Furkationsbeteiligung einordnen
Schritt 1 ·
Was du danach erklären kannst
Der Furkationsbefund verändert Prognose und Therapieplanung mehr als fast jeder andere Einzelbefund — und er lässt sich nur mit dem richtigen Instrument erheben.
Die Tasche, die nicht besser wird
Die Stelle, die nicht auf die Therapie anspricht, ist selten zufällig gewählt. Hier erklärt der Furkationsbefund, warum.
Wie gemessen wird
Der Furkationsbefund wird horizontal erhoben, nicht vertikal. Gemessen wird, wie weit sich die Sonde von außen zwischen die Wurzeln schieben lässt. Dafür braucht es eine gebogene Sonde — eine gerade Parodontalsonde erreicht den Eingang häufig nicht und liefert deshalb einen falsch negativen Befund.
| Grad | Befund | Bedeutung |
|---|---|---|
| I | horizontal bis etwa ein Drittel der Zahnbreite sondierbar | beginnender Verlust, meist gut beherrschbar |
| II | weiter als ein Drittel, aber nicht durchgängig | der Bereich ist nicht mehr vollständig zu reinigen |
| III | durchgängig sondierbar | die Furkation ist von einer zur anderen Seite offen |
Was daraus folgt
| Grad | Naheliegende Wege |
|---|---|
| I | Instrumentierung, gegebenenfalls Zugangsverbesserung, engmaschige Nachsorge |
| II | Chirurgische Optionen erwägen — regenerativ oder resektiv, je nach Defektform |
| III | Erhalt schwieriger; Tunnelierung, Wurzelamputation oder Extraktion erwägen |
Die Furkationsbeteiligung ist zugleich ein Kriterium der Stadieneinteilung: Sie erhöht die Komplexität und kann ein Stadium anheben. Sie ist deshalb nicht nur ein lokaler Befund, sondern beeinflusst die Einordnung des gesamten Falls.
Dass diese Stelle schlechter zugänglich ist und deshalb eine schlechtere Prognose hat als der Rest — und dass sie engmaschiger kontrolliert wird. Ein Patient, der versteht, warum eine einzelne Stelle Sorgen macht, während der Rest gut aussieht, macht die Nachsorge eher mit.
Drei Fragen
An 36 bukkal besteht nach der Instrumentierung weiterhin eine Sondierungstiefe von 6 Millimetern, die Furkation ist horizontal 4 Millimeter sondierbar. Welche Aussage trifft nicht zu?
Welche Aussagen zur Furkationsbeteiligung treffen zu?
Warum spricht die Furkation schlechter auf die Instrumentierung an?
Das, was hängenbleiben soll
Quellen
- Sanz M, Herrera D, Kebschull M, Chapple I, Jepsen S, Berglundh T, Sculean A, Tonetti MS. Treatment of stage I–III periodontitis — The EFP S3-level clinical practice guideline. Journal of Clinical Periodontology 2020; 47 (Suppl 22): 4–60.Deckt ab: Behandlung furkationsbeteiligter Zähne, Stellenwert nicht-chirurgischer und chirurgischer Verfahren
- S3-Leitlinie „Die Behandlung von Parodontitis Stadium I bis III“, AWMF-Register-Nr. 083-043, federführend DG PARO und DGZMK. Deutsche Implementierung der EFP-Leitlinie, Stand Dezember 2020, Gültigkeit bis November 2025.Deckt ab: deutsche Implementierung der Empfehlungen zur Furkationsbeteiligung
- Tonetti MS, Greenwell H, Kornman KS. Staging and grading of periodontitis: framework and proposal of a new classification and case definition. Journal of Clinical Periodontology 2018; 45 (Suppl 20): S149–S161.Deckt ab: Furkationsbeteiligung als Kriterium der Stadieneinteilung und der Komplexität
- Papapanou PN, Sanz M, Buduneli N et al. Periodontitis: Consensus report of workgroup 2 of the 2017 World Workshop on the Classification of Periodontal and Peri-Implant Diseases and Conditions. Journal of Clinical Periodontology 2018; 45 (Suppl 20): S162–S170.Deckt ab: Einordnung des Befunds in die Falldefinition
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