Parodontologie Vertiefung 6 Min

Die Zusammenarbeit mit der hausärztlichen Praxis

Schritt 1 ·

Was du danach erklären kannst

Die systemischen Zusammenhänge dieses Fachs bleiben folgenlos, solange beide Seiten nichts voneinander wissen. Dafür gibt es einen gemeinsamen Konsensusbericht — und der richtet sich ausdrücklich an beide.

1Was der gemeinsame Bericht vorsiehtZuweisung in beide Richtungen, nicht nur in eine.
2Wann du schreibstVier Anlässe, bei denen es sich lohnt.
3Was in den Brief gehörtUnd was ihn wirkungslos macht.
4Was rechtlich zu beachten istEin Punkt, der oft übersehen wird.
6 MinutenVertiefung3 Selbstcheck-Fragen4 Quellen

Ein Brief, der nie beantwortet wird

PraxisalltagEine Kollegin in der Assistenzzeit hat bei drei Patienten mit Parodontitis und schlecht eingestelltem Diabetes einen Brief an die hausärztliche Praxis geschrieben. Keiner wurde beantwortet. „Bringt das überhaupt etwas? Oder schreibe ich das für den Papierkorb?“

Es bringt etwas — wenn der Brief so gebaut ist, dass die Empfängerin damit arbeiten kann. Die meisten sind es nicht.

Der springende PunktEin Brief, der nur eine Diagnose mitteilt, verlangt nichts und bekommt deshalb nichts zurück. Ein Brief mit einer konkreten Frage erzeugt eine Antwort.

Was der gemeinsame Bericht vorsieht

Der Konsensusbericht des gemeinsamen Workshops von europäischer Fachgesellschaft für Parodontologie und der europäischen Hausärztevereinigung richtet sich ausdrücklich an beide Berufsgruppen. Er sieht vor, dass Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen, Diabetes oder Atemwegserkrankungen auf die parodontale Untersuchung hingewiesen werden — und umgekehrt, dass Patienten mit Parodontitis auf entsprechende Vorsorgeuntersuchungen aufmerksam gemacht werden.

Das ist der eigentliche Inhalt: keine Einbahnstraße, sondern zwei Berufsgruppen, die dieselben Patienten sehen und voneinander wissen sollten.

  • Diabetes mit schlechter Einstellung — die Behandlung senkt den Langzeitwert messbar
  • Kardiovaskuläre Erkrankung — mit der Bitte um Kenntnisnahme der Entzündungsquelle
  • Vor immunsuppressiver Therapie oder Transplantation — zur Abstimmung des Zeitplans
  • Verdacht auf eine zugrunde liegende Erkrankung — bei schwerem Befund ohne lokale Erklärung

Was in den Brief gehört

Bestandteil Inhalt
Diagnose Präzise nach Stadium und Grad, nicht „Parodontitis“
Bezug zur Grunderkrankung Kurz und belegt — nicht als Behauptung, sondern mit Quelle
Behandlungsplan Was geschieht und in welchem Zeitraum
Konkrete Frage Der wichtigste Teil — ohne sie kommt keine Antwort
Erreichbarkeit Direkte Rückrufnummer statt Praxiszentrale

Was den Brief wirkungslos macht: eine reine Mitteilung ohne Frage, Fachbegriffe ohne Erklärung, eine Länge über eine halbe Seite — und der Anspruch, die Behandlung der Grunderkrankung zu kommentieren. Das Letzte ist der sicherste Weg, nie wieder eine Antwort zu bekommen.

⚠️ Was rechtlich zu beachten ist

Die Weitergabe von Befunden an eine andere Praxis setzt die Einwilligung des Patienten voraus — die Schweigepflicht gilt auch zwischen Behandelnden. In aller Regel ist der Patient einverstanden, wenn man erklärt, wozu es dient. Die Einwilligung gehört dokumentiert.

Drei Fragen

Eine Kollegin hat mehrere Briefe an hausärztliche Praxen geschrieben und keine Antwort erhalten. Welche Aussage trifft nicht zu?

Die dritte. Die Schweigepflicht gilt auch zwischen Behandelnden. Die Einwilligung des Patienten ist erforderlich und gehört dokumentiert.Offene FrageWie holt man sie ein? Mit einem Satz im Gespräch, in dem man erklärt, wozu der Austausch dient. Fast alle Patienten stimmen zu — und viele finden es beruhigend, dass ihre Behandelnden voneinander wissen.

Was macht einen Brief wirksam?

Drei. Länge senkt die Wahrscheinlichkeit, gelesen zu werden, und eine Bewertung der fremden Behandlung ist der sicherste Weg, keine Antwort mehr zu bekommen.Offene FrageWie lang sollte er sein? Eine halbe Seite reicht. Was nicht hineinpasst, gehört in ein Telefonat — und ein kurzes Gespräch ist ohnehin wirksamer als jeder Brief.

Bei welchem Befund lohnt sich der Kontakt besonders?

Die erste. Hier ist die Wechselwirkung am besten belegt, die Behandlung senkt den Langzeitwert messbar — und die hausärztliche Praxis hat ein unmittelbares Interesse an dieser Information.Offene FrageWas schreibt man konkret? Diagnose, geplante Behandlung, den belegten Effekt auf den Langzeitwert und die Bitte um Rückmeldung zur aktuellen Einstellung. Das ist eine Frage, auf die man eine Antwort bekommt.

Das, was hängenbleiben soll

Ein Brief ohne Frage bekommt keine Antwort — und die Einwilligung braucht es auch unter Behandelnden.

Quellen

  • Herrera D, Sanz M, Shapira L et al. Association between periodontal diseases and cardiovascular diseases, diabetes and respiratory diseases: Consensus report des gemeinsamen Workshops von European Federation of Periodontology und WONCA Europe. Journal of Clinical Periodontology 2023; 50: 819–841.Deckt ab: gemeinsamer Konsensusbericht von Zahnmedizin und Allgemeinmedizin: Empfehlungen für beide Berufsgruppen, gegenseitige Zuweisung und Inhalte der Kommunikation
  • Sanz M, Ceriello A, Buysschaert M et al. Scientific evidence on the links between periodontal diseases and diabetes: Consensus report der gemeinsamen Konferenz von EFP und International Diabetes Federation. Journal of Clinical Periodontology 2018.Deckt ab: gemeinsame Empfehlungen von Zahnmedizin und Diabetologie einschließlich der Aufgaben beider Seiten
  • Sanz M, Marco del Castillo A, Jepsen S et al. Periodontitis and cardiovascular diseases: Consensus report der gemeinsamen Konferenz von EFP und World Heart Federation. Journal of Clinical Periodontology 2020; 47: 268–288.Deckt ab: gemeinsame Empfehlungen von Zahnmedizin und Kardiologie
  • Bürgerliches Gesetzbuch §§ 630c bis 630f — Informations-, Aufklärungs- und Dokumentationspflichten.Deckt ab: Schweigepflicht, Einwilligung in die Weitergabe von Befunden und Dokumentation

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