Kieferorthopädie Vertiefung 6 Min

Aktivator und Bionator

Schritt 1 ·

Was du danach erklären kannst

Der Patient kommt zur Kontrolle zu dir, das Gerät hat der Kieferorthopäde eingegliedert. Bei einer Druckstelle kannst du helfen — bei einer anderen Ursache wäre dasselbe Vorgehen ein Fehler.

1Was du bei der Kontrolle prüfstVier Punkte, einer davon verrät die Mitarbeit.
2Wie du eine Druckstelle behandelstWenig schleifen, viel prüfen.
3Wann Nichtpassen kein Anpassungsproblem istDer häufigere Grund liegt woanders.
4Warum du die behandelnde Praxis informierstDu veränderst ihre Apparatur.
6 MinutenVertiefung3 Selbstcheck-Fragen4 Quellen

„Er kann das Gerät kaum drin behalten“

Kontrolle12 Jahre, funktionskieferorthopädisches Gerät seit einigen Wochen. An der Unterkieferkante zeigt sich eine gerötete Stelle, das Gerät wird kaum getragen. „Er hat hier eine rote Stelle und kann das Gerät kaum drin behalten.“

Zwei Beobachtungen, die zusammengehören können — oder auch nicht. Die Reihenfolge der Prüfung entscheidet.

Der springende PunktEin Gerät, das nicht mehr passt, hat zwei mögliche Ursachen: eine Druckstelle — oder eine Zahnbewegung, weil es lange nicht getragen wurde. Die zweite ist häufiger.

Was du bei der Kontrolle prüfst

Punkt Worauf du achtest
Passform Sitzt das Gerät spannungsfrei, ohne zu wackeln
Schleimhaut Rötungen und Druckstellen, besonders an den Rändern
Zähne und Hygiene Entkalkungen unter den Auflageflächen
Zustand des Geräts Abnutzung, Belag, Zahnabdrücke im Kunststoff

Der vierte Punkt verrät die Mitarbeit. Ein Gerät, das regelmäßig getragen wird, zeigt Gebrauchsspuren — Abnutzung an den Auflageflächen, Zahnabdrücke im Kunststoff. Ein Gerät, das wie neu aussieht, wurde vermutlich nicht getragen. Das ist keine Anklage, sondern ein Befund, den man ansprechen kann.

Sparsam schleifen — genau an der Stelle, die drückt, und nicht mehr. Jede großzügige Korrektur verändert die Passform und damit die Wirkung. Anschließend glätten und polieren, damit keine raue Fläche zurückbleibt.

Die Läsion selbst wird symptomatisch behandelt. Eine kurze Reduktion der Tragezeit bis zur Abheilung ist vertretbar — sie gehört aber besprochen, damit daraus keine dauerhafte Gewohnheit wird.

Dann ist Schleifen der falsche Weg. Wurde ein Gerät über längere Zeit nicht getragen, haben sich die Zähne bewegt — und das Gerät passt nicht mehr, weil der Mund sich verändert hat, nicht weil das Gerät falsch ist. In dieser Situation gehört der Patient zurück in die behandelnde Praxis; dort wird entschieden, ob eine Anpassung reicht oder ein neues Gerät nötig ist. Wer stattdessen so lange schleift, bis es passt, entwertet die Apparatur.

Was du mitteilst

Anlass Inhalt der Mitteilung
Druckstelle geschliffen Wo und wie viel — die Passform ist verändert
Tragezeit vorübergehend reduziert Für welchen Zeitraum
Verdacht auf unzureichende Mitarbeit Sachlich beschreiben, nicht bewerten
Gerät passt nicht mehr Patient zurückverwiesen, mit Befund
⚠️ Warum die Mitteilung nicht optional ist

Die behandelnde Praxis plant auf Grundlage der Apparatur, die sie eingegliedert hat. Eine geschliffene Fläche verändert die Konstruktion — wer davon nichts weiß, sucht beim nächsten Termin nach einer Erklärung für ein verändertes Verhalten des Geräts. Ein Satz genügt.

Drei Fragen

Ein zwölfjähriger Patient hat eine Druckstelle und trägt das Gerät kaum. Welche Aussage trifft nicht zu?

Die dritte. Jede großzügige Korrektur verändert die Passform und damit die Wirkung — im Extremfall bleibt ein Gerät, das bequem sitzt und nichts mehr bewirkt.Offene FrageWoran erkennt man, ob man zu viel geschliffen hat? An der Passform: Sitzt das Gerät danach lose oder lässt es sich in mehrere Positionen einsetzen, ist die Konstruktion verändert. Dann gehört es geprüft.

Welcher Befund verrät die Mitarbeit?

Die erste. Ein Gerät, das wie neu aussieht, wurde vermutlich nicht getragen. Das ist ein Befund, den man ansprechen kann — anders als eine Vermutung.Offene FrageWie spricht man ihn an? Über die Beobachtung, nicht über den Vorwurf: dass das Gerät wenig Gebrauchsspuren zeigt und man gemeinsam schauen sollte, woran es liegt. Häufig gibt es einen konkreten Grund.

Das Gerät passt nach längerer Tragepause gar nicht mehr. Was ist richtig?

Die erste. Es passt nicht, weil sich die Zähne bewegt haben — nicht weil das Gerät falsch ist. Ob eine Anpassung reicht oder ein neues nötig ist, entscheidet die behandelnde Praxis.Offene FrageUnd der schrittweise Aufbau? Der ist bei einer abgeheilten Druckstelle richtig, nicht bei einem Gerät, das nicht mehr passt. Ein nicht passendes Gerät übt Kräfte in unbeabsichtigte Richtungen aus.

Das, was hängenbleiben soll

Wenig schleifen — und wenn es gar nicht mehr passt, ist Schleifen der falsche Weg.

Quellen

  • S3-Leitlinie „Ideale Behandlungszeitpunkte kieferorthopädischer Anomalien“, AWMF-Register-Nr. 083-038, Stand Dezember 2021, gültig bis Dezember 2026. Federführend Deutsche Gesellschaft für Kieferorthopädie und DGZMK.Deckt ab: Einordnung herausnehmbarer funktionskieferorthopädischer Geräte in die Behandlungszeitpunkte
  • Batista KBSL, Thiruvenkatachari B, Harrison JE, O’Brien KD. Orthodontic treatment for prominent upper front teeth (Class II malocclusion) in children and adolescents. Cochrane Database of Systematic Reviews 2018; CD003452.pub4.Deckt ab: Wirksamkeit der Geräte im Vergleich und Bedeutung der Tragezeit
  • S2k-Leitlinie „Ideale Zeitpunkte und Maßnahmen der kieferorthopädischen Diagnostik“, AWMF-Registernummer 083-050, Stand Juni 2025, federführend Deutsche Gesellschaft für Kieferorthopädie und DGZMK.Deckt ab: Verlaufskontrolle und Befunde, die dabei erhoben werden
  • Bürgerliches Gesetzbuch §§ 630c bis 630f — Informations-, Aufklärungs- und Dokumentationspflichten.Deckt ab: Dokumentation von Anpassungen an einer fremd eingegliederten Apparatur und Information der behandelnden Praxis

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