Notfall beim KFO-Patienten
Schritt 1 ·
Was du danach erklären kannst
Ein Patient mit fremder laufender Behandlung sitzt im Stuhl, und der Behandler ist nicht erreichbar. Was du tust, ist begrenzt — was du unterlässt, ebenso wichtig.
„Der Draht bohrt sich schon rein“
Das ist ein echter Notfall — und er lässt sich mit einfachen Mitteln beheben.
Was Notfall ist und was nicht
| Situation | Einordnung |
|---|---|
| Draht sticht, Schleimhautläsion | Notfall — sofortige Maßnahme |
| Apparatur gebrochen, scharfe Kante | Notfall — Kante entschärfen |
| Druckstelle mit Ulzeration | Notfall — Ursache beseitigen |
| Bracket gelöst, keine Beschwerden | Kein Notfall — aufbewahren, Termin holen |
| Apparatur passt nicht mehr | Kein Notfall — nicht weitertragen, Termin holen |
Erstens Wachs auf das Drahtende — die einfachste Lösung, sofort wirksam und vollständig reversibel.
Zweitens umbiegen — das Ende mit einer geeigneten Zange nach innen führen, sodass es nicht mehr an der Schleimhaut liegt.
Drittens kürzen — nur wenn die ersten beiden nicht ausreichen und das Ende zugänglich ist. Diese Maßnahme ist nicht rückgängig zu machen und verändert die Apparatur, deshalb steht sie am Ende.
Die Schleimhautläsion selbst wird symptomatisch behandelt.
Ein Rebonding gehört nicht zu den Notfallmaßnahmen. Die Position eines Brackets bestimmt die Zahnbewegung — sie wird bei der Behandlungsplanung festgelegt, und eine ungenaue Positionierung verändert das Behandlungsergebnis. Das ist etwas anderes als das Rebonding einer Retainer-Klebestelle, bei dem der Zahn bereits an seinem Platz steht.
Was nach der Maßnahme kommt
| Schritt | Inhalt |
|---|---|
| Dokumentieren | Befund, durchgeführte Maßnahme, Datum — auch bei kleinen Eingriffen |
| Behandelnde Praxis informieren | Kurze Mitteilung, was gemacht wurde |
| Patient über den nächsten Schritt informieren | Termin bei der behandelnden Praxis, sobald erreichbar |
Die behandelnde Praxis plant auf Grundlage dessen, was sie eingegliedert hat. Ein gekürzter Bogen oder ein entferntes Ligaturelement verändert diese Grundlage. Wer davon nichts weiß, sucht beim nächsten Termin nach einer Erklärung — oder übersieht die Änderung. Ein Satz per Fax oder Mail genügt.
Drei Fragen
Bei einer 14-Jährigen sticht das Bogenende in die Wange, die behandelnde Praxis ist nicht erreichbar. Welche Aussage trifft nicht zu?
Was ist ein echter Notfall?
Warum gehört das Rebonding eines Brackets nicht zu den Notfallmaßnahmen?
Das, was hängenbleiben soll
Quellen
- Bürgerliches Gesetzbuch §§ 630a bis 630f — Behandlungsvertrag, geschuldeter fachlicher Standard, Aufklärung und Dokumentation.Deckt ab: Dokumentation der Notfallmaßnahme und Information der behandelnden kieferorthopädischen Praxis
- Gesetz über die Ausübung der Zahnheilkunde sowie die Berufsordnungen der Landeszahnärztekammern — Grundsatz, Behandlungen nur im Rahmen der eigenen Kenntnisse und Fähigkeiten durchzuführen.Deckt ab: Grenzen des eigenen Handelns bei einer laufenden Behandlung in fremder Verantwortung
- S3-Leitlinie „Ideale Behandlungszeitpunkte kieferorthopädischer Anomalien“, AWMF-Register-Nr. 083-038, Stand Dezember 2021, gültig bis Dezember 2026. Federführend Deutsche Gesellschaft für Kieferorthopädie und DGZMK.Deckt ab: Einordnung der laufenden Behandlung, in die eingegriffen wird
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Sitzt.
Gut gemacht.
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