KFO und Karies
Schritt 1 ·
Was du danach erklären kannst
Der Patient kommt zum Recall zu dir, die Brackets hat jemand anders geklebt. Was du dort siehst, sieht sonst niemand — und in einem Stadium ist der Befund noch umkehrbar.
„Der Kieferorthopäde hat nichts gesagt“
Häufig ja — normal im Sinne von hinnehmbar nicht. Und der Zeitpunkt ist günstig: In diesem Stadium lässt sich der Befund noch umkehren.
Warum die Entkalkungen entstehen
Zwei Ursachen wirken zusammen. Die Apparatur schafft Retentionsstellen, die mit einer normalen Bürste nicht erreichbar sind — rund um die Bracketbasis und unter dem Bogen. Und das Alter der typischen Patientengruppe bringt mit sich, dass die Reinigung ohnehin nicht immer gründlich ausfällt.
Beides zusammen erklärt, warum diese Befunde so häufig sind — und warum sie an ganz bestimmten Stellen auftreten: am Übergang von der Bracketbasis zur Schmelzoberfläche, bevorzugt gingival.
| Stadium | Befund | Was möglich ist |
|---|---|---|
| Initial | Weißliche Entkalkung, glatte Oberfläche | Reversibel — Remineralisation möglich |
| Fortgeschritten | Raue Oberfläche, Substanzverlust beginnt | Progression stoppen, Narbe bleibt |
| Kavitiert | Defekt | Restaurative Versorgung nötig |
- Intensivierte Fluoridierung — professionell und häuslich
- Korrektur der Putztechnik, gezielt an den kritischen Stellen
- Hilfsmittel, die unter den Bogen gelangen
- Verkürztes Recallintervall für die Dauer der Behandlung
Entscheidend ist die Geschwindigkeit. Der Befund entwickelt sich weiter, solange die Ursache besteht — und die besteht bis zum Ende der kieferorthopädischen Behandlung.
Wie die Verantwortung verteilt ist
| Situation | Was zu tun ist |
|---|---|
| Entkalkung erkannt | Sofort behandeln, Befund dokumentieren, KFO-Praxis informieren |
| Kavitation unter einem Bracket | Nicht abwarten — Abstimmung über die Entfernung des Brackets |
| Hygiene bleibt unzureichend | Wiederholt aufklären und dokumentieren |
| Befund schreitet trotz Maßnahmen fort | Mit der KFO-Praxis besprechen, ob die Behandlung angepasst wird |
Wenn nach Abschluss der kieferorthopädischen Behandlung sichtbare Entkalkungen zurückbleiben, steht die Frage im Raum, wer sie hätte verhindern können. Die Antwort hängt daran, ob aufgeklärt und behandelt wurde — und das lässt sich nur zeigen, wenn es festgehalten ist. Ein Vermerk pro Recall genügt.
Drei Fragen
Bei einem 13-Jährigen zeigen sich nach acht Monaten festsitzender Behandlung weißliche Entkalkungen um mehrere Brackets. Welche Aussage trifft nicht zu?
Welche Aussagen treffen zu?
Warum ist die Dokumentation bei diesem Befund besonders wichtig?
Das, was hängenbleiben soll
Quellen
- Benson PE, Parkin N, Dyer F, Millett DT, Germain P: Fluorides for preventing early tooth decay (demineralised lesions) during fixed brace treatment. Cochrane Database of Systematic Reviews 2019; Issue 11: CD003809 — Häufigkeit, Risikofaktoren und Wirksamkeit fluoridhaltiger Maßnahmen. DOIDeckt ab: Häufigkeit und Risikofaktoren von Entkalkungen unter festsitzenden Apparaturen sowie die Wirksamkeit fluoridhaltiger Maßnahmen
- S3-Leitlinie „Ideale Behandlungszeitpunkte kieferorthopädischer Anomalien“, AWMF-Register-Nr. 083-038, Stand Dezember 2021, gültig bis Dezember 2026. Federführend Deutsche Gesellschaft für Kieferorthopädie und DGZMK.Deckt ab: Einordnung der kieferorthopädischen Behandlung und ihrer Voraussetzungen
- Bürgerliches Gesetzbuch §§ 630c bis 630f — Informations-, Aufklärungs- und Dokumentationspflichten.Deckt ab: Aufklärungs- und Dokumentationspflicht bei erkennbarem Risiko und eingetretenem Befund
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