Gingivitis und Parodontitis unterscheiden
Schritt 1 ·
Was du danach erklären kannst
Beides blutet, beides ist entzündet — und trotzdem ist das eine vollständig rückbildungsfähig und das andere nicht. Der Unterschied liegt an einer Stelle, die man messen muss statt sie zu sehen.
„Ist das schlimm?“
Hier ist es eine Gingivitis — und die Botschaft an den Patienten ist eine gute: Sie bildet sich vollständig zurück.
Der eine Unterschied
Bei der Gingivitis ist die Entzündung auf die Gingiva beschränkt. Der bindegewebige Attachmentapparat und der Knochen sind nicht betroffen. Wird die Ursache beseitigt, bildet sie sich vollständig zurück.
Bei der Parodontitis ist Attachment verloren gegangen. Dieser Verlust ist irreversibel — die Therapie kann ihn aufhalten, aber nicht rückgängig machen. Deshalb ist die Unterscheidung nicht akademisch: Sie entscheidet darüber, ob der Ausgangszustand wiederherstellbar ist.
Der dritte Fall: das reduzierte Parodont
Ein Patient nach erfolgreich behandelter Parodontitis hat weniger Attachment als jemand, der nie erkrankt war. Er ist deshalb nicht krank — aber er ist auch nicht wie ein Gesunder zu beurteilen.
| Situation | Einordnung |
|---|---|
| Intaktes Parodont, keine Entzündung | parodontal gesund |
| Intaktes Parodont, Entzündung | Gingivitis |
| Reduziertes Parodont, keine Entzündung, keine Parodontitis-Vorgeschichte | gesund auf reduziertem Parodont |
| Reduziertes Parodont nach Parodontitis, entzündungsfrei | stabile Parodontitis in Nachsorge |
| Interdentaler Attachmentverlust an mehreren nicht benachbarten Zähnen | Parodontitis |
Ein Patient mit behandelter Parodontitis bleibt ein Parodontitispatient — auch wenn er entzündungsfrei ist. Er wird nicht in den normalen Recall entlassen, sondern in die strukturierte Nachsorge. Diese Unterscheidung ist der Grund, warum die Klassifikation den Zustand nach Therapie eigens benennt.
Drei Fragen
Bei einer 32-jährigen Patientin bestehen Blutung, Sondierungstiefen bis 4 Millimeter und kein Attachmentverlust. Welche Aussage trifft nicht zu?
Welche Aussagen treffen zu?
Warum ist die Unterscheidung für das Patientengespräch wichtig?
Das, was hängenbleiben soll
Quellen
- Chapple ILC, Mealey BL, Van Dyke TE et al. Periodontal health and gingival diseases and conditions on an intact and a reduced periodontium: Consensus report of workgroup 1 of the 2017 World Workshop. Journal of Clinical Periodontology 2018; 45 (Suppl 20): S68–S77.Deckt ab: Definition parodontaler Gesundheit, Abgrenzung von Gingivitis und Bewertung des reduzierten Parodonts
- Papapanou PN, Sanz M, Buduneli N et al. Periodontitis: Consensus report of workgroup 2 of the 2017 World Workshop on the Classification of Periodontal and Peri-Implant Diseases and Conditions. Journal of Clinical Periodontology 2018; 45 (Suppl 20): S162–S170.Deckt ab: Falldefinition der Parodontitis anhand des interdentalen Attachmentverlusts
- Tonetti MS, Greenwell H, Kornman KS. Staging and grading of periodontitis: framework and proposal of a new classification and case definition. Journal of Clinical Periodontology 2018; 45 (Suppl 20): S149–S161.Deckt ab: Kriterien, an denen sich Parodontitis von Gingivitis unterscheiden lässt
- Sanz M, Herrera D, Kebschull M, Chapple I, Jepsen S, Berglundh T, Sculean A, Tonetti MS. Treatment of stage I–III periodontitis — The EFP S3-level clinical practice guideline. Journal of Clinical Periodontology 2020; 47 (Suppl 22): 4–60.Deckt ab: therapeutische Konsequenzen der Unterscheidung
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