Zahnbeweglichkeit und Schienung
Schritt 1 ·
Was du danach erklären kannst
Ein beweglicher Zahn löst den Reflex aus, ihn festzumachen. Der Reflex führt oft in die falsche Richtung — weil die Beweglichkeit ein Symptom ist und nicht die Erkrankung.
„Können Sie die nicht festmachen?“
Könnte man — nur würde es das Problem nicht lösen und die Reinigung erschweren. Der bessere Weg beginnt an einer anderen Stelle.
Zwei Ursachen, zwei Konsequenzen
Die Klassifikation unterscheidet zwischen dem primären und dem sekundären okklusalen Trauma. Beim primären wirken übermäßige Kräfte auf ein Parodont mit normaler Höhe. Beim sekundären wirken normale Kräfte auf ein bereits reduziertes Parodont — der Zahn hat schlicht weniger Halt.
| Primäres okklusales Trauma | Sekundäres okklusales Trauma | |
|---|---|---|
| Parodont | normale Höhe | reduziert durch Attachmentverlust |
| Ursache | übermäßige Kraft | normale Kraft, wenig Halt |
| Erste Maßnahme | Kraft reduzieren | Parodontitis behandeln |
| Nach Behandlung | Beweglichkeit bildet sich zurück | kann abnehmen, bleibt aber oft bestehen |
Wann eine Schienung sinnvoll ist
Die Leitlinie zur Behandlung von Parodontitis Stadium IV behandelt die Schienung ausdrücklich — also für die Situation, in der die Kaufunktion beeinträchtigt ist. Das grenzt die Indikation ein.
| Situation | Einordnung |
|---|---|
| Beweglichkeit vor der Therapie, ohne Funktionsstörung | zuerst behandeln, dann neu bewerten |
| Zunehmende Beweglichkeit trotz behandelter Entzündung | Schienung erwägen |
| Beeinträchtigte Kaufunktion oder Beschwerden | Schienung erwägen |
| Zahnwanderung mit ästhetischer Folge | in Verbindung mit weiterer Planung erwägen |
| Als Ersatz für die Parodontitistherapie | nicht indiziert |
Sie erschwert die Reinigung der Zwischenräume erheblich — und zwar dauerhaft, an genau den Stellen, an denen die Erkrankung sitzt. Bei einem Patienten, dessen Mundhygiene ohnehin grenzwertig ist, kann sie mehr schaden als nützen. Diese Abwägung gehört vor die Entscheidung.
Drei Fragen
Bei einem Patienten mit Stadium III vor Therapiebeginn zeigen die Unterkieferfrontzähne Grad II. Welche Aussage trifft nicht zu?
Welche Aussagen zur Zahnbeweglichkeit treffen zu?
Wie beantwortest du die Frage des Patienten?
Das, was hängenbleiben soll
Quellen
- Jepsen S, Caton JG, Albandar JM et al. Periodontal manifestations of systemic diseases and developmental and acquired conditions: Consensus report of workgroup 3 of the 2017 World Workshop. Journal of Clinical Periodontology 2018; 45 (Suppl 20): S219–S229.Deckt ab: traumatische okklusale Kräfte und Zahnbeweglichkeit als parodontale Befunde, Abgrenzung von primärem und sekundärem okklusalem Trauma
- Tonetti MS, Greenwell H, Kornman KS. Staging and grading of periodontitis: framework and proposal of a new classification and case definition. Journal of Clinical Periodontology 2018; 45 (Suppl 20): S149–S161.Deckt ab: Beweglichkeit als Kriterium der Stadieneinteilung und der Komplexität
- Herrera D, Sanz M, Kebschull M et al. Treatment of stage IV periodontitis — The EFP S3-level clinical practice guideline. Journal of Clinical Periodontology 2022; 49 (Suppl 24): 4–71.Deckt ab: Schienung im Rahmen der Behandlung von Parodontitis Stadium IV, Indikation und Einordnung
- Sanz M, Herrera D, Kebschull M et al. Treatment of stage I–III periodontitis — The EFP S3-level clinical practice guideline. Journal of Clinical Periodontology 2020; 47 (Suppl 22): 4–60.Deckt ab: Entzündungskontrolle als Voraussetzung jeder Maßnahme an beweglichen Zähnen
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