen bei schweren Anomalien.Deckt ab: Altersgrenze der Leistungspflicht und die Ausnahmen

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