Medikamentenbedingte Gingivawucherung
Schritt 1 ·
Was du danach erklären kannst
Ein Befund, der nach Parodontitis aussieht und keine ist — mit einer Ursache, die außerhalb des Mundes liegt und trotzdem im Mund verstärkt wird.
„Seit ich die Tabletten nehme“
Der Patient hat den Zusammenhang selbst erkannt. Die Frage nach der Entfernung ist berechtigt — sie ist nur nicht der erste Schritt.
Drei Substanzgruppen, ein Mechanismus
| Gruppe | Typischer Zusammenhang |
|---|---|
| Kalziumkanalblocker | Bluthochdruck — die häufigste Ursache in der Praxis |
| Immunsuppressiva | Nach Organtransplantation, bei Autoimmunerkrankungen |
| Antikonvulsiva | Bei Epilepsie |
Die Klassifikation führt die medikamentenbedingte Gingivawucherung als eigene Entität — sie ist keine Parodontitis und wird auch nicht als solche eingeordnet. Der Mechanismus verläuft über eine Beeinflussung der Fibroblasten mit vermehrter Bildung von Bindegewebe.
Die Reihenfolge
| Schritt | Inhalt |
|---|---|
| Attachmentlevel erheben | Klären, ob zusätzlich eine Parodontitis besteht |
| Plaquekontrolle optimieren | Instruktion, professionelle Reinigung, engmaschige Kontrolle |
| Rücksprache mit der verordnenden Praxis | Ob ein Wechsel innerhalb der Substanzgruppe möglich ist |
| Verlauf abwarten | Rückbildung nach Umstellung und Entzündungskontrolle braucht Zeit |
| Chirurgische Entfernung | Erst wenn die konservativen Wege ausgeschöpft sind |
Das Medikament eigenständig absetzen lassen oder den Patienten dazu raten. Die Umstellung ist eine ärztliche Entscheidung, und bei einer Epilepsie oder nach einer Transplantation ist sie alles andere als trivial. Was du tust, ist fragen — mit der konkreten Angabe, welcher Befund vorliegt.
Drei Fragen
Bei einem Patienten unter Kalziumkanalblocker bestehen Sondierungstiefen von 5 bis 6 Millimetern ohne Attachmentverlust. Welche Aussage trifft nicht zu?
Welche Aussagen zur medikamentenbedingten Gingivawucherung treffen zu?
Was ist der erste Schritt bei diesem Befund?
Das, was hängenbleiben soll
Quellen
- Jepsen S, Caton JG, Albandar JM et al. Periodontal manifestations of systemic diseases and developmental and acquired conditions: Consensus report of workgroup 3 of the 2017 World Workshop. Journal of Clinical Periodontology 2018; 45 (Suppl 20): S219–S229.Deckt ab: medikamentenbedingte Gingivawucherung als eigene Entität der Klassifikation, auslösende Substanzgruppen und Abgrenzung
- Sanz M, Herrera D, Kebschull M et al. Treatment of stage I–III periodontitis — The EFP S3-level clinical practice guideline. Journal of Clinical Periodontology 2020; 47 (Suppl 22): 4–60.Deckt ab: Behandlung der begleitenden Entzündung und Stellenwert der Plaquekontrolle
- S3-Leitlinie „Die Behandlung von Parodontitis Stadium I bis III“, AWMF-Register-Nr. 083-043, federführend DG PARO und DGZMK, Stand Dezember 2020.Deckt ab: deutsche Implementierung der Empfehlungen zur Entzündungskontrolle
- Bürgerliches Gesetzbuch §§ 630c bis 630f — Informations-, Aufklärungs- und Dokumentationspflichten.Deckt ab: Abstimmung mit der verordnenden Praxis und Dokumentation
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