Parodontitis und Rauchen
Schritt 1 ·
Was du danach erklären kannst
Der stärkste beeinflussbare Risikofaktor — und zugleich der, der den Befund verschleiert. Beides zusammen macht den Raucher zum Patienten, der sich am sichersten fühlt und am meisten verliert.
„Da kann es doch nicht so schlimm sein“
Genau das ist das Problem: Das Fehlen des Symptoms, das andere Patienten alarmiert, ist hier selbst eine Folge des Rauchens.
Warum der Befund täuscht
Nikotin führt zu einer Verengung der gingivalen Gefäße. Die entzündliche Reaktion an der Oberfläche ist dadurch abgeschwächt — weniger Rötung, weniger Schwellung, weniger Blutung. Der Gewebeabbau darunter läuft weiter.
Für das Screening heißt das: Der Index, der auf Blutung und Sondierungstiefe beruht, unterschätzt bei Rauchern die Schwere. Wer bei einem Raucher einen unauffälligen Screeningbefund erhebt, sollte ihn entsprechend vorsichtig lesen.
Wie du es ansprichst
Die systematische Auswertung zur Risikofaktorkontrolle im Rahmen der Leitlinienarbeit stützt, dass Entwöhnungsinterventionen im zahnärztlichen Umfeld wirken. Die Leitlinie führt das Ansprechen von Risikofaktoren ausdrücklich in der ersten Therapiestufe — es ist Teil der Behandlung, nicht ein Zusatz.
| Statt | Besser |
|---|---|
| „Sie müssen aufhören zu rauchen“ | „Aufhören ist die wirksamste Maßnahme, die Ihnen zur Verfügung steht“ |
| „Sonst verlieren Sie Ihre Zähne“ | „Ihre Prognose verbessert sich deutlich, wenn Sie aufhören“ |
| „Das ist Ihre Entscheidung“ | „Wenn Sie es angehen wollen, kann ich Ihnen sagen, wo es Unterstützung gibt“ |
Dass die Prognose von Exrauchern sich der von Nichtrauchern annähert. Das ist eine positive Aussage über die Zukunft statt einer Bewertung der Vergangenheit — und sie kommt bei Patienten, die schon oft moralisiert wurden, deutlich besser an.
Drei Fragen
Ein Raucher hat wenig Blutung, aber deutlichen Knochenverlust. Welche Aussage trifft nicht zu?
Welche Aussagen zum Rauchen treffen zu?
Wie sprichst du die Entwöhnung fachlich sinnvoll an?
Das, was hängenbleiben soll
Quellen
- Ramseier CA, Woelber JP, Kitzmann J, Detzen L, Carra MC, Bouchard P. Impact of risk factor control interventions for smoking cessation and promotion of healthy lifestyles in patients with periodontitis: a systematic review. Journal of Clinical Periodontology 2020; 47 (Suppl 22): 90–106.Deckt ab: Wirksamkeit von Interventionen zur Raucherentwöhnung im Rahmen der Parodontitistherapie
- Tonetti MS, Greenwell H, Kornman KS. Staging and grading of periodontitis. Journal of Clinical Periodontology 2018; 45 (Suppl 20): S149–S161.Deckt ab: Rauchen als Faktor der Gradbestimmung und seine Gewichtung
- Sanz M, Herrera D, Kebschull M et al. Treatment of stage I–III periodontitis — The EFP S3-level clinical practice guideline. Journal of Clinical Periodontology 2020; 47 (Suppl 22): 4–60.Deckt ab: Stellenwert der Risikofaktorkontrolle in der ersten Therapiestufe
- S3-Leitlinie „Die Behandlung von Parodontitis Stadium I bis III“, AWMF-Register-Nr. 083-043, federführend DG PARO und DGZMK, Stand Dezember 2020.Deckt ab: deutsche Implementierung der Empfehlungen zur Risikofaktorkontrolle
Melde dich an, damit dein Fortschritt gespeichert wird.
Sitzt.
Gut gemacht.
Die Lektion bleibt in deiner Übersicht markiert. Komm zurück, wann immer du sie brauchst.
