Parodontologie Grundlagen 6 Min

Die Reevaluation — was danach entschieden wird

Schritt 1 ·

Was du danach erklären kannst

Der Termin, an dem sich entscheidet, wie es weitergeht. Er wird oft als Kontrolle behandelt und ist in Wirklichkeit der einzige Punkt der Therapie, an dem eine echte Entscheidung fällt.

1Warum vorher nicht entschieden werden kannDie nötige Information entsteht erst durch die Behandlung.
2Warum der Zeitpunkt nicht beliebig istZu früh beurteilt heißt falsch beurteilt.
3Woran du das Ergebnis misstDrei Größen, und eine davon ist die empfindlichste.
4Was aus dem Befund folgtVier mögliche Wege.
6 MinutenGrundlagen3 Selbstcheck-Fragen5 Quellen

Vier Monate nach der Instrumentierung

Reevaluation53 Jahre, Stadium III. Die Instrumentierung ist vier Monate her. Die meisten Sondierungstiefen sind auf 3 bis 4 Millimeter gesunken, die Blutungswerte deutlich zurückgegangen. An drei Stellen bestehen weiterhin 6 Millimeter mit Blutung. „Und? War es erfolgreich?“

Überwiegend ja — und die drei verbliebenen Stellen sind genau das, worüber heute entschieden wird.

Der springende PunktDie Behandlungsplanung am Anfang legt fest, was versucht wird. Erst die Reevaluation zeigt, was davon gewirkt hat — und was noch nötig ist.

Warum erst jetzt entschieden werden kann

Vor der Instrumentierung lässt sich nicht sagen, welche Taschen sich zurückbilden. Das hängt vom Ausmaß der entzündlichen Komponente ab, von der Erreichbarkeit der Fläche, von der Mitarbeit — und all das zeigt sich erst im Ergebnis.

Deshalb ist ein chirurgischer Eingriff vor der Reevaluation nicht planbar, sondern nur als Möglichkeit zu benennen. Wer ihn vorab fest einplant, entscheidet ohne die Information, die dafür nötig wäre.

Die Gewebeheilung braucht Zeit. Wird zu früh beurteilt, erscheint eine Tasche als persistierend, die sich noch zurückbildet — mit dem Ergebnis, dass unnötig chirurgisch behandelt wird. Die Empfehlungen sehen einen Abstand von mehreren Monaten vor; in der vertragszahnärztlichen Versorgung ist ein Fenster von drei bis sechs Monaten nach Abschluss der Therapie vorgesehen.

  • Sondierungstiefe im Vergleich zum Ausgangsbefund
  • Blutung auf Sondierung — die empfindlichste Größe, weil sie am schnellsten reagiert
  • Attachmentlevel — ob weiterer Verlust eingetreten ist

Ohne vollständigen Ausgangsbefund fehlt der Vergleich. Das ist der Punkt, an dem sich eine nachlässige Erstbefundung rächt — und zwar dann, wenn sie sich nicht mehr nachholen lässt.

Was aus dem Befund folgt

Befund Weiteres Vorgehen
Sondierungstiefen gesunken, keine Blutung Übergang in die unterstützende Therapie
Einzelne Reststellen ohne Blutung Beobachten, engmaschiger kontrollieren
Reststellen mit Blutung, gut erreichbar Erneute Instrumentierung dieser Stellen
Tiefe Reststellen mit Blutung, schlecht erreichbar Chirurgische Optionen erwägen
Kein Ansprechen, schlechte Mundhygiene Ursache klären — nicht eskalieren
⚠️ Die letzte Zeile ist die wichtigste

Wenn der Befund sich insgesamt nicht gebessert hat und die Mundhygiene unzureichend ist, liegt die Ursache nicht in der Instrumentierung. Ein chirurgischer Eingriff unter diesen Bedingungen führt kurzfristig zu einer Taschenreduktion und mittelfristig zum Ausgangsbefund — mit weniger Zahnfleisch. Hier gehört die erste Therapiestufe wiederholt, nicht die dritte begonnen.

Drei Fragen

Vier Monate nach der Instrumentierung sind die meisten Werte gesunken, drei Stellen zeigen weiterhin 6 Millimeter mit Blutung. Welche Aussage trifft nicht zu?

Die dritte. Verbliebene Einzelstellen bei ansonsten deutlicher Besserung sind der Regelfall bei Stadium III — und genau der Grund, warum es eine dritte Therapiestufe gibt.Offene FrageWie viele Reststellen sind normal? Dafür gibt es keine Zahl. Was zählt, ist das Verhältnis: Bessern sich die meisten Stellen und bleiben einzelne, ist die Therapie gelungen. Bessert sich nichts, liegt die Ursache woanders.

Welche Aussagen zur Reevaluation treffen zu?

Drei. Die Reevaluation ist eine Befunderhebung mit Entscheidung, keine Reinigungssitzung. Und bei fehlender Besserung mit schlechter Mundhygiene wird die erste Stufe wiederholt, nicht eskaliert.Offene FrageWarum ist das so wichtig? Weil ein Eingriff unter diesen Bedingungen absehbar zum Ausgangsbefund zurückführt — mit weniger Zahnfleisch und einem Patienten, der eine Operation hinter sich hat.

Was ist die Voraussetzung für eine aussagekräftige Reevaluation?

Die erste. Ohne Ausgangswerte lässt sich keine Veränderung feststellen. Eine Aufnahme braucht eine eigene Indikation, der Zeitrahmen ist ein Fenster, und Beschwerdefreiheit sagt bei dieser Erkrankung wenig.Offene FrageWas tut man, wenn der Ausgangsbefund unvollständig ist? Man erhebt den aktuellen vollständig und macht ihn zum neuen Bezugspunkt. Die verlorene Vergleichsmöglichkeit lässt sich nicht nachholen — aber ab hier ist sie wieder da.

Das, was hängenbleiben soll

Hier fällt die Entscheidung — vorher lässt sie sich nur ankündigen.

Quellen

  • Sanz M, Herrera D, Kebschull M et al. Treatment of stage I–III periodontitis — The EFP S3-level clinical practice guideline. Journal of Clinical Periodontology 2020; 47 (Suppl 22): 4–60.Deckt ab: Reevaluation als Übergang zwischen den Therapiestufen, Zeitpunkt und Kriterien der Beurteilung sowie die Festlegung des weiteren Vorgehens
  • S3-Leitlinie „Die Behandlung von Parodontitis Stadium I bis III“, AWMF-Register-Nr. 083-043, federführend DG PARO und DGZMK, Stand Dezember 2020.Deckt ab: deutsche Implementierung der Empfehlungen zur Befundevaluation
  • Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses zur systematischen Behandlung von Parodontitis und anderen Parodontalerkrankungen (PAR-Richtlinie), in Kraft seit dem 1. Juli 2021.Deckt ab: Befundevaluation in der vertragszahnärztlichen Versorgung, zeitlicher Rahmen und Anschluss an die unterstützende Therapie
  • Chapple ILC, Mealey BL, Van Dyke TE et al. Periodontal health and gingival diseases and conditions. Journal of Clinical Periodontology 2018; 45 (Suppl 20): S68–S77.Deckt ab: Kriterien parodontaler Stabilität nach abgeschlossener Therapie
  • Tonetti MS, Greenwell H, Kornman KS. Staging and grading of periodontitis. Journal of Clinical Periodontology 2018; 45 (Suppl 20): S149–S161.Deckt ab: Ausgangsbefund als Vergleichsgrundlage der Beurteilung

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